{"id":3712,"date":"2020-02-23T10:45:09","date_gmt":"2020-02-23T09:45:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3712"},"modified":"2020-02-23T10:45:11","modified_gmt":"2020-02-23T09:45:11","slug":"ungewohnte-besetzungen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/02\/23\/ungewohnte-besetzungen\/","title":{"rendered":"Ungewohnte Besetzungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Musikproduktion Dabringhaus und Grimm, MDG 903 2136-6; EAN: 7 60623 21366 8<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/N0193.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3713\" width=\"302\" height=\"302\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/N0193.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/N0193-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/N0193-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 302px) 100vw, 302px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Das Franz Ensemble spielt gr\u00f6\u00dfer besetzte Kammermusikwerke von Ferdinand Ries. Programmiert wird das Sextett Op. 142, das Streichtrio WoO 70,2 und das Oktett op. 128. Das Ensemble besteht aus Maximilian Krome (Klarinette), Rie Koyama (Fagott), Sarah Christian (Geige), Yuko Hara (Bratsche), Tristan Cornut (Cello), Juliane Bruckmann (Kontrabass) und Kiveli Doerken (Klavier), zudem luden sie zwei G\u00e4ste ein: Jonathan Wegloop am Horn und Emily Hoile an der Harfe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Franz Ries geh\u00f6rt neben Johann Nepomuk Hummel und Johann Ladislaus\nDussek zu denjenigen Komponisten der sp\u00e4tklassischen Epoche, deren Namen zwar\ngel\u00e4ufig, die aber doch nur selten auf Konzertprogrammen zu finden sind. Im\nFalle Ries\u2018 liegt dies nicht zuletzt an den Vorw\u00fcrfen des Epigonentums, er\nbediene sich an den Stilwelten seines Lehrers Beethoven und ihm mangle es an\nOriginalit\u00e4t. Sicherlich mag sein Lehrer gewissen Einfluss auf ihn gehabt\nhaben, was schlie\u00dflich niemandem verdenkt werden kann, doch bemerkt man bei\nRies schon fr\u00fch eigene Elemente und eine schnell reifende Handschrift, welche\ndie Vorw\u00fcrfe L\u00fcgen straft.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeit Lebens hatte Ferdinand Ries es schwer. Nach seiner\nprofunden Ausbildung bei Beethoven und gro\u00dfen Erfolgen als Pianist (vor allem\nmit der Urauff\u00fchrung des 3. Klavierkonzerts seines Lehrers) wandelte er \u2013 oft\nbedingt durch die gespannte politische Lage \u2013 durch halb Europa, ohne die\ngew\u00fcnschte Anerkennung zu finden. Erst in England kam er zu Ansehen und geriet\ngar in Mode, bis er aufgrund von Zwistigkeiten innerhalb der Philharmonic\nSociety beschloss, nach Deutschland zur\u00fcckzukehren, wo er 1838 starb.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Komponist schrieb er f\u00fcr die g\u00e4ngigen Formen wie Opern,\nOratorien und Symphonien, konzentrierte sich zudem besonders auf sein eigenes\nInstrument, das Klavier, welches er mit einem umfangreichen Oeuvre bedachte:\nneben zahlreichen Solowerken besetzte er das Klavier in fast jedem seiner\nKammermusikwerke in einer solistisch anmutenden Position (auch hier kann eine\nParallele zu Hummel gezogen werden). <\/p>\n\n\n\n<p>Von den hier zu h\u00f6renden Werken darf das Klavier in zweien\nsolistisch gl\u00e4nzen, daf\u00fcr schweigt es im Streichtrio. Von besagtem Trio bleibt\nnach wie vor unklar, ob es aufgrund seines Haydn\u2019schen Gestus\u2018 als fr\u00fches oder\ndurch die chromatischen Durchg\u00e4nge und den ausgefeilten Stil als sp\u00e4tes Werk\neinzuordnen ist: es handelt sich um ein handwerklich gut komponiertes, im\nVergleich zu den auftrumpfenden anderen Werken dieser CD jedoch unauff\u00e4lliges\nWerk. Das Oktett ma\u00dft beinahe wie ein Klavierkonzert an, immer wieder stellt\ndas Klavier die Themen vor und l\u00e4sst diese von den sieben Mitstreitern beantworten\nund weiterf\u00fchren, wobei es oftmals durch schnelle L\u00e4ufe und Figurationen\ndazwischenf\u00e4hrt. Ries nutzte es als Pr\u00e4sentation auch seines pianistischen\nK\u00f6nnens. Doch handelt es sich dabei nicht um ein reines Showst\u00fcck, sondern\nbegeistert auch durch kompositorisches Geschick und dichte Bez\u00fcge der Form. Am meisten\nbesticht allerdings das gro\u00df angelegte Sextett mit seiner ungew\u00f6hnlichen\nBesetzung: dem Klavier wird die Harfe als Harmonieinstrument beigef\u00fcgt, die\ndrei Bl\u00e4ser Klarinette, Fagott und Horn erhalten Unterst\u00fctzung vom Kontrabass.\nKann das Oktett als Klavierkonzert bezeichnet werden, so liegt hier ein\nDoppelkonzert als Konzept nahe: Klavier und Harfe teilen sich die Virtuosit\u00e4ten\nauf und befl\u00fcgeln sich gegenseitig, w\u00e4hrend die anderen Instrumente \u00fcber weite\nStrecken begleitende Funktion erhalten. Doch auch sie bedenkt Ries hier mit\ndankbaren Themeneins\u00e4tzen und brillierend sanglichen Linien. Dabei beh\u00e4lt die\nForm eine eindeutige Folgerichtigkeit und enge Motivbez\u00fcge, die alles aus einem\nGuss erscheinen lassen. Die Instrumente halten sich dynamisch die Waage.<\/p>\n\n\n\n<p>Voll Energie st\u00fcrzt sich das Frans Ensemble auf die\nKammermusikwerke von Ries, fokussiert die Abstimmung der einzelnen Instrumente\nund f\u00fchlt sich selbst in der ungewohnten wie schwierigen Besetzung des Sextetts\nwohl. Alle Musiker wissen zu phrasieren und eine Melodie plastisch auferstehen\nzu lassen. Dazu kommt das pr\u00e4zise Abh\u00f6ren der Mitspieler, wodurch ein fester\nZusammenhalt entsteht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nFebruar 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musikproduktion Dabringhaus und Grimm, MDG 903 2136-6; EAN: 7 60623 21366 8 Das Franz Ensemble spielt gr\u00f6\u00dfer besetzte Kammermusikwerke von Ferdinand Ries. Programmiert wird das Sextett Op. 142, das Streichtrio WoO 70,2 und das Oktett op. 128. 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