{"id":3783,"date":"2020-05-04T22:20:52","date_gmt":"2020-05-04T20:20:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3783"},"modified":"2020-05-04T22:20:55","modified_gmt":"2020-05-04T20:20:55","slug":"oktette-aus-russland","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/05\/04\/oktette-aus-russland\/","title":{"rendered":"Oktette aus Russland"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Die acht jungen Musikerinnen und Musiker des Oberton String Octets pr\u00e4sentieren uns auf beeindruckende Weise das kaum gespielte Streichoktettrepertoire aus Russland. Auf dem Programm stehen Schostakowitschs fr\u00fche Zwei St\u00fccke f\u00fcr Streichoktett op. 11, Reinhold Gli\u00e8res ebenfalls zum Beginn seiner Laufbahn komponierte Streichoktett D-Dur op. 5 sowie eine Rarit\u00e4t: Nikolai Afanassjew mit seinem Doppelquartett D-Dur, welches den Beinamen \u201eEinzugsfest<\/em>\u201c tr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0210.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3784\" width=\"285\" height=\"285\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0210.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0210-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0210-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Selten nur h\u00f6rt man Konzerte oder auch nur Aufnahmen von Streichoktetten, zumal in klassischer Besetzung f\u00fcr zwei Streichquartette. Die Gattung konnte sich zu wenig durchsetzen, um aktiven Anklang zu finden. Repertoire g\u00e4be es durchaus genug, begonnen mit Mendelssohns Jugendwerk, dann einem unvollendeten Versuch von Andreas Romberg und gleich vier in Folge dessen komponierten Oktetten von Louis Spohr; sp\u00e4ter folgten Raff, Bruch und Bargiel, ein heute untersch\u00e4tzter, zwar konservativer, aber doch inspirierter Komponist; Svendsen brachte die Gattung in den Norden, Respighi in den S\u00fcden und Enescu in den Osten. In j\u00fcngster Vergangenheit wurden Streichoktette gerne mit abweichenden Besetzungen komponiert, beliebt sind dabei vor allem die tiefen Besetzungen: Octopus Rex von Ketil Hvoslef beispielsweise verlangt nach acht Celli.<\/p>\n\n\n\n<p>Schostakowitsch er\u00f6ffnet das Programm dieser CD mit seinen beiden St\u00fccken f\u00fcr Streichoktett op. 11, die er gegen Ende seines Studiums im Alter von 18 Jahren komponierte. Auf ein flirrendes Pr\u00e4ludium, das er an Bach anlehnte, folgt ein wildes Scherzo, das bereits die experimentelle Phase einl\u00e4utet, die er sp\u00e4testens mit der Zweiten Symphonie zur Bl\u00fcte brachte \u2013 voller doppelb\u00f6digem Witz und abgrundtiefem Sarkasmus \u00fcberw\u00e4ltigt es den H\u00f6rer. Eine wirkliche Entdeckung stellt das Streichoktett in D-Dur von Nikolai Afanassjew dar, von dem die meisten St\u00fccke bis heute ungedruckt blieben. Das \u201eEinzugsfest\u201c betitelte Werk strahlt eine freundliche wie sanftm\u00fctige Energie aus, die es durch alle vier S\u00e4tze beh\u00e4lt und so beim H\u00f6ren eine innere W\u00e4rme schaffen. Melancholischer erweist sich das Gli\u00e8re-Oktett op. 5 ebenfalls in D-Dur. Das fein durchgearbeitete Werk spannt gro\u00dfe B\u00f6gen und schafft gewaltige Kontraste, zeigt dabei schon beim fr\u00fchen Gli\u00e8re h\u00f6chste Meisterschaft in der Melodie- und Kontrapunktfindung.<\/p>\n\n\n\n<p>Innig und nat\u00fcrlich besticht das Spiel der acht jungen Musikerinnen und Musiker des Oberton String Octets, alle in ihren 20er-Jahren. Gerade das junge Alter bringt eine Unverbrauchtheit und Frische, die bei vielen \u00e4lteren Kollegen verloren scheint. Es gelingt ihnen durchgehend, den gemeinsamen Klang zu kontrollieren und nie \u00fcberm\u00fctig zu werden, was gerade bei Schostakowitsch die Gefahr ist, sorgen aber dennoch f\u00fcr aufbegehrende und wilde Momente. Volles Volumen und runden Klang h\u00f6ren wir vor allem bei Afanassjew, der die Flexibilit\u00e4t und das Feingef\u00fchl des Strichs unter Beweis stellt. Gli\u00e8re stellt das formale Denken auf die Probe, was das Oberton String Octet ebenfalls meistert. Eine rundum gelungene und mitrei\u00dfende Aufnahme, die bis zuletzt fesselt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Mai 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die acht jungen Musikerinnen und Musiker des Oberton String Octets pr\u00e4sentieren uns auf beeindruckende Weise das kaum gespielte Streichoktettrepertoire aus Russland. 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