{"id":3743,"date":"2020-03-20T10:30:48","date_gmt":"2020-03-20T09:30:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3743"},"modified":"2020-03-20T10:30:51","modified_gmt":"2020-03-20T09:30:51","slug":"jazzanklaenge-moderner-komponisten","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/03\/20\/jazzanklaenge-moderner-komponisten\/","title":{"rendered":"Jazzankl\u00e4nge moderner Komponisten"},"content":{"rendered":"\n<p>Grand Piano, GP813; EAN: 7 47313 98132 8<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0200.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3744\" width=\"360\" height=\"360\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0200.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0200-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0200-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Gottlieb Wallisch\nerkundet den Foxtrott in Europa: Was haben die Komponisten aus den\namerikanischen Jazzt\u00e4nzen gemacht? Der erste Teil dieser Forschungsreise bringt\nuns nach \u00d6sterreich und Tschechien. Als \u00f6sterreichischen Repr\u00e4sentanten dieser\nCD h\u00f6ren wir Ernst Krenek mit dem Potpourri aus der Oper \u201eJonny spielt auf\u201c\n(arr. Jen\u0151 Tak\u00e1cs) und dem Foxtrott \u201eDer Sprung \u00fcber den Schatten\u201c op. 17 (arr.\nGustav Blasser), Julius Bittner mit dem \u201eShimmy auf den Namen Bach\u201c, Ralph\nBenatzkys \u201eDrei St\u00fccke aus dem Ballett \u201aDie F\u00fcnf W\u00fcnsche\u2018, Franz Mittlers\nFoolish Spring, dann Shimmy und Tango aus dem Tanzspiel \u201eBaby in the Bar\u201c von\nWilhelm Grosz (arr. Gustav Blasser), Leopold Krauss-Elka mit dem\nTannh\u00e4user-Foxtrott, Lied an den Morgenstern, Hans Eislers Shymmy-Tampo und schlie\u00dflich\nIllusion-Foxtrott und Arizona-Foxtrott von Felix Petyrek. Aus Tschechien kommen\nder Bugatti Step und Ozveny z music-hallu aus der Feder von Jaroslav Je\u017eek, Vier T\u00e4nze op. 39 von Alois H\u00e1ba und\nFoxtrott, One-Step sowie Black Bottom von Bohuslav Martin\u016f. Ferner\nerklingen The Kingdom of Heaven von Karel Boleslav Jir\u00e1k, City Shimmy von\nJarom\u00edr Weinberger und zwei Ausz\u00fcge aus \u201eGroteske\u201c von Erwin Schulhoff in der\nKlavierfassung des Komponisten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Ersten Weltkrieg schwappte eine gewaltige Welle des\nJazz aus Amerika nach Europa \u00fcber. Diese neuartigen Kl\u00e4nge und die kecke\nRhythmik begeisterten das Publikum, dem nach Aufschwung und frischer\nLebendigkeit zu Mute war. Auch zahllose Komponisten wurden eingenommen von\ndieser Musik, besonders von der erweiterten Harmonik, die genau ins Konzept der\nmusikalischen Moderne passte. Manche Komponisten wollten diesen neuen Stil\nimitieren und m\u00f6glichst authentische Stilkopien schaffen, andere integrierten\njazzige Elemente in die europ\u00e4isch-moderne Musik: die Palette an Schattierungen\nzwischen diesen Polen ist gro\u00df. Ber\u00fchmte Beispiele kennen wir vor allem aus\nFrankreich von der Groupe des Six, sowie von Debussy und Ravel, aber auch von\nStrawinsky und sp\u00e4ter von Bernd Alois Zimmermanns \u201eNobody knows the trouble\nI\u2019ve seen\u201c. Von der anderen Seite her, also aus dem Jazz kommend, kennt man\nGorge Gershwin und Duke Ellington als geniale Gradwanderer zwischen den Stilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beitr\u00e4ge der hier vorliegenden CD geh\u00f6ren gr\u00f6\u00dftenteils\nzu den unbekannten oder vergessenen Komponisten, bei denen es