{"id":3771,"date":"2020-04-20T17:35:10","date_gmt":"2020-04-20T15:35:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3771"},"modified":"2020-04-20T17:35:15","modified_gmt":"2020-04-20T15:35:15","slug":"voruebergehend","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/04\/20\/voruebergehend\/","title":{"rendered":"Vor\u00fcbergehend"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos, 8.579069; EAN: 7 47313 90697 0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/N0207.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3772\" width=\"315\" height=\"315\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/N0207.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/N0207-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/N0207-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 315px) 100vw, 315px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Fl\u00f6tensonaten des 20. Jahrhunderts stehen auf dem Programm der aktuellen CD des Fl\u00f6tisten Danis Lupachev und des Pianisten Peter Laul. Zu Beginn h\u00f6ren die die 1936 komponierte Sonate von Paul Hindemith, darauf folgen die Gattungsbeitr\u00e4ge von Vyacheslav Nagovitsyn (1962) und Edison Denisov (1960). Den Abschluss bildet die D-Dur-Sonate op. 94 aus der Feder Prokofieffs, geschrieben 1943.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So sehr ich ein Verfechter der weniger bekannten Musik bin, so muss ich doch in diesem Fall gestehen, dass die beiden bekannten Sonaten dieser Aufnahme die bezwingenderen und stilistisch wie musikalisch pr\u00e4gnanteren dieser CD sind. Die Sonate von Vyacheslav Nagovitsyn hat durchaus ihre starken Momente und bet\u00f6rt mit manch einem ansprechenden Klangeffekt, wirkt aber als Gesamtes wenig stimmig, die einzelnen Teile wollen nicht so recht miteinander verschmelzen \u2013 zu gro\u00df klafft die Schlucht zwischen den modernistischen Stilelementen mit schrillen, engen Akkorden sowie dissoziierter Melodie und doch r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten, beinahe tonalen Passagen. Recht bedeutungslos pl\u00e4tscherte die Sonate von Edison Denisov an mir vorbei, die in ihrer gem\u00e4\u00dfigten Modernit\u00e4t zwar nett zu h\u00f6ren ist, aber auch nichts Aufsehenerregendes birgt. In ihrer kecken Sperrigkeit und der wohldosierten Distanz sticht die Fl\u00f6tesonate op. 94 in D-Dur von Prokofieff hervor, die vor allem in ihrer sp\u00e4teren Umarbeitung zur Violinsonate Nr. 2 Bekanntheit erlangte. Klassizistisch ausgewogen und anders als in der Ersten Symphonie ohne den bei\u00dfenden Sarkasmus bildet sie einen ernsten und substanzgeladenen Beitrag zur Kammermusik des 20. Jahrhunderts. Die Fl\u00f6tensonate Hindemiths z\u00e4hlt zu dessen bekannteren Werken, wenn man doch nicht umher kommt anzumerken, dass dieser Gro\u00dfmeister \u2013 zweifelsohne einer der gr\u00f6\u00dften Komponisten Deutschlands \u2013 noch immer stiefm\u00fctterlich behandelt und fast nie wirklich aufgef\u00fchrt wird. Mit seiner Reihe an idiomatischen Sonaten f\u00fcr alle m\u00f6glichen Instrumente schuf er je auf das Instrument zugeschnittene, die M\u00f6glichkeiten aussch\u00f6pfende und perfekt ausbalancierte Gattungsbeitr\u00e4ge gerade f\u00fcr die Instrumente, denen sonst wenig Literatur gewidmet ist; in ihrer G\u00e4nze bilden diese Sonaten quasi ein Kompendium des Komponierens f\u00fcr die jeweiligen Instrumente.<\/p>\n\n\n\n<p>Technisch pr\u00e4zise und stimmig meistern Denis Lupachev und Peter Laul diese anspruchsvollen Werke der Moderne. Die beiden Musiker stimmen sich dynamisch und artikulatorisch fein aufeinander ab, was besonders das Klavier zu flautierend-singenden Melodief\u00fchrungen anspornt. Obgleich an dieser Aufnahme nur wenig auszusetzen ist, so springt doch der Funke nicht so recht \u00fcber und man geht im Gro\u00dfen und Ganzen eher unber\u00fchrt an dieser Aufnahme vorbei. Mag es daran liegen, dass Denis Lupachev doch nicht ganz die klangliche Flexibilit\u00e4t und Biegsamkeit besitzt, wie sie mir beispielsweise letztens bei Clara Andrada <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/03\/03\/der-goldene-klang\/\">[Zur Rezension]<\/a> begegnet sind? Oder ist doch die Tontechnik nicht sensibel genug auf die feinsten Schattierungen eingegangen, so dass nun die plastische Ebene fehlt? Woran es liegen mag, es unterminiert die Spannung, die gerade bei solchen wie den hier zu h\u00f6renden Werken hoch sein m\u00fcsste, um all die Kontraste zu genie\u00dfen und die stilistische Vielfalt dieser Musik zu bewundern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, April 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos, 8.579069; EAN: 7 47313 90697 0 Fl\u00f6tensonaten des 20. Jahrhunderts stehen auf dem Programm der aktuellen CD des Fl\u00f6tisten Danis Lupachev und des Pianisten Peter Laul. 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