{"id":3834,"date":"2020-06-08T08:57:00","date_gmt":"2020-06-08T06:57:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3834"},"modified":"2020-06-09T09:06:23","modified_gmt":"2020-06-09T07:06:23","slug":"vertrauen-in-musik-und-das-gemeinsame-musizieren","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/06\/08\/vertrauen-in-musik-und-das-gemeinsame-musizieren\/","title":{"rendered":"\u201cVertrauen in Musik und das gemeinsame Musizieren\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein Interview mit Andrea Chudak zu ihrem au\u00dfergew\u00f6hnlichen \u201eAve Maria\u201c-Projekt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/N0214.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3835\" width=\"296\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/N0214.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/N0214-300x264.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 296px) 100vw, 296px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Die Sopranistin Andrea Chudak ist eine Vollbluts\u00e4ngerin! Ihre gesangliche Ausbildung begann noch im Kindesalter, und bereits vor dem eigentlichen Studium wirkte sie schon in professionellen Opernproduktionen mit. Nach ihrem Studium an der Hochschule f\u00fcr Musik \u201eHanns Eisler\u201c in Berlin sang an vielen renommierten H\u00e4usern, u.a. Deutsche Staatsoper \u201eUnter den Linden\u201c, Theater an der Wien, Badisches Staatstheater Karlsruhe, Landestheater Detmold, u.v.w. Daneben verfolgt sie ihre Karriere als Konzertsolistin und Lieds\u00e4ngerin. Besondere Schwerpunkte ihres \u00e4u\u00dferst vielseitigen Repertoires liegen unter anderem im <\/em><em>\u0152uvre Giacomo Meyerbeers. Ihre besondere Leidenschaft sind Vertonungen des \u201eAve Maria\u201c-Gebets: Inzwischen sind hat Andrea Chudak mehr als 300 verschiedene \u201eAve Maria\u201c-Vertonungen gesammelt und viele davon erstmals aufgef\u00fchrt. Namhafte Komponisten haben eigens f\u00fcr sie \u201eAve Maria\u201c-Vertonungen komponiert. Beim Label ANTES Edition ist im Mai 2020 eine Kollektion von 68 \u201eAve Maria\u201c-Vertonungen auf 5 CDs erschienen. Andrea Chudak erl\u00e4utert im folgenden Interview einige Hintergr\u00fcnde zu dem ungew\u00f6hnlichen Projekt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>The-new-listener.de:<\/strong> <em><strong>Frau Chudak, am Beginn eines Gespr\u00e4chs \u00fcber \u201e68 Ave Maria aus sieben Epochen\u201c \u2013 man k\u00f6nnte noch erg\u00e4nzen: von mehr als 50 verschiedenen Urhebern und auf f\u00fcnf CDs \u2013 stellt sich nat\u00fcrlich unweigerlich erst einmal die Frage: Wie kommt man auf so eine Idee?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Andrea Chudak:<\/strong> Es gab einfach den Punkt, an dem ich bemerkte, dass das Gebet an die Jungfrau Maria weitaus mehr Vertonungen hat, als im \u00fcblichen Musikbetrieb zum Einsatz kommen. Es ist eine zutiefst religi\u00f6se und gleichzeitig sehr pers\u00f6nliche Ansprache, die auch oft meditativ genutzt wird. Ich fing an, eben diese Vertonungen zu suchen, recherchierte in Bibliotheken, Notenhandlungen, suchte in Antiquariaten, durchforstete diverse Internetdatenbanken und besch\u00e4ftigte mich mit den Werkverzeichnissen von Komponisten. Ohnehin w\u00fcrde ich mich als eine sehr neugierige K\u00fcnstlerin beschreiben, die, wenn sie einmal Feuer in einem Thema gefangen hat, versucht, in immer tieferen Schichten nach verborgenen und vergessenen Sch\u00e4tzen zu graben. Es gibt einfach so unglaublich viel gute Musik von fantastischen Komponisten auf dieser Welt durch alle Epochen hindurch, die es zu entdecken lohnt und die unbedingt geh\u00f6rt werden sollte. Deshalb war die Idee sehr schnell geboren, eine Auswahl dieser musikalischen Sammlung mit CD-Aufnahmen h\u00f6rbar zu machen. Es war ein gro\u00dfes Gl\u00fcck f\u00fcr mich, dass das Label ANTES mir f\u00fcr meine Aufnahmeidee zur Seite stand, sich von meinem Feuer f\u00fcr das Projekt anstecken lie\u00df und diese anderthalb Jahrzehnte tats\u00e4chlich mit mir am Ball blieb.