{"id":3767,"date":"2020-04-17T08:02:48","date_gmt":"2020-04-17T06:02:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3767"},"modified":"2020-04-22T11:11:25","modified_gmt":"2020-04-22T09:11:25","slug":"brasilianische-violinsonaten-fein-erarbeitet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/04\/17\/brasilianische-violinsonaten-fein-erarbeitet\/","title":{"rendered":"Brasilianische Violinsonaten \u2013 fein erarbeitet"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos 8.574118; EAN: 7 4731341187 0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/N0206-1022x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3768\" width=\"322\" height=\"323\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/N0206-1022x1024.jpg 1022w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/N0206-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/N0206-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/N0206-768x769.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/N0206.jpg 1362w\" sizes=\"(max-width: 322px) 100vw, 322px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Naxos hat letzten Sommer mit einer sensationellen Nepomuceno-CD in Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Au\u00dfenministerium eine vorerst auf 30 Ver\u00f6ffentlichungen angesetzte Reihe \u201eThe Music of Brazil\u201c er\u00f6ffnet, die sich f\u00fcr die Entwicklung der dortigen Musik historisch relevanten Kompositionen widmet \u2013 auch jenseits der bekannten Gr\u00f6\u00dfen wie Villa-Lobos oder Camargo Guarnieri. Die zweite CD bringt nun drei Violinsonaten von Leopoldo Miguez und Glauco Vel\u00e1squez, gespielt von Emmanuele Baldini (Violine) und Karin Fernandes (Klavier). Auch sie kann qualitativ absolut \u00fcberzeugen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zwei bisher eher unbekannten Namen begegnet man auf der vorliegenden, ersten Kammermusikver\u00f6ffentlichung der neuen Naxos-Reihe <em>The Music of Brazil<\/em>: Leopoldo Miguez (1850-1902), aus Rio de Janeiro geb\u00fcrtig, erfuhr seine musikalische Ausbildung in Spanien, Portugal und Frankreich, bevor er in die Heimat zur\u00fcckkehrte und ab 1890 das <em>Instituto Nacional de M\u00fasica <\/em>leitete. Aus Europa brachte er vor allem die \u00c4sthetik Richard Wagners mit. Bisher hatte \u2013 insbesondere in der Kammermusik \u2013 ein mehr italienischer Stil mit Melodie plus Begleitung die brasilianische Romantik dominiert. Die halbst\u00fcndige Violinsonate von 1885 entstand bereits in Brasilien, hat einen Kopfsatz mit symphonischen Dimensionen, formal entsprechend elaboriert, mit erstaunlicher kontrapunktischer Arbeit und emotionaler Tiefe. Das Trio im Scherzo \u2013 schon die Viers\u00e4tzigkeit ist hier erw\u00e4hnenswert \u2013 wird gar durch eine respektable, recht strenge Fuge ersetzt. Das ist dann weitaus mehr als Salon- oder Hausmusik, sondern f\u00fcr den gro\u00dfen Konzertsaal konzipiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Glauco Vel\u00e1squez (1884-1914) war der Sohn eines portugiesischen Baritons; die Mutter stammte aus Rio. Er wuchs zun\u00e4chst in Neapel auf und studierte ab 1897 dann in Brasilien, wo er, erst drei\u00dfigj\u00e4hrig, an Tuberkulose verstarb. Vel\u00e1squez\u2018 Stil ist einerseits eklektizistisch \u2013 zeigt sowohl italienische wie neudeutsche Einfl\u00fcsse \u2013, gleichzeitig k\u00fchner und nuancenreicher als bei Miguez. Die klangliche Interaktion zwischen Violine und Klavier ist bis ins Detail durchgeh\u00f6rt und effektvoll. Auff\u00e4llig ist, neben den teilweise \u201etropischen\u201c Klangfarben, die demonstrative Vermeidung affirmativer Schlusswirkungen. Dabei gibt es zwischen den beiden, nur zwei Jahre auseinanderliegenden, dreis\u00e4tzigen Sonaten (1909 bzw. 1911) eine bemerkenswerte Entwicklung, sodass sich beim H\u00f6ren der CD \u2013 mit der Miguez-Sonate in der Mitte \u2013 eine sukzessive Steigerung ergibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der italienische Geiger und Dirigent Emmanuele Baldini \u2013 in seiner Karriere Konzertmeister u.a. an der Mail\u00e4nder Scala und beim Symphonieorchester von S\u00e3o Paulo \u2013 spielt die drei Sonaten mit absoluter technischer Pr\u00e4zision und Hingabe; v\u00f6llige Souver\u00e4nit\u00e4t paart sich mit historischem Verst\u00e4ndnis und ad\u00e4quatem Ausdruck, der immer feinsinnig bleibt. Karin Fernandes ist eine gleichwertige Partnerin, mit erfrischender Virtuosit\u00e4t, die nie zum Selbstzweck ger\u00e4t, und perfekter klanglicher Balance. Auch die Aufnahmetechnik, mit sch\u00f6n eingefangener R\u00e4umlichkeit, l\u00e4sst keine W\u00fcnsche offen. Eine echte Entdeckung f\u00fcr Kammermusikfreunde! \u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, April 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos 8.574118; EAN: 7 4731341187 0 Naxos hat letzten Sommer mit einer sensationellen Nepomuceno-CD in Zusammenarbeit mit dem brasilianischen Au\u00dfenministerium eine vorerst auf 30 Ver\u00f6ffentlichungen angesetzte Reihe \u201eThe Music of Brazil\u201c er\u00f6ffnet, die sich f\u00fcr die Entwicklung der dortigen Musik historisch relevanten Kompositionen widmet \u2013 auch jenseits der bekannten Gr\u00f6\u00dfen wie Villa-Lobos oder Camargo Guarnieri. &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/04\/17\/brasilianische-violinsonaten-fein-erarbeitet\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Brasilianische Violinsonaten \u2013 fein erarbeitet<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[3567,3566,3568,3569,200],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3767"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3767"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3767\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3774,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3767\/revisions\/3774"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3767"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3767"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3767"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}