{"id":3677,"date":"2020-01-27T21:12:03","date_gmt":"2020-01-27T20:12:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3677"},"modified":"2020-05-27T08:45:03","modified_gmt":"2020-05-27T06:45:03","slug":"hvoslefs-klavierkonzert-endlich-auf-cd","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/01\/27\/hvoslefs-klavierkonzert-endlich-auf-cd\/","title":{"rendered":"Hvoslefs Klavierkonzert endlich auf CD"},"content":{"rendered":"\n<p>Simax Classics, PSC1375; EAN: 7033662013753<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/N0184-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3678\" width=\"258\" height=\"258\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/N0184-1.jpg 550w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/N0184-1-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/N0184-1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 258px) 100vw, 258px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Unter drei Dirigenten\nspielt das Bergen Philharmonic Orchestra drei Werke von Ketil Hvoslef. Zun\u00e4chst\nh\u00f6ren wir das Klavierkonzert mit dem Pianisten Leif Ove Andsnes unter\nStabf\u00fchrung Edward Gardners, dann \u201eEin Traumspiel\u201c unter Eivind Gullberg Jensen\nund zuletzt \u201eBarabbas\u201c unter Juanjo Mena.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vor einigen Jahren h\u00f6rte ich einen Radiomitschnitt eines\nKlavierkonzerts: Ich wei\u00df nicht mehr genau, unter welchen Umst\u00e4nden dies war,\naber als die Musik begann, verga\u00df ich Zeit und Raum, war gefangen von diesen\neinmaligen wie packenden Kl\u00e4ngen, die mich bis heut nicht loslassen. Als ich\nnachher auf die Uhr blickte, waren drei\u00dfig Minuten vergangen, die mir vorkamen\nwie nur wenige Augenblicke. Bei dieser Musik handelte es sich um das 1992\nkomponierte Klavierkonzert von Ketil Hvoslef, das nun der Widmungstr\u00e4ger Leif\nOve Andsnes gemeinsam mit dem Bergen Philharmonic Orchestra unter Edward\nGardner auf CD gebrannt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Konzert \u00f6ffnet mit einem Wirbel der gro\u00dfen Trommel und\nm\u00e4chtigen Akkorden des Klaviers (beinahe eine Karikatur auf das a-Moll-Konzert\nGriegs); die Akkorde verklingen nach und nach zu einer Zweitonfigur, bis der\nSolist seine Finger von den Tasten nimmt \u2013 doch noch immer klingt die Figur\nweiter! Hinter der B\u00fchne steht ein zweiter Fl\u00fcgel, etwas tiefer gestimmt als\ndas Soloinstrument, und erzeugt eine einmalige Echowirkung. Das gesamte Werk\nstrotzt vor solchen \u00dcberraschungseffekten, was die Spannung hoch h\u00e4lt. Vom\nSolisten wird enorme rhythmische Energie und Pr\u00e4zision verlangt, die Akzente\nder einzelnen Figuren gehen beinahe immer gegen die Taktstruktur und oftmals\ngegen das gesamte Orchester. So abstrakt die Motive teilweise erscheinen, so\nsehr gehen sie dabei ins Ohr und schaffen eine stringente Form, die auf enorme\nKontraste und perfektes Timing beim Wechsel der einzelnen Abschnitte aufbaut.\nIm Mittelsatz kehrt das Echo zum zweiten Klavier wieder, hier noch enger geballt.