{"id":3746,"date":"2020-03-24T16:01:30","date_gmt":"2020-03-24T15:01:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3746"},"modified":"2020-03-24T16:01:37","modified_gmt":"2020-03-24T15:01:37","slug":"scrapes-and-soundscapes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/03\/24\/scrapes-and-soundscapes\/","title":{"rendered":"Scrapes and Soundscapes"},"content":{"rendered":"\n<p>NEOS 12002, EAN: 4 260063 120022<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0201.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3747\" width=\"305\" height=\"273\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0201.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0201-300x269.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 305px) 100vw, 305px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Die beiden Schwestern Karolina und Erika \u00d6hman pr\u00e4sentieren als UmeDuo\nWerke f\u00fcr Cello und Schlagwerk. Zu h\u00f6ren sind ausschlie\u00dflich Auftragswerke des\nDuos: Gina et Fio von Andr\u00e9 Chini (geb. 1945), Bells and Tides von Jenny Hettne\n(geb. 1977), re\/wind\/re\/write \u2013 fast-forward version von Ricardo Eizirik (geb.\n1985), Stenar \u2013 Aska, aska von Esaias J\u00e4rnegard (geb. 1983), Never-Ending\nJourney von Leilei Tian (geb. 1971), Whereabout I von Ivo Nilsson (geb. 1966)\nund Se\u2026 von Farangis Nurulla-Khoja (geb. 1972).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als Karolina und Erika \u00d6hman sich\n2008 als UmeDuo zusammentaten, bemerkten sie erst, wie wenig Werke es f\u00fcr ihre\nBesetzung Cello und Schlagwerk gab. So begannen die beiden Musikerinnen,\nKompositionsauftr\u00e4ge zu vergeben an Komponistinnen und Komponisten, die einen\ngewissen Bezug zu Schweden haben, das Heimatland der beiden Schwestern. Laut\neigenen Aussagen reagierten die Tonsetzer durchweg begeistert und verk\u00fcndeten\nfast alle, Cello und Schlagwerk seien ihre Lieblingsinstrumente. Sieben der\nzahlreichen aus diesem Vorhaben resultierenden Werke nahmen Karolina und Erika\n\u00d6hman nun f\u00fcr NEOS auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Die CD beginnt sogleich mit einem wahrlich\neigenst\u00e4ndigen wie originellen Werk, das seine Inspiration aus dem Anime Porco\nRosso zieht. Um keine der beiden in ihn verliebten Frauen Gina und Fio zu\nverletzen, verschwindet das Schwein in seinem roten Flugzeug, die Frauen werden\nFreunde. Andr\u00e9 Chinis Werk thematisiert nun die Unterhaltungen von Gina und Fio\nund setzt sie in Musik um. In klarer musikalischer Handschrift nehmen wir bildlich\ndie unterschiedlichen Arten der Kommunikation wahr, sp\u00fcren das Miteinander der\nbeiden Partnerinnen. Ebenso stark beginnt Bells and Tides von Jenny Hettne, in\ndessen Entstehen die beiden Musikerinnen stark einbezogen wurden; alleine schon\nzur Findung der geeigneten Schlaginstrumente, die schlie\u00dflich das Fundament des\nSt\u00fccks auf ein viertelt\u00f6nig herabgestimmtes F definierten. Im ersten Teil des\nSt\u00fccks sp\u00fcrt der H\u00f6rer das st\u00e4ndige Expandieren und Kontrahieren der Gezeiten,\nbegleitet von den Glocken, die seit jeher Inspirationsquelle von Komponisten\nwaren. Der deutlich k\u00fcrzere zweite Teil hingegen bleibt mir unverst\u00e4ndlich, da\nich weder neue Aussagen, noch aufh\u00f6renswerte Kl\u00e4nge darin finde. Ebenfalls\n\u00fcberlang empfinde ich \u201eWherebout I\u201c von Ivo Nilsson, das durch die meditativen\nSph\u00e4ren zwar eine Art Ruhepol der CD bildet, diese aber nicht \u00fcber mehr als\nzw\u00f6lf Minuten tragen. In diesem Werk werden alle Schlagwerke gestrichen, so\ndass nach und nach die Wahrnehmung der Perkussion verwandelt wird. Laut Booklet\nist \u201eWhereabout I\u201c Teil eines vierteiligen Zyklus f\u00fcr unterschiedliche\nBesetzungen, der getrennt oder gleichzeitig gespielt werden kann (meint\n\u201egleichzeitig\u201c\/\u201csamtidigt\u201c hier tats\u00e4chlich parallel zur gleichen Zeit oder\nnacheinander?). \u201eSe\u2026\u201c aus der Feder Farangis Nurulla-Khojas nimmt das\nSchlagwerk in den Vordergrund und fokussiert sich auf mikroskopische\nKlangelemente, denen die ganze Aufmerksamkeit geschenkt wird. Gotl\u00e4ndisch\neisige K\u00e4lte erwartet uns in Esaias J\u00e4rnegards \u201eStenar \u2013 Aska, aska\u201c (Steine \u2013\nAsche, Asche), einem modernen Klanggem\u00e4lde der Winterlandschaft auf dieser\nrauen Ostseeinsel, das die Isolation zu vermitteln vermag. Thematisch m\u00f6chte\nman es als beinahe als Fortsetzung von Vaughan-Williams\u2018 Arctic Symphony\nbezeichnen, wenngleich nat\u00fcrlich in ganz anderem und vor allem einzigartigem\nStil. Leilei Tian mischt asiatische und europ\u00e4ische Kl\u00e4nge in ihrer Never-Ending\nJourney, einem meditativen, aber parallel in sich geschlossenen und\nfunktionierenden St\u00fcck. Die langen Melodien des Cellos verzaubern und\nbegeistern durch ihre Sanglichkeit. Mein pers\u00f6nliches Highlight dieser CD ist\nre\/wind\/re\/write von Ricardo Eizirik, ein heiteres Werk, das einen\nKassettenrecorder abbildet. Immer wieder wird der Recorder zur\u00fcckgespult,\nverlangsamt oder beschleunigt; dabei stellt das Cello den Recorder dar, der vom\nSchlagwerk \u201ebedient\u201c wird. Bei diesem Werk handelt es sich aber nicht blo\u00df um\nein Witzst\u00fcck, sondern errichtet sich auf fundierter Klangforschung und\npr\u00e4sentiert sich genau abgeh\u00f6rt bez\u00fcglich der Form, die in sich perfekt\naufgeht. Re\/wind\/re\/write nimmt bestimmte Elemente wieder auf, aber verirrt\nsich nicht in Wiederholungen, sondern bringt zum genau richtigen Moment Neues,\nso dass es immer wieder f\u00fcr \u00dcberraschungen sorgt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, M\u00e4rz 2020] <\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NEOS 12002, EAN: 4 260063 120022 Die beiden Schwestern Karolina und Erika \u00d6hman pr\u00e4sentieren als UmeDuo Werke f\u00fcr Cello und Schlagwerk. 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