{"id":3775,"date":"2020-04-24T19:28:00","date_gmt":"2020-04-24T17:28:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3775"},"modified":"2020-04-25T19:48:57","modified_gmt":"2020-04-25T17:48:57","slug":"eine-nacht-in-estland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/04\/24\/eine-nacht-in-estland\/","title":{"rendered":"Eine Nacht in Estland"},"content":{"rendered":"\n<p>Ondine, ODE 1335-2; EAN: 0 761195 133521<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/N0208.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3776\" width=\"294\" height=\"294\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/N0208.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/N0208-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/N0208-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 294px) 100vw, 294px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Das Estnische Nationalsymphonieorchester unter Olari Elts spielt symphonische Dichtungen von Heino Eller. Auf dem Programm stehen \u00d6\u00f6 H\u00fc\u00fcded (Nachtrufe), die symphonische Suite Valge \u00d6\u00f6 (Wei\u00dfe Nacht) sowie Videvik (D\u00e4mmerung) und Koit (Morgend\u00e4mmerung).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Heino Eller geh\u00f6rte zu den V\u00e4tern estnischer Musik. Als junger Mann spielte er in Estlands erstem Symphonieorchester und dem ersten Streichquartett, sp\u00e4ter wirkte er als P\u00e4dagoge ma\u00dfgeblich auf die j\u00fcngere Generation estnischer Komponisten ein, so auf Arvo P\u00e4rt, Eduard Tubin und Lepo Sumera. Guido Adler verlieh Eller bei einem Besuch aus Wien den Titel \u201eEstnischer Sibelius\u201c und bescheinigte ihm, Griegs nordischen Stil erfolgreich weiterzuf\u00fchren und ihn geschickt mit Elementen des Impressionismus und Expressionismus zu w\u00fcrzen. Wie auch Sibelius begann Eller als Violinist und lie\u00df sich im namhaften Konservatorium von St. Petersburg ausbilden, wo er allerdings scheiterte, da er zu sp\u00e4t begann \u2013 durch zu intensives \u00dcben verletzte er sich die Hand und musste seinen Traum aufgeben. Vier Jahre lang studierte er in Folge dessen Jura, bevor er sich erneut am Konservatorium einschrieb, diesmal f\u00fcr Komposition, worin er 1920 absolvierte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu dieser Zeit hatte er seine beiden symphonischen Dichtungen Videvik, D\u00e4mmerung, (1917) und Koit, Morgend\u00e4mmerung, (1918, orchestriert 1920) bereits abgeschlossen und begann mit der Arbeit an dem weitaus umfangreicheren Werk \u00d6\u00f6 H\u00fc\u00fcded, Nachtrufe, (1920-21), alle auf dieser CD zu h\u00f6ren. Es offenbart sich ein tonal verwurzelter, farbenreicher und pr\u00e4gnanter Stil, der tats\u00e4chlich gewisse Parallelen zur Musik von Jean Sibelius aufweist, aber auch Hinweise auf die Besch\u00e4ftigung mit den deutschen Komponisten gibt, namentlich Wagner und noch pr\u00e4senter Strauss. Eller, der sich rein der Instrumentalmusik verschrieb (bemerkenswert besonders, da Estland f\u00fcr seine Vokalmusik bekannt ist), weist enorme Kenntnisse der Orchestration auf, die sich auf der H\u00f6he kontinentaler Komponisten befindet. Weite Melodien pr\u00e4gen das Bild, verspr\u00fchen eine nordische Melancholie und bittere Z\u00e4rtlichkeit. Sanfte bis aufbrausende Wellen sch\u00e4umen auf, geben magischen Glanz und impressionistischen Schleier. Der Stil spricht an, lockt, intensiv zu H\u00f6ren und in der Musik zu entdecken, in ihr aufzugehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam mit dem Estnischen Nationalsymphonieorchester nahm Olari Elts bereits das Violinkonzert, die Zweite Symphonie, die Phantasie und eine Symphonische Legende von Eller auf, legt nun mit einer zweiten CD-Ver\u00f6ffentlichung nach. Dabei besticht das Feingef\u00fchl der Musiker, alle orchestrale Farben aufbl\u00fchen zu lassen, ohne dass darunter die Transparenz des Stimmgeflechts leiden w\u00fcrde. Elts spornt die Musiker an, gro\u00dfe B\u00f6gen zu ziehen und sanglich intensiv in den weiten Melodien aufzugehen. Frei von kontextlosem Effekt oder zurschaustellerischer Geste tauchen Orchester und Dirigent in diese Musik ein und pr\u00e4sentieren sie liebevoll dem H\u00f6rer wie eine Einladung, diese zu selten gespielten Werke mit ihnen zu teilen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, April 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ondine, ODE 1335-2; EAN: 0 761195 133521 Das Estnische Nationalsymphonieorchester unter Olari Elts spielt symphonische Dichtungen von Heino Eller. Auf dem Programm stehen \u00d6\u00f6 H\u00fc\u00fcded (Nachtrufe), die symphonische Suite Valge \u00d6\u00f6 (Wei\u00dfe Nacht) sowie Videvik (D\u00e4mmerung) und Koit (Morgend\u00e4mmerung). Heino Eller geh\u00f6rte zu den V\u00e4tern estnischer Musik. 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