{"id":3823,"date":"2020-06-01T16:58:54","date_gmt":"2020-06-01T14:58:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3823"},"modified":"2020-06-01T16:58:57","modified_gmt":"2020-06-01T14:58:57","slug":"musik-fuer-sich-selbst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/06\/01\/musik-fuer-sich-selbst\/","title":{"rendered":"Musik f\u00fcr sich selbst"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/N0216.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3824\" width=\"297\" height=\"297\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/N0216.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/N0216-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/N0216-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 297px) 100vw, 297px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Erst k\u00fcrzlich gelang C\u0103lin Hum\u0103 der Durchbruch mit seiner Ersten Symphonie, Carpatica, die auf dieser CD nun festgehalten wird. Zu dieser h\u00f6ren wir das Symphonie-Concerto f\u00fcr Klavier und Orchester, dargeboten vom Pianisten Sergiu Tuhu\u021biu. Es spielt das BBC National Orchestra of Wales unter Christopher Petrie.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>C\u0103lin Hum\u0103 ist ein spezieller Fall der neueren Musikgeschichte: Als rum\u00e4nischer Generalkonsul in Gro\u00dfbritannien verdient er seinen Lebensunterhalt nicht als Komponist, sondern kann trotz professioneller Ausbildung ohne Existenznot, quasi hobbym\u00e4\u00dfig, an seine Kompositionen herantreten und sich entfalten, unabh\u00e4ngig von jeglicher Beeinflussung anderer. Diese Musik muss niemandem etwas beweisen, sie muss keinem zusagen, sie wurde rein aus der Liebe zur Sch\u00f6nheit der T\u00f6ne geboren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Werkkatalog Hum\u0103s zeigt sich entsprechend schmal und doch wagt sich der Komponist an umfangreiche Gro\u00dfformen, an deren Spitze seine beiden Symphonien und das Symphonie-Konzert stehen. Laut seiner Vita arbeitet er aktuell an einem Violinkonzert.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sein Stil offenbart eine tiefe Verwurzelung in der Tradition der Tonalit\u00e4t, die zu keiner Zeit durchbrochen wird. Es gibt durchaus einige waghalsige Wendungen, m\u00f6glicherweise nicht einmal intendiert, die sich allerdings kaum bemerkbar machen und sich sogleich in das Gesamtbild einf\u00fcgen, somit sogar f\u00fcr gewisse W\u00fcrze sorgen. Erkennbar bleibt eine N\u00e4he zur russischen Tradition des 19. Jahrhunderts, Hum\u0103 selbst nennt allerdings vor allem Sibelius als ein gro\u00dfes Vorbild. In den symphonischen Werken gestaltet er eine Weite und Erhabenheit, beh\u00e4lt eine durchgehende Weichheit und sch\u00e4tzt besonders die zarten Ausdrucksweisen ohne Herbheiten oder vorstechende Kontraste.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ohne es dem \u00fcberschw\u00e4nglich vergleichenden wie st\u00e4ndig illustrierenden Booklet-Autor gleichtun zu wollen, so komme ich doch nicht darum herum, einen direkten Vergleich anzuf\u00fchren: Das Symphonie-Konzert k\u00f6nnte beinahe aus der Feder Rachmaninoffs stammen, insbesondere die N\u00e4he zu dessen c-Moll-Konzert Nr. 2 frappiert. Lediglich von dessen Vollgriffigkeit und dem rhythmischen Vorw\u00e4rtsdrang l\u00e4sst Hum\u0103 die Finger, diese k\u00f6nnten die Widerstandslosigkeit seines kristallenen Stils durchbrechen. Trotz der symphonischen Weite und Tragf\u00e4higkeit handelt es sich doch um ein ausgewachsenes Klavierkonzert mit anspruchsvollem Solopart inklusive zurschaustellerischer Kadenzen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Stil der Symphonie \u00e4hnelt dem des Symphonie-Konzerts deutlich, wobei Hum\u0103 hier mehr auf ausgeglichene Orchestration achtet und gewisse Ankl\u00e4nge von Kernigkeit nun dem Blech und den tiefen Streichern \u00fcberlassen muss, wo zuvor das Klavier den Ausgleich brachte. In ihrer formalen Gestaltung drehen sich beide Werke teils doch im Kreis und f\u00fchren nicht geradlinig voran, wodurch allerdings auch eine gewisse tr\u00e4umerische, beinahe schw\u00e4rmerische Sph\u00e4re entsteht, in der man sich gerne verliert. Denn diese Musik ber\u00fchrt unmittelbar und l\u00e4dt ein, in ihr zu versinken.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Das BBC National Orchestra of Wales unter Leitung von Christopher Petrie nimmt seinen Ausgangspunkt gerade bei der Reinheit und emotionalen Unbek\u00fcmmertheit, um eine sanftm\u00fctige und freundliche Darbietung er erzielen. Das Orchester schafft wellenartig schwingende Fl\u00e4chen und stimmt einen gem\u00e4chlichen Panoramablick an \u00fcber die endlosen Weiten von Hum\u0103s Formen. Im Symphonie-Konzert passt sich Sergiu <\/em>Tuhu\u021biu als primus inter parens ein, folgt dem Orchester, ohne sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen. So wird das Werk auch seinem Titel gerecht, der dem Solisten nicht die alleinige F\u00fchrung \u00fcberl\u00e4sst. Wohl dosiert Tuhu\u021biu seinen Anschlag, bringt impressionistische Leichtigkeit und Feingliedrigkeit in den Solopart, verleiht ihm so Schwerelosigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Mai 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst k\u00fcrzlich gelang C\u0103lin Hum\u0103 der Durchbruch mit seiner Ersten Symphonie, Carpatica, die auf dieser CD nun festgehalten wird. Zu dieser h\u00f6ren wir das Symphonie-Concerto f\u00fcr Klavier und Orchester, dargeboten vom Pianisten Sergiu Tuhu\u021biu. Es spielt das BBC National Orchestra of Wales unter Christopher Petrie. 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