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Sie haben in einem Interview f\u00fcr den WDR erz\u00e4hlt, dass Sie inzwischen \u00fcber 300 \u201eAve Maria\u201c-Vertonungen gesammelt haben, viele Komponistinnen und Komponisten haben sogar eigens f\u00fcr Sie neue Vertonungen geschrieben. F\u00fcr mich klingt das rekordverd\u00e4chtig oder gibt es irgendwo eine gr\u00f6\u00dfere Sammlung von \u201eAve Maria\u201c-Vertonungen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Meine \u201eAve Maria\u201c-Sammlung entstand ja nicht, weil ich eine begeisterte Sammlerin w\u00e4re, sondern weil ich Musik machen m\u00f6chte. Deshalb befinden sich in meinem wunderbar gro\u00dfen Notenregal auch ausschlie\u00dflich Ave Maria-Vertonungen, die f\u00fcr Solostimmen gedacht sind, also alles St\u00fccke,\u00a0 denen ich meine Stimme geben kann und k\u00f6nnte. Ich kann mir schon vorstellen, dass Klosterbibliotheken da \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Sammlungen \u2013 auch mit Chors\u00e4tzen \u2013 verf\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2019-10-31-CD-Produktion-030-Bearbeitet-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3836\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2019-10-31-CD-Produktion-030-Bearbeitet-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2019-10-31-CD-Produktion-030-Bearbeitet-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2019-10-31-CD-Produktion-030-Bearbeitet-768x512.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2019-10-31-CD-Produktion-030-Bearbeitet-1536x1025.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/2019-10-31-CD-Produktion-030-Bearbeitet-2048x1366.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>\u00a9 Alex Adler<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em><strong>Wer sich mit Ihrem Aufnahmeprojekt weiter besch\u00e4ftigt, stellt als n\u00e4chstes fest: Das ist ein ganz kunterbuntes Programm, also nicht chronologisch oder stilistisch angelegt, sondern ganz bunt durcheinander. Wie kam es zu dieser besonderen Titelkonstellation?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, in der Tat: ich habe mich ganz bewusst gegen eine chronologische Ordnung der St\u00fccke entschieden. Ich wollte eine Reihenfolge, die die Ohren &nbsp;auch f\u00fcr Musikstile \u00f6ffnet, in denen sich mancher H\u00f6rer vielleicht nicht heimisch f\u00fchlt. Ich finde, dass auf diese Weise sehr gut erlebbar ist, wie viel \u201eAltes\u201c in \u201eNeuem\u201c und auch umgekehrt steckt. Ein St\u00fcck bedingt das n\u00e4chste und wer sich darauf einl\u00e4sst, kann sich sehr emotional durch die komplette Musikgeschichte tragen lassen. Man ist bei so vielen Musikst\u00fccken, die sich nur diesem einen Thema widmen auch ganz schnell versucht, sich anhand einer chronologischen Reihenfolge eine Art Lexikon zuzulegen \u2013 damit w\u00fcrde man den Sch\u00f6pfern der Werke aber unbedingt Unrecht tun.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Unter den vielen Vertonungen gibt es nat\u00fcrlich die \u201e\u00fcblichen Verd\u00e4chtigen\u201c, also z.B. Schubert, Bach\/Gounod, Saint-Sa\u00ebns, aber auch einige, zum Teil gro\u00dfe \u00dcberraschungen. Der wom\u00f6glich gr\u00f6\u00dfte \u201eHingucker\u201c (zumindest auf den ersten Blick) ist der Winnetou-Schriftsteller Karl May mit seiner \u201eAve Maria\u201c-Vertonung. War Karl May musikalisch ausgebildet oder war er Autodidakt?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Karl May war (in Glauchau) Klavierlehrer und Chorleiter, was f\u00fcr die damalige Zeit unbedingt hei\u00dft, dass er eine sehr gute musikalische Bildung hatte. Sein Ave Maria (im Original ja f\u00fcr 4-stimmigen M\u00e4nnerchor geschrieben) ist auch nicht seine einzige Vertonung. Ich wei\u00df von vielen Vertonungen f\u00fcr Chor aus seiner Hand, wobei es auch einige 8-stimmige S\u00e4tze gibt, die f\u00fcr Laiench\u00f6re nicht ohne weiteres umsetzbar w\u00e4ren. Karl May verf\u00fcgte definitiv \u00fcber musikalisches Handwerk, mit dem er meisterhaft umgehen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Bei anderen St\u00fccken stellte sich heraus, dass sie, bevor Sie sich damit besch\u00e4ftigt haben, nicht nur dem falschen Komponisten zugeschrieben worden waren, sondern es handelt sich richtiggehend um F\u00e4lschungen. So stellte sich ein angebliches Barockst\u00fcck von Caccini als F\u00e4lschung aus der Hand eines Gitarristen aus der Sowjetrussland-Zeit heraus \u2013 ein Kuriosum! Wie sind Sie diesen Repertoire-F\u00e4lschungen auf die Schliche gekommen? Das genannte Beispiel ist ja nicht das einzige auf dem Album.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das mit den F\u00e4lschungen ist in der Tat ein Kuriosum. Und das Merkw\u00fcrdigste f\u00fcr mich daran ist fast nicht die Tatsache, dass ein St\u00fcck dem falschen Namen zugeordnet wurde oder dass man aufdecken konnte, dass jemand versucht hat, mit einer F\u00e4lschung zu Ansehen und vielleicht auch zu Reichtum zu kommen, sondern, wie lange sich diese falschen Behauptungen halten