{"id":3753,"date":"2020-03-30T13:13:18","date_gmt":"2020-03-30T11:13:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3753"},"modified":"2020-03-30T13:13:23","modified_gmt":"2020-03-30T11:13:23","slug":"etwas-zahme-klavierkonzerte-britischer-komponistinnen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/03\/30\/etwas-zahme-klavierkonzerte-britischer-komponistinnen\/","title":{"rendered":"Etwas zahme Klavierkonzerte britischer Komponistinnen"},"content":{"rendered":"\n<p>SOMM Recordings SOMMCD273; EAN: 7 4887122732 3<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0203-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3754\" width=\"275\" height=\"275\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0203-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0203-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0203-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0203-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/N0203.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Auf dem SOMM-Label h\u00f6ren wir drei\nWerke f\u00fcr Klavier und Orchester, komponiert von zwei britischen Komponisten mit\nzwei Generationen Abstand. Dora Bright stand mit ihrem 1. Klavierkonzert und\nden Variationen, hier gespielt von Samantha Ward, noch v\u00f6llig im 19.\nJahrhundert, w\u00e4hrend Ruth Gipps in ihrem Konzert (Solist: Murray McLachlan) bereits\nmehr mit dem Stil ihrer Lehrer \u2013 vor allem Gordon Jacob \u2013 lieb\u00e4ugelte. Als\nBonus-Track spielt das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra unter Charles\nPeebles noch Gipps\u2019 kurze Orchesterstudie \u201cAmbarvalia\u201d.<\/em><em> <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>War erst zu Beginn letzten Jahres eine Chandos-CD der Symphonien Nr. 2 &amp; 4 von Ruth Gipps (1921-1999) erschienen (siehe meine Kritik<a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/02\/21\/rueckwaertsgewandte-weibliche-symphonik\/\"> hier<\/a>), legte SOMM im Herbst nochmal mit Gipps\u2018 relativ fr\u00fchem g-Moll Klavierkonzert op. 34 (1947) nach. Die gleich quasi als Wunderkind \u2013 vor allem am Klavier \u2013 hervorgetretene Komponistin blieb zeitlebens der Tonalit\u00e4t treu und generell anti-modernistisch. Im Klavierkonzert, das bereits im ersten Solo die Vollgriffigkeit der Gattungsbeitr\u00e4ge von Arnold Bax oder Arthur Bliss teilt, kann man wie in vielen anderen Werken Gipps\u2018 aus diesem Zeitraum wieder eine deutliche Vorliebe f\u00fcr modale melodische Wendungen finden. Meisterhaft ist die immer atmosph\u00e4risch punktgenaue Einbindung von Bl\u00e4sersoli in den Gesamtkontext; \u00fcberhaupt ist die Orchestrierung \u2013 man sp\u00fcrt die Schule Gordon Jacobs \u2013 \u00fcberaus farbig und h\u00e4lt den gesamten, immerhin knapp 15-min\u00fctigen Kopfsatz lebendig. Leider nivellieren hier der Pianist <em>Murray McLachlan <\/em>\u2013 immer schon Spezialist f\u00fcr britische und russische Klaviermusik des 20. Jahrhunderts \u2013 und Dirigent <em>Charles Peebles <\/em>die durchaus gegenstrebigen Charaktere von energischem Vorw\u00e4rtsdr\u00e4ngen und zarter Lyrik ein wenig zugunsten von Letzterem; an sich ist die Darbietung jedoch tadellos. Im Verh\u00e4ltnis zum ersten Satz sind der folgende, langsame und das <em>Vivace-<\/em>Finale doch recht konventionell, aber dennoch interessant und h\u00fcbsch anzuh\u00f6ren. Im Finale wird kokette Virtuosit\u00e4t geschickt mit Pseudo(?)-Folkloristik verbunden \u2013 der Schluss ist geplant wirkungsvoll.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zwei Generationen \u00e4ltere Dora Bright (1862-1951 \u2013 \u00fcber sie gibt es im Gegensatz zu Gipps seit neuestem sogar einen MGG-Artikel) war trotz des hohen Alters komplett ein Kind der Romantik. Ihr erstes Klavierkonzert (a-moll) von 1888 steht noch ganz im Einflussbereich Chopins oder Griegs, versucht aber erst gar nicht, dem \u201eBiss\u201c m\u00e4nnlicher Komponistenkollegen nachzueifern. Tats\u00e4chlich gelingt Bright ein, wie auch immer, weiblich erscheinender Gegenentwurf: kein Auftrumpfen, sondern scheue Zur\u00fcckhaltung in Sch\u00f6nheit. Die Konsequenz, gerade im Kopfsatz, ist erstaunlich; dieser wirkt aber dann doch insgesamt zu zahm, trotz etlicher guten melodischen Einf\u00e4lle und stellenweise jugendlichen \u00dcberschwangs. Die Naivit\u00e4t der beiden anderen S\u00e4tze zeugt aber noch von gro\u00dfer Unreife. Auf einem ganz anderen Level sind dann die zuletzt 1910 revidierten Variationen f\u00fcr Klavier und Orchester: Als Gro\u00dfes eine Br\u00fcckenform <em>schnell \u2013 langsam \u2013 schnell<\/em> bildend, ist jede der sieben Variationen f\u00fcr sich trefflich, aber gleichzeitig Teil einer Entwicklung. Die Instrumentation ist ebenfalls deutlich elaborierter als im Konzert: Ein Werk, das wirkliche Beachtung verdient! <\/p>\n\n\n\n<p><em>Samantha Ward<\/em> sp\u00fcrt den Besonderheiten von Brights\nMusik mit gr\u00f6\u00dfter Sensibilit\u00e4t nach. Ihr Klavierklang ist immer anheimelnd und\nvoll positiver Energie \u2013 jedes harmonische Detail kommt hier zu seinem Recht,\nsouver\u00e4n und unaufgeregt. Es ist ein echter Genuss, ihr zuzuh\u00f6ren, was so\nmanche Schw\u00e4chen der Kompositionen vergessen macht. Der Einsatz des <em>Royal\nLiverpool Philharmonic Orchestras <\/em>ist von Ernsthaftigkeit gepr\u00e4gt \u2013\nnaturgem\u00e4\u00df sind Musiker und Dirigent bei Gipps\u2018 entwickelterer Orchestersprache\nmehr in ihrem Element. Wer nicht auf absolut geniale Eingebungen wartet, wird\nmit dieser aufnahmetechnisch \u00fcberzeugenden Einspielung durchaus seine Freude\nhaben. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, M\u00e4rz 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SOMM Recordings SOMMCD273; EAN: 7 4887122732 3 Auf dem SOMM-Label h\u00f6ren wir drei Werke f\u00fcr Klavier und Orchester, komponiert von zwei britischen Komponisten mit zwei Generationen Abstand. Dora Bright stand mit ihrem 1. Klavierkonzert und den Variationen, hier gespielt von Samantha Ward, noch v\u00f6llig im 19. 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