{"id":3722,"date":"2020-03-05T00:20:36","date_gmt":"2020-03-04T23:20:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3722"},"modified":"2020-03-05T00:20:39","modified_gmt":"2020-03-04T23:20:39","slug":"ambivalenter-magnard-aus-freiburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/03\/05\/ambivalenter-magnard-aus-freiburg\/","title":{"rendered":"Ambivalenter Magnard aus Freiburg"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos 8.574083; EAN: 7\n4731340837 5 (Nr. 1&amp;2)<\/p>\n\n\n\n<p>Naxos 8.574082; EAN: 7 4731340827 6 (Nr. 3&amp;4)<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-container-2 wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container\">\n<div class=\"wp-container-1 wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0195-1024x1021.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3723\" width=\"273\" height=\"272\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0195-1024x1021.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0195-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0195-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0195-768x766.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0195.jpg 1382w\" sizes=\"(max-width: 273px) 100vw, 273px\" \/><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0196-1024x1006.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3724\" width=\"274\" height=\"269\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0196-1024x1006.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0196-300x295.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0196-768x755.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0196.jpg 1373w\" sizes=\"(max-width: 274px) 100vw, 274px\" \/><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><em>Das Philharmonische Orchester Freiburg unter seinem Generalmusikdirektor Fabrice Bollon legt auf zwei bei Naxos erschienenen CDs die vier \u2013 leider immer noch zu wenig gespielten \u2013 Symphonien des Franzosen Alberic Magnard (1865-1914) vor. Doch auch hier gab es schon ernstzunehmende Konkurrenz. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Jahr machte die \u2013 seit der Urauff\u00fchrung 1931\n\u2013 erst zweite Inszenierung von Magnards bereits 1897-1900 entstandener Oper <em>Guercoeur <\/em>in Osnabr\u00fcck Furore und wurde zu Recht von der\n<em>Opernwelt <\/em>als \u201eWiederentdeckung des\nJahres\u201c gefeiert. Der \u00f6ffentlichkeitsscheue und \u00fcberaus selbstkritische\nKomponist galt schon zu Lebzeiten als Einzelg\u00e4nger. Man nahm dem Privatsch\u00fcler d\u2019Indys\nseine anf\u00e4ngliche N\u00e4he zu Wagner \u00fcbel, bezeichnete ihn sp\u00e4ter dies- und\njenseits des Rheins gar als \u201efranz\u00f6sischen Bruckner\u201c und verschm\u00e4hte die wenigen,\ndaf\u00fcr aber recht vertrackten Werke. Sein Tod \u2013 er wurde bei der Verteidigung\nseines Anwesens beim Einmarsch deutscher Truppen 1914 erschossen \u2013 machte ihn\nzun\u00e4chst ber\u00fchmter als seine Musik.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Tat sp\u00fcrt man gerade in der ersten, noch\netwas ungelenken Symphonie (1890) \u2013 mit einem alle vier S\u00e4tze verbindenden\nHauptthema \u2013 gewisse Eigenheiten, die man auch Anton Bruckner zuordnen k\u00f6nnte,\nz.B. der Abbruch im ersten Satz (vor der Generalpause) auf einem Septnonakkord.\nEbenso werden einem die wagnerisch anmutenden Horn- und Trompeteneinw\u00fcrfe im\nFinale sowie die Wiederkehr des gro\u00dfartigen Chorals aus dem zweiten Satz als\nSchlussapotheose gerade aus der deutschen Symphonik vertraut vorkommen. Doch\nbereits in der 2. Symphonie hat Magnard eine ganz eigene Sprache entwickelt,\ndie eher manche Elemente Mahlers aufgreift als sich an \u00e4lteren Vorbildern zu\norientieren. In den letzten beiden Gattungsbeitr\u00e4gen (1896 bzw. 1913) tritt\neine Formvollendung und eine Instrumentationskunst zu Tage, die sie vielleicht\nnoch \u00fcber die Solit\u00e4re von Chausson, Franck oder Dukas zum Bedeutendsten franz\u00f6sischer\nSymphonik vor der Moderne erheben \u2013 echte Meisterwerke. Die Dritte dirigierte\nder Komponist immerhin auf Einladung Busonis 1905 mit den Berliner Philharmonikern.\n&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf CD gab es bereits drei Gesamtaufnahmen des Zyklus \u2013 unter <em>Michel Plasson<\/em> (EMI), <em>Jean-Yves Ossonce<\/em> (Hyperion) und <em>Thomas Sanderling<\/em> (BIS bzw. Brilliant), denen sich nun die Freiburger Produktion stellen muss. Insgesamt darf man der Darbietung einiges Lob zollen: <em>Fabrice Bollon <\/em>begreift die durchaus unterschiedliche Architektonik aller vier Werke und stellt dann die thematische Arbeit Magnards auch entsprechend in den jeweiligen Kontext. Auffallend ist seine immer gro\u00dfe dynamische Spannweite innerhalb einzelner Phrasen, die die hohe Emotionalit\u00e4t magnardscher Melodik noch unterstreicht. Manches wirkt dann aber wirklich sehr deutsch: Besagter Choral am Schluss der Ersten kommt viel zu beh\u00e4big und dick aufgetragen daher. Hier ist etwa Plasson l\u00e4ssiger, unaufdringlicher \u2013 aber vor allem durchsichtiger. Mag den H\u00f6rer \u00fcber Strecken dessen dauernde Weichzeichnung erm\u00fcden und die Musik zu nahe an den Impressionismus r\u00fccken, gelingt dem Orchester aus Toulouse eine sorgf\u00e4ltigere Detailarbeit \u2013 gerade an kniffligen Stellen. Daf\u00fcr fehlte es in Freiburg anscheinend an Probenzeit. Nur ein Beispiel: 4. Symphonie, 4. Satz \u2013 Ziffern [46] u. [54]; da h\u00f6rt man auf der Bollon-Aufnahme in den hohen Streichern \u2013 hier lediglich Begleitschicht \u2013 nur unkonturiertes Genuschel; ganz anders bei Plasson oder Ossonce. Trotzdem schafft Bollon auch Momente klanglicher Raffinesse, die den H\u00f6rer unmittelbar bewegen und bei der Stange halten: so der Aufbau des Bl\u00e4serakkords zu Beginn des Finales der 2. Symphonie \u2013 hier k\u00f6nnte man schon fast an die Spektralisten denken \u2013 oder die fantastisch changierenden Bl\u00e4serfiguren direkt am Anfang der Vierten. Die Aufnahmetechnik vermittelt ein recht direktes Klangbild mit wenig Hall, ist mir allerdings nicht plastisch genug und im Bass etwas wummerig; da ist die Konkurrenz aber auch nicht perfekt. Magnards Symphonik wird immer noch weit untersch\u00e4tzt; sch\u00f6n, dass sich nun ein deutsches Orchester ihrer angenommen hat, wenn auch noch recht nahe an Frankreich. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, Februar 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos 8.574083; EAN: 7 4731340837 5 (Nr. 1&amp;2) Naxos 8.574082; EAN: 7 4731340827 6 (Nr. 3&amp;4) Das Philharmonische Orchester Freiburg unter seinem Generalmusikdirektor Fabrice Bollon legt auf zwei bei Naxos erschienenen CDs die vier \u2013 leider immer noch zu wenig gespielten \u2013 Symphonien des Franzosen Alberic Magnard (1865-1914) vor. 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