{"id":3701,"date":"2020-02-12T11:09:48","date_gmt":"2020-02-12T10:09:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3701"},"modified":"2020-02-12T11:10:43","modified_gmt":"2020-02-12T10:10:43","slug":"armenien-und-russland-aus-norwegen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/02\/12\/armenien-und-russland-aus-norwegen\/","title":{"rendered":"Armenien und Russland aus Norwegen"},"content":{"rendered":"\n<p>Simax classics, PSC1373; EAN: 7033662013739<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/N0190.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3702\" width=\"307\" height=\"307\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/N0190.jpg 256w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/N0190-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 307px) 100vw, 307px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Genuine wie arrangierte\nKammermusik von Aram Khachaturian h\u00f6ren wir als klingendes Resultat von Mariam\nKharatyans \u201eMusical Research\u201c-Projekt \u201eArmenian Fingerprints\u201c. Gemeinsam mit\ndem Violinisten Adam Gr\u00fcchot, dem Cellisten Leonardo Sesenna und dem Klarinettisten\nStig Nordhagen spielt die Pianisten das Klarinettentrio, die Geigensonate, das\nSong-Poem sowie S\u00e4beltanz und Lullaby aus Gayaneh und das Adagio aus Spartakus\n(in Bearbeitungen von Pivazyan und Asatryan).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Musical Research ist ein bei uns eher un\u00fcbliches System, um\ndas wir die Norweger beneiden sollten: Es handelt sich um die Symbiose aus\nMusikpraxis und Musikwissenschaft, die aus theoretischer Forschung Schl\u00fcsse f\u00fcr\neine praktische Auff\u00fchrung zieht. W\u00e4hrend bei uns ein Gro\u00dfteil der Musiker kaum\nAhnung von den Hintergr\u00fcnden besitzen und die Wissenschaft der Praxis absolut\nfern ist, geht dies in Norwegen Hand in Hand und bringt Resultate, die\n\u00fcberw\u00e4ltigender kaum sein k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mariam Kharatyan besch\u00e4ftigte sich in ihrem Projekt \u201eArmenian Fingerprints\u201c von 2015 bis 2019 mit den Auswirkungen der Musik ihres Heimatlands Armenien auf Kompositionen von Komitas und Khachaturian, pr\u00e4sentiert nun zwei CDs als Ergebnis ihrer Forschung [<a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/02\/02\/folklore-fuer-den-konzertsaal\/\">Rezension zur Komitas-CD hier<\/a>]. Besonderes Interesse zeigt Kharatyan an den Ankl\u00e4ngen der Volksinstrumente in der Musik, die sie durch besondere Pedalisierungen, insbesondere unter Verwendung des mittleren Pedals, imitiert. Allgemein besch\u00e4ftigt sie sich mit der urspr\u00fcnglichen Kunst der Volksmusiks\u00e4nger und -instrumentalisten und sucht deren Pendant in der Musik von Komitas und Khachaturian. W\u00e4hrend Komitas sich in den Dienst der genuinen Musik stellt und Melodien durch Transkription und Harmonisierung vor dem Vergessen bewahrte, machte Khachaturian sie konzertf\u00e4hig und integrierte sie vollends in die Stilwelten der westlichen Tradition.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gibt der Musik Khachaturians einen exotischen, f\u00fcr uns\nteils gar fremdartigen Anklang und macht manch eine seiner Formen schwer zu\nverstehen: das Improvisatorische Element, die erz\u00e4hlerischen Freiheiten geben\nsich oft nicht unmittelbar nachzuvollziehen. Dabei verfehlt doch die Musik\nnicht ihre Wirkung und wir lauschen gespannt diesen Kl\u00e4ngen zwischen\narmenischer Tradition und russischer Schule. <\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen von der fast vergessenen Violinsonate sind die Werke\ndieser Einspielung relativ bekannt. Doch die hier vorliegende Aufnahme l\u00e4sst\nsie in v\u00f6llig neuem Glanz erstrahlen, so dass man meinen k\u00f6nnte, g\u00e4nzlich neue\nWerke zu h\u00f6ren. Mariam Kharatyan besticht durch feinf\u00fchliges und feinh\u00f6riges\nSpiel, das so ungek\u00fcnstelt und frei wirkt, als w\u00e4re der Klavierpart im Moment\ndes Spielens entstanden. Ihre Interessen teilt sie mit ihren\nKammermusikpartnern, die ebenso nat\u00fcrlich wie unpr\u00e4tenti\u00f6s diese teils virtuos\nvertrackten Stimmen in unerh\u00f6rter Leichtigkeit \u2013 man m\u00f6chte sagen,\nUnbek\u00fcmmertheit \u2013 meistern. Der Fokus liegt nicht immer auf der gro\u00dfen Form,\ndaf\u00fcr umso mehr auf dem Hier und Jetzt, auf der minuti\u00f6sen Klanggestaltung und\nder Vielseitigkeit einer jeden Melodie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nFebruar 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Simax classics, PSC1373; EAN: 7033662013739 Genuine wie arrangierte Kammermusik von Aram Khachaturian h\u00f6ren wir als klingendes Resultat von Mariam Kharatyans \u201eMusical Research\u201c-Projekt \u201eArmenian Fingerprints\u201c. 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