{"id":3794,"date":"2020-05-16T00:15:27","date_gmt":"2020-05-15T22:15:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3794"},"modified":"2020-05-16T00:18:15","modified_gmt":"2020-05-15T22:18:15","slug":"die-schminke-abgelegt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/05\/16\/die-schminke-abgelegt\/","title":{"rendered":"Die Schminke abgelegt"},"content":{"rendered":"\n<p>Steinway &amp; Sons, 30161; EAN: 0 34062 30161 4<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0212-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3795\" width=\"329\" height=\"329\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0212-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0212-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0212-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0212-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0212-1536x1536.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0212-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 329px) 100vw, 329px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Katie Mahan spielt Werke Ludwig van Beethovens in umgekehrt chronologischer Reihenfolge, beginnt mit den Bagatellen op. 126 und geht \u00fcber die Sonate Nr. 30 E-Dur op. 109 hin zu der titelgebenden \u201eAppassionata\u201c, der Sonate Nr. 23 f-Moll op. 57.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach ihrem letzten Album mit Musik des \u201eClassical Gershwin\u201c [<a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/11\/24\/gershwin-parfuemiert-und-geschminkt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">zur Rezension<\/a>] widmet sich Katie Mahan nun Beethoven. Bei Gershwin \u00fcberwog die parf\u00fcmierte und geschminkte Oberfl\u00e4chlichkeit, frei von jeglichem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese Musik lie\u00df der musikalische Gehalt die Pianistin vollkommen kalt und unber\u00fchrt, so dass lediglich virtuose Tonkaskaden \u00fcbrigblieben. Entsprechend \u00fcberrascht nun, dass Mahan bei Beethoven ganz andere T\u00f6ne anschl\u00e4gt und beginnt, in der Musik zu suchen und zu forschen, um unter der Oberfl\u00e4che etwas zu ersp\u00fcren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die raschen S\u00e4tze rumoren von innen heraus und glimmen bedrohlich, stets zum Ausbruch bereit: Diese Spannung h\u00e4lt Mahan teils \u00fcber lange Strecken und verpulvert die Energie nicht fr\u00fchzeitig. Gerade die Appassionata kommt durch ihre Fl\u00e4chigkeit und gro\u00dfen Dimensionen der Pianistin gelegen, die herben Kontraste und wilden Eruptionen wirken wie gemacht f\u00fcr Mahan. Handwerklich ist sie eh \u00fcber alle Zweifel erhaben, doch hier gelingt es ihr auch, auf musikalisch-emotionaler Ebene zu wirken und \u2013 ohne dies zu forcieren \u2013 ihre Pers\u00f6nlichkeit im Spiegel der Musik zu vermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Teils nimmt sich Katie Mahan allerdings zu viele Freiheiten, macht es sich besonders auf dynamischer Ebene teils recht bequem: gerade hier aber sollte Beethovens detailverliebt ausgekl\u00fcgelten Anweisungen Folge geleistet werden, denn nirgends ist er so pr\u00e4zise wie hier. Im Finale der E-Dur-Sonate op. 109 k\u00e4mpft die Pianistin noch gegen die Korrelation der einzelnen Tempobezeichnungen und wagt nicht die auf den ersten Blick waghalsigen Extrema, die Beethoven vorgibt: entsprechend schwanken die Tempi teils willk\u00fcrlich und gegen Ende versucht sich die Pianistin mit einem deutlichen Accelerando aus der Aff\u00e4re zu ziehen, was aber gewollt wirkt und nicht dem eigentlichen Sinn der Schlussvariation entspricht. Aus dem Stil fallen manche Pedaleffekte besonders in der Appassionata, die mehr an Debussy als an Beethoven gemahnen. Allgemein klingt einiges recht hochromantisch, was doch noch kerniger und klarer h\u00e4tte zum Vorschein treten k\u00f6nnen, wie die robusten und in der Tiefe engen Akkord-Entladungen, die f\u00fcr Beethoven so charakteristisch sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenngleich also auf vorliegender CD doch einiges st\u00f6rend wirkt und die unausgereifte Oberfl\u00e4chlichkeit hin und wieder hervorbricht, pr\u00e4sentiert Katie Mahan doch ein erstaunlich tiefgr\u00fcndiges Album, das ihre pers\u00f6nliche Sicht auf den gro\u00dfen Jubilar des Jahres illustriert und auf emotionaler Ebene einige spannende Facetten zum Vorschein bringt, die durchaus eine lohnenswerte Erweiterung zum landl\u00e4ufigen Bild Beethovens darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Mai 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steinway &amp; Sons, 30161; EAN: 0 34062 30161 4 Katie Mahan spielt Werke Ludwig van Beethovens in umgekehrt chronologischer Reihenfolge, beginnt mit den Bagatellen op. 126 und geht \u00fcber die Sonate Nr. 30 E-Dur op. 109 hin zu der titelgebenden \u201eAppassionata\u201c, der Sonate Nr. 23 f-Moll op. 57. 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