\nMagisch wirkt der gewaltige Aufbau des ganzen Orchesters inklusive des\nSolisten, bis allerdings die Spannung kippt und das Orchester wieder verebbt,\nw\u00e4hrend aber das Klavier weiter in die H\u00f6he treibt. Hvoslef revidierte das Werk\nbereits mehrfach, in meiner Partitur sind alleine drei Revisionen bis 1999\nverzeichnet; f\u00fcr die vorliegende Aufnahme arbeitete der Komponist noch einmal\nan dem Konzert. Die Ver\u00e4nderungen betreffen das Finale, in dem eine \u00fcberraschende\nK\u00fcrzung kurz vor Ende den Kontext strafft. Au\u00dferdem \u00fcberarbeitete Hvoslef den\nSchluss, der nun nicht mehr so d\u00fcster wirkt wie zuvor, sondern offener und mit\nR\u00fcckbezug auf das Echo-Klavier. Leif Ove Andsnes spielt das Konzert mit\nmechanischer Perfektion und pr\u00e4zise ausgearbeitetem Anschlag. F\u00fcr gro\u00dfe Emotion\nist wenig Platz in dieser Musik, doch Andsnes gelingt es, ein gewisses Ma\u00df an\nSentiment und Einf\u00fchlung in die Noten zu legen. Dynamisch setzt er minuti\u00f6s die\nan die Grenzen der Realisierbarkeit sto\u00dfenden Vorzeichnungen um und rei\u00dft das\nOrchester mit, was zu erstaunlichen Kontrasten f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den anderen beiden Werken dieser CD-Produktion handelt\nes sich um Archivaufnahmen: \u201eEin Traumspiel\u201c wurde bereits 2011 von Eivind\nGullberg Jensen eingespielt, Barabbas geht auf das Jahr 2013 zur\u00fcck. Das\neins\u00e4tzige Werk \u201eEin Traumspiel\u201c basiert auf dem poetischen Drama \u201eEtt\ndr\u00f6mespel\u201c von August Strindberg und katapultiert den H\u00f6rer vom ersten Ton an\nin eine magische Welt. Es handelt sich um eines der lichtesten Werke Hvoslefs,\ndas selbst eine ausgiebige t\u00e4nzerische Passage zul\u00e4sst (wenngleich die Musik\nwie fast immer bei Hvoslef im 4\/4-Metrum verweilt). Jensen dirigiert das ihm\ngewidmete St\u00fcck mit viel Seele und intuitivem Gesp\u00fcr f\u00fcr Klang. Wie kaum ein\nanderer Dirigent unserer Zeit versteht Jensen instinktiv die Musik, erfasst\norganische Formen und gro\u00dfe Kontexte, setzt diese auf eine Weise um, die den\nH\u00f6rer direkt ansprechen. Auff\u00e4llig ger\u00e4t besonders die Schattierung der kurzen\nNoten von extremem Staccato bis zu volumin\u00f6s nachklingenden Akzenten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Oper ohne S\u00e4nger \u201eBarabbas\u201c ist das genaue Gegenteil von \u201eEin Traumspiel\u201c: sie erkundet die Tiefen und h\u00e4lt eine d\u00fcster-dramatische Aura aufrecht. Kaum ein Lichtblick glimmt in den drei S\u00e4tzen\/Akten auf, die Musik treibt vorw\u00e4rts in einem finsteren Sog voller Leid und Qual. Doch genau hierin liegt auch ihre ureigene Qualit\u00e4t, die den H\u00f6rer bannt. \u00a0Die drei S\u00e4tze zeichnen die Geschichte nach um den Entscheidungsprozess, ob Jesus begnadigt werden soll, oder doch Barabbas. Juanjo Mena geht auf die d\u00fcstere Haltung der Musik ein und fokussiert den Drang in die Tiefe. Wir kennen ihr haupts\u00e4chlich als Dirigenten spanischer Musik; hier zeigt sich, welch einen Tiefgang und Gesp\u00fcr er auch f\u00fcr die nordischen Meister besitzt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/the-must-listener\/\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/MustListener.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2902\" width=\"152\" height=\"96\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/MustListener.jpg 403w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/MustListener-300x189.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 152px) 100vw, 152px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nJanuar 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Simax Classics, PSC1375; EAN: 7033662013753 Unter drei Dirigenten spielt das Bergen Philharmonic Orchestra drei Werke von Ketil Hvoslef. 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