{"id":3802,"date":"2020-05-20T21:58:16","date_gmt":"2020-05-20T19:58:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3802"},"modified":"2020-05-20T21:58:19","modified_gmt":"2020-05-20T19:58:19","slug":"aus-china-und-nach-china","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/05\/20\/aus-china-und-nach-china\/","title":{"rendered":"Aus China und nach China"},"content":{"rendered":"\n<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 566; EAN: 4 260052 385661<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0213.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3803\" width=\"310\" height=\"307\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0213.jpg 486w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0213-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/N0213-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 310px) 100vw, 310px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>\u201eChinese Dreams\u201c hei\u00dft die neue CD mit der Pianistin Lydia Maria Bader. Sie spielt Werke chinesischer Komponisten sowie Musik, die durch dieses Land inspiriert wurde. Wang Luobins \u201eIn that place wholly faraway\u201c (arr. Zhang Zhao) er\u00f6ffnet die Platte, es folgt die Ballett-Suite \u201cDie Meerjungfrau\u201c (arr. Wu Zuquiang) und \u201eSonnenblume\u201c aus der Feder Wang Yu Shis (arr. Lin Eryao). Nach diesen origin\u00e4r chinesischen Beitr\u00e4gen kommen drei \u201eChinesische St\u00fccke\u201c von Abram Chasins, \u201eLotus Land\u201c von Cyril Scott und \u201eAlt-China, F\u00fcnf Traumdichtungen\u201c von Walter Niemann. &nbsp;Ren Guang schrieb \u201eSilberwolken jagen den Mond\u201c (arr. Wang Jianzholng), was uns wieder zur\u00fcck nach China f\u00fchrt. Volksliedbearbeitungen von Chu Wanghua und Wang Jianzhong beschlie\u00dfen das Programm.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vor zehn Jahren tourte Lydia Maria Bader erstmals nach China. Das dortige Konzertleben steckte zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen und in manchen Gegenden nahmen die Zuh\u00f6rer lange Strecken auf sich, um die deutsche Pianistin zu h\u00f6ren. Auch wenn sich in den letzten zehn Jahren das Konzertleben vollst\u00e4ndig ver\u00e4nderte und der Klavierabend zum festen Bestandteil des Kulturlebens etablierte, blieb der Kontakt bestehen. Lydia Maria Bader nahm nicht nur einmalige Erfahrungen von ihren Reisen mit, sondern auch zahlreiche musikalische Impressionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Klavier setzte sich erst sp\u00e4t in China durch, doch dann umso mehr: als Europa im 20. Jahrhundert von Diktaturen und Kriegen gebeutelt wurde, emigrierten zahllose Musiker nach Asien und errichteten eigene Hochburgen klassischer Ausbildung. So kommt es auch, dass alle Komponisten dieser CD im 20. Jahrhundert wirkten und die meisten der chinesischen Tonsetzer noch unter uns weilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier zulande kennt man kaum welche der chinesischen Kompositionen, vor Ort scheinen diese Werke sich hingegen gr\u00f6\u00dfter Beliebtheit zu erfreuen. Man kann mit Recht sogar behaupten, sie feiern Erfolge wie Popmusik: denn in China unterscheidet man nicht wie in Europa zwischen E- und U-Musik, sondern feiert gelungene Melodien gleich welcher Ausarbeitung. Die melodische Komponente ist auch diejenige, die am deutlichsten ausgepr\u00e4gt erscheint und mit \u201etypischer\u201c chinesischer Pentatonik tonaler oder modaler Auspr\u00e4gung sogleich ein asiatisches Flair verbreitet. Harmonisch bleibt die Musik tonal verankert; manche Wendungen erinnern an franz\u00f6sischen Impressionismus, doch kamen eben diese Kl\u00e4nge umgekehrt durch die Weltausstellung von China nach Frankreich. Von den St\u00fccken begeistern mich vor allem die \u201eSonnenblume\u201c von Wang Yu Shi und das mittlerweile als traditionell geltenden \u201eSilberwolken jagen den Mond\u201c aus der Feder von Ren Guang, das urspr\u00fcnglich f\u00fcr traditionelles Ensemble geschrieben wurde, durch seine Klavierfassung von Wang Jianzhong zum Welterfolg wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Abram Chasins zu Lebzeiten durchaus zu den gefragten Komponisten z\u00e4hlte, verblasste sein Ruhm bedauerlicherweise nun gut drei\u00dfig Jahre nach seinem Tod. Die Orchestration des mittleren der \u201eDrei Chinesischen St\u00fccke\u201c, \u201eFlirtation in a Chinese Garden\u201c, wurde durch Toscanini mit den New York Philharmonic aufgef\u00fchrt, was zu einem seiner gr\u00f6\u00dften Erfolge wurde (h\u00f6chstens \u00fcberboten durch die Urauff\u00fchrung des 2. Klavierkonzerts unter Leopold Stokowski). Walter Niemann \u2013 der eine Ausbildung bei Moscheles, Reinecke und Humperdinck genoss \u2013 war einer der wenigen deutschen Komponisten, die sich dem Impressionismus ann\u00e4herten und auch regelm\u00e4\u00dfig exotische Sujets f\u00fcr seine Kompositionen nutzte. Im Vorwort von Alt-China hei\u00dft es: \u201eEr fordert nicht: Du mu\u00dft mir glauben, denn ich bin ein Chinese, sondern er bittet: glaube mir, wenn ich, ein Deutscher, mich mit Dir einmal nach China tr\u00e4ume.\u201c \u2013 was schlie\u00dflich zum Motto der CD wurde. Einen ebenso starken Drang zur Exotik versp\u00fcrte der australische Pianistenkomponist Cyril Scott, der vor allem durch seine legend\u00e4ren Grieginterpretationen bis heute beliebt ist. Er sah sich jedoch im gleichen Ma\u00dfe als Komponist, platzierte sich gar selbst unter den Top 10 seiner Liste der besten Komponisten aller Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit klarem, perlendem und wohlklingendem Ton brilliert die Pianistin Lydia Maria Bader in diesen aus Asian kommenden sowie den dorthin verweisenden Miniaturen. Ohne sich \u00fcberm\u00e4\u00dfige Freiheiten zu nehmen, schafft sie dabei ein Gef\u00fchl von Ungezwungenheit und grenzenloser Leichtigkeit, was besonders bei den rauschhaften, dem Impressionismus nahen St\u00fccken einen steten Sog evoziert hin zu mitrei\u00dfenden Expansionen. In vielen dieser dankbaren kleinen Klavierst\u00fccke schafft sie subtile Gegens\u00e4tze in der vom Komponisten oft wenig differenzierten Dynamik, l\u00e4sst die Musik auf diese Weise plastisch vor uns entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Mai 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 566; EAN: 4 260052 385661 \u201eChinese Dreams\u201c hei\u00dft die neue CD mit der Pianistin Lydia Maria Bader. Sie spielt Werke chinesischer Komponisten sowie Musik, die durch dieses Land inspiriert wurde. Wang Luobins \u201eIn that place wholly faraway\u201c (arr. 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