{"id":3779,"date":"2020-05-01T00:02:21","date_gmt":"2020-04-30T22:02:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3779"},"modified":"2020-05-01T00:02:24","modified_gmt":"2020-04-30T22:02:24","slug":"unvollendeter-schubert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/05\/01\/unvollendeter-schubert\/","title":{"rendered":"Unvollendeter Schubert"},"content":{"rendered":"\n<p>Linn Records, CKD 593; EAN: 6 91062 05932 9<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0209-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3781\" width=\"308\" height=\"271\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0209-1.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0209-1-300x264.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 308px) 100vw, 308px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Das Duo Pleyel, bestehend aus den Pianisten Alexandra Nepomnayashchaya und Richard Egarr, spielt vierh\u00e4ndige Klaviermusik von Franz Schubert f\u00fcr Linn Records ein. Auf dem Programm steht das Rondo D-Dur D. 608, die Sonate in B-Dur D. 617, die Fantasie in f-Moll D. 940, das Rondo in A-Dur D. 951 und das Allegro in a-Moll D. 947 mit dem Titel \u201eLebensst\u00fcrme\u201c, nach welchem das Duo Pleyel ihre CD benannte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als ich gesehen habe, dass auf der vorliegenden CD vierh\u00e4ndige Klavierwerke auf einem Pleyel-Fl\u00fcgel eingespielt werden, war mein Interesse sogleich geweckt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts und im 19. Jahrhundert galten diese Fl\u00fcgel als marktf\u00fchrend durch ihren warmen, volumin\u00f6sen und vielseitigen Klang. Als regelm\u00e4\u00dfigen Gast begr\u00fc\u00dfte der Vater Ignaz Pleyel unter anderem Beethoven, der sich begeistert \u00fcber diese Klaviere aussprach \u2013 und f\u00fcr Schubert schlie\u00dflich Vorbildfunktion hatte. Der Sohn Camille Pleyel hingegen f\u00fchrte intensiven Austausch mit Komponisten wie Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin, dessen Nocturnes op. 9 sogar Camilles Frau gewidmet sind. Hier h\u00f6ren wir einen Fl\u00fcgel aus dem Jahr 1848, also von Camille Pleyel, der dem romantischen, weichen und m\u00f6glichst farbenreichen Stil angepasst ist, sonor in der Tiefe schnurrt und in den H\u00f6hen pr\u00e4zise, aber doch auch lieblich gl\u00e4nzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch all diese Vorz\u00fcge des Fl\u00fcgels nutzt das Duo Pleyel nicht aus. Im Gegenteil: die Aufnahme entt\u00e4uscht so sehr, dass ich mich fragen muss, ob die beiden Pianisten das Programm wirklich gr\u00fcndlich einstudiert haben. Selbst der Booklettext von Egarr wirkt wie im Affekt kurzfristig heruntergeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es beginnt bereits damit, dass Schuberts Piano und Pianissimo in der Aufnahme maximal als Mezzopiano, wenn nicht sogar als Mezzoforte zu bezeichnen ist und somit all die introvertiert-schattigen Gef\u00fchlswelten fehlen. Gerade das unheimliche Pianopianissimo in der f-Moll-Fantasie, das wie aus dem Nichts schwingen sollte, verfehlt so im deutlich h\u00f6rbaren Mezzobereich jegliche Wirkung. Umso ruppiger und brutaler schmettert das Forte, dass man im eigentlich galanten D-Dur-Rondo teils beinahe hochschreckt. Die rhythmische Komponente scheint ebenso wenig erarbeitet worden zu sein: die triolischen Passagen wirken starr, gez\u00e4hlt und stellenweise gar errungen, die doppelten bis dreifachen Punktierungen gerade in der Fantasie schw\u00e4cht das Duo Pleyel zu einfachen Punktierungen ab. Auf musikalischer Ebene herrscht ebenso Flaute, denn nicht eine Melodie wirkt wirklich gesungen, ersp\u00fcrt oder verstanden. Die Noten werden gleichwertig nebeneinandergereiht und manche in der Partitur geschriebene Dynamik\u00e4nderung halbwegs nachvollzogen, doch abgesehen davon bem\u00fchen sich die Musiker nicht darum, die Melodien organisch entstehen zu lassen, was noch dazu f\u00fcr Schubert unentbehrlich sein sollte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, April 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Linn Records, CKD 593; EAN: 6 91062 05932 9 Das Duo Pleyel, bestehend aus den Pianisten Alexandra Nepomnayashchaya und Richard Egarr, spielt vierh\u00e4ndige Klaviermusik von Franz Schubert f\u00fcr Linn Records ein. 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