sich Gr\u00f6\u00dftenteils\num Tonsetzer der Universal Edition handelt, welche auf die Welle aufsprang und\ngro\u00dfe B\u00e4nde mit \u201eModern Jazz Music\u201c publizierte. Lediglich die Namen Krenek,\nEisler und Schulhoff h\u00e4tte ich tats\u00e4chlich im Programm erwartet und auch verdutzt\nes nur wenig, Martin\u016f unter den Komponistennamen zu lesen, wenngleich der Jazz\nseine Musik im Allgemeinen nur wenig ausmacht. Als \u00dcberraschung dient wohl\nAlois H\u00e1ba, der musikgeschichtlich vor allem durch seine mikrotonalen\nExperimente inklusive extra daf\u00fcr konzipierter Instrumente von sich reden\nmachte. Seine neoromantisch tonalen Werke gerieten dahingegen schnell in\nVergessenheit; und mit jazzbeeinflussten T\u00e4nzen h\u00e4tte wohl keiner gerechnet.\nDie restlichen Namen kursieren lediglich in kleineren Kreisen, die meisten\nz\u00e4hlen heute entweder rein oder zumindest teils auch als Setzer von\nUnterhaltungsmusik, wobei andere wie vor allem der bei Guido Adler und Franz\nSchreker studierte Felix Petyrek der Neuen Musikszene zugeordnet werden.\nPetyrek geriet in den Brennpunkt der \u00d6ffentlichkeit durch seine Sechs grotesken\nKlavierst\u00fccke, die verschiedene Stile auf die Schippe nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Beitr\u00e4ge entstand, noch bevor die gro\u00dfen\nJazzkapellen und Stars der Szene Europa erreichten, man kannte die Musik in\nerster Linie von Schallplatten oder aus Caf\u00e9s, deren Musiker vor allem der Mode\nfolgten, selbst aber nicht unbedingt die gr\u00f6\u00dfte Ahnung von dieser Musik hatten.\nKurzum wurde alles als Jazz angesehen, was synkopiert war und vor Septimkl\u00e4ngen\nstrotzte. Entsprechen vielseitig gestalten sich auch die hier zu h\u00f6renden\nNummern, die teils nur wenig mit echtem Jazz zu tun haben, teils aber auch aus\nprofunder Klangforschung heraus entstanden. Der Gedanke eines immer\nwiederkehrenden Refrains war besonders verbreitet, eing\u00e4ngig zu h\u00f6ren bei\nPetyrek und Je\u017eek. Interessant\ngestaltet sich auch Bittners Shimmy \u00fcber B-A-C-H, wobei er nicht den\nBarockmeister, sondern einen jazzbegeisterten Kritiker r\u00fchmte, der \u201eabgedroschenen\u201c\nFloskel B-A-C-H aber ganz neue M\u00f6glichkeiten entlockte.<\/p>\n\n\n\n<p>Gottlieb Wallisch\nzeigt sich als feiner und leichtf\u00fc\u00dfiger Pianist, der ohne Pathos und\n\u00dcberspitzungen dieser Musik Witz und Lebendigkeit einhaucht. Mit einfachsten\nMitteln geht er an diese unterhaltsame Musik heran und schafft so eine\nmitrei\u00dfende Unbek\u00fcmmertheit. Dabei gestaltet er die Melodien sanglich aus, dass\nsie stets organisch bleiben. Der Witz entsteht rein durch die Charakteristika,\ndie in der Musik selbst vorhanden sind: manch ein Pianist w\u00fcrde sie sofort\nunterstreichen und ihnen eben dadurch den Reiz der Subtilit\u00e4t nehmen, w\u00e4hrend\nWallisch ihnen gerade durch die Beil\u00e4ufigkeit ein keckes Glimmen entlockt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, M\u00e4rz 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grand Piano, GP813; EAN: 7 47313 98132 8 Gottlieb Wallisch erkundet den Foxtrott in Europa: Was haben die Komponisten aus den amerikanischen Jazzt\u00e4nzen gemacht? Der erste Teil dieser Forschungsreise bringt uns nach \u00d6sterreich und Tschechien. Als \u00f6sterreichischen Repr\u00e4sentanten dieser CD h\u00f6ren wir Ernst Krenek mit dem Potpourri aus der Oper \u201eJonny spielt auf\u201c (arr. 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