{"id":3689,"date":"2020-02-02T07:24:00","date_gmt":"2020-02-02T06:24:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3689"},"modified":"2020-05-27T08:38:04","modified_gmt":"2020-05-27T06:38:04","slug":"folklore-fuer-den-konzertsaal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/02\/02\/folklore-fuer-den-konzertsaal\/","title":{"rendered":"Folklore f\u00fcr den Konzertsaal"},"content":{"rendered":"\n<p>Simax, PPC9080; EAN: 7033662090808<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/N0186.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3686\" width=\"335\" height=\"335\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/N0186.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/N0186-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/N0186-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 335px) 100vw, 335px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Anl\u00e4sslich des 150.\nGeburtstags von Komitas nimmt die aus Armenien stammende und in Norwegen lebende\nPianistin Mariam Kharatyan Lieder und T\u00e4nze von Komitas auf. F\u00fcr Klavier solo\nerklingen sieben T\u00e4nze aus Yot Par und Msho Shoror, dazu nimmt sie einige\nLieder auf. An den Volksinstrumenten Duduk und Blul erklingen die Gesangslinien\ninstrumental durch Vigen Balasanyan.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Unpr\u00e4tenti\u00f6s bezeichnete Komitas die meisten seiner\nKompositionen als reine Transkriptionen von Volksliedern \u2013 schlie\u00dflich sah man\nes ungern, dass ein Geistlicher, zumal mit dem ehrenvollen Titel Vardapet, sich\nweltlichen oder sogar ichbezogenen T\u00e4tigkeiten wie dem Komponieren widmete;\nwenngleich er die Melodien so vor dem Vergessenwerden bewahrte. Die Wahrheit\nist, dass Komitas viel mehr machte, als blo\u00df Melodien aufzuzeichnen: Er schuf\neigene Kunstwerke und formte eine tonale Sprache auf Basis der \u00f6stlichen\nFolklore. Somit stieg er zum Leitbild auf von ganzen Komponistengenerationen,\ndenen es zuvor als unm\u00f6glich erschien, die modalen und abw\u00e4rts-gerichteten\nMelodien mit dem oberquintbezogenen (dominantischen) Harmoniesystem der\nwestlichen Kultur zu vereinen. Komitas lernte beide Welten kennen: geboren in\nder T\u00fcrkei, zog seine Familie bald nach Armenien, wo seine au\u00dferordentliche\nStimme schnell entdeckt wurde \u2013 sp\u00e4ter vollendete er seine Ausbildung in\nDeutschland und machte gro\u00dfen Eindruck auf die europ\u00e4ische Musikszene,\nnamentlich besonders auf Debussy. Den gesammelten Volksmelodien unterlegte\nKomitas Klavierstimmen in ausgereifter Harmonik, versuchte zugleich, die\narmenischen Instrumente klanglich am Klavier nachzuahmen. Auch wenn seine Werke\nden heute gebr\u00e4uchlichen Taktstrukturen zugrunde liegen, bewahrt er sich stets\ndie Freiheit ungebundener Folklore. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen eines \u201eArtistic Research\u201c Projekts n\u00e4herte sich Mariam Kharatyan der Musik Komitas\u2018 von der theoretischen wie der praktischen Seite, beide wohl fundiert auf dieser CD pr\u00e4sentiert. Kharatyan interessiert sich vor allem f\u00fcr die Urspr\u00fcnglichkeit dieser Musik, f\u00fcr die sensible Klanggestaltung, die den armenischen Instrumenten nahekommt, beziehungsweise sie gar imitiert. So gelingt eine einf\u00fchlsame und zarte Darbietung der St\u00fccke, die f\u00f6rmlich den Duft des Ostens auf die Wohnzimmeranlage projiziert. Ohne Widerstand oder H\u00e4rte nimmt sie die T\u00e4nze, differenziert jede Melodie und jeden Klangeffekt einzeln aus, schafft so ensembleartigen Klang. Als Kharatyan die historischen Aufnahmen von Komitas selbst h\u00f6rte, war sie gebannt von der inbr\u00fcnstigen und durch ihre Urt\u00fcmlichkeit \u00fcberw\u00e4ltigenden Stimmbeherrschung des Vardapet. So entschloss sie, f\u00fcr ihr Projekt keinen S\u00e4nger anzufragen, sondern die Singstimme durch die Folkloreinstrumente Duduk und Blul widerzugeben. In Vigen Balasanyan fand sie einen Partner, der kongenial auf die Klavierstimme eingeht, seine Melodien in unverf\u00e4lschtem Sentiment erstrahlen l\u00e4sst und mit ungeheurer Leichtigkeit die Noten zum Leben erweckt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/the-must-listener\/\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/MustListener.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2902\" width=\"184\" height=\"116\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/MustListener.jpg 403w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/MustListener-300x189.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Februar\n2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Simax, PPC9080; EAN: 7033662090808 Anl\u00e4sslich des 150. 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