{"id":3740,"date":"2020-03-17T09:08:40","date_gmt":"2020-03-17T08:08:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3740"},"modified":"2020-03-17T09:08:47","modified_gmt":"2020-03-17T08:08:47","slug":"ewige-weiten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/03\/17\/ewige-weiten\/","title":{"rendered":"Ewige Weiten"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Das Trio Palladio spielt Klaviertrios des lettischen Komponisten P\u0113teris Vasks: Lonely Angel in Form der zweiten Reinterpretation eines Streichquartettsatzes, Episodi e canto perpetuo und Plainscapes in einem eigenen Arrangement von 2011 stehen auf dem Programm.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0199.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3741\" width=\"298\" height=\"298\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0199.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0199-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0199-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die ewige Weite, die Melancholie und ein \u00fcbersinnliches\nMoment zeichnen die Musik von P\u0113teris Vasks aus. Die Handschrift seiner Musik\nappelliert unmittelbar an das Innerste des H\u00f6rers, die Kl\u00e4nge entz\u00fccken und\nbringen uns in trance\u00e4hnlich meditative Zust\u00e4nde. Wen k\u00f6nnte diese sinnlich\n\u00fcbersinnliche Musik kalt lassen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Meditation \u201eLonely Angel\u201c ging um die Welt und\nversinnbildlicht die tiefe Sehnsucht von Vasks\u2018 Musik. Urspr\u00fcnglich handelte es\nsich um den f\u00fcnften Satz des Vierten Streichquartetts, 2006 arbeitete der\nKomponist diesen dann f\u00fcr Violine und Streichorchester um, was von Gidon Kremer\nuraufgef\u00fchrt wurde (zudem gibt es eine grandiose CD-Aufnahme mit Alina\nPogostkina und Juha Kangas). F\u00fcr die vorliegende Produktion arbeitete Vasks das\nWerk erneut um, nun f\u00fcr Klaviertrio: diese Version erklingt zwar auf der\nPlatte, wurde allerdings bislang noch nicht im Konzert aus der Taufe gehoben.\nAufbrausender pr\u00e4sentieren sich die Episodi e canto perpetuo, ein knapp\nhalbst\u00fcndiger Kampf zwischen Licht und Dunkelheit und zudem das einzig genuin\nf\u00fcr Klaviertrio konzipierte Werk dieser Aufnahme. Vasks wagt sich an\nmodernistische Effekte und t\u00f6sende Klangfluten, verliert aber dennoch nie die unverk\u00fcnstelte\n\u00c4sthetik und die pure Sch\u00f6nheit der Musik. Plainscapes schafft eine\nHyperbildlichkeit, wie wir sie sonst nur von Debussy oder Ravel erwarten\nw\u00fcrden, deren Klangsprache Vasks allerdings nicht einmal tangiert. Urspr\u00fcnglich\nbesetzt f\u00fcr Chor mit Instrumenten, beschreibt Plainscapes die Landschaft von\nSemgallen. Die Musik beginnt erneut mit einem \u201eewigen Gesang\u201c, schwerelos und\nabsolut magisch, bevor auch hier die Dunkelheit eintritt. Rhythmisch vertrackte\nPassagen mit gleichf\u00f6rmiger Gegen\u00fcberstellung von unterschiedlichen triolischen\nund duolischen Notenwerten formt die Landschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Musik von P\u0113teris Vasks spricht durch sich selbst; den\nMusikern wird vor allem ein feines Geh\u00f6r und innere Ruhe abverlangt, dem Fluss\nzu folgen, ohne zu stocken. Das Trio Palladio schwebt geradezu durch Lonely\nAngel und Plainscapes: ohne H\u00e4rte und Widerstand trifft es den Kern der\nTongebung und er\u00f6ffnet so f\u00fcr den H\u00f6rer die Unendlichkeit dieser Musik. Grandios\ngelingen die auft\u00fcrmenden Passagen in Episodi e canto perpetuo, die \u00e4u\u00dferst\nschwierig in der Darstellung sind: schnell verleitet einen die Musik dazu, zu\nh\u00e4mmern oder vertikale Wucht walten zu lassen. Doch die Musiker bewahren sich\nerfolgreich davor und schaffen auch hier eine volumin\u00f6se Nachgiebigkeit, die\nder Musik Samtheit bis in die wilden Momente verleiht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke,\nM\u00e4rz 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Trio Palladio spielt Klaviertrios des lettischen Komponisten P\u0113teris Vasks: Lonely Angel in Form der zweiten Reinterpretation eines Streichquartettsatzes, Episodi e canto perpetuo und Plainscapes in einem eigenen Arrangement von 2011 stehen auf dem Programm. Die ewige Weite, die Melancholie und ein \u00fcbersinnliches Moment zeichnen die Musik von P\u0113teris Vasks aus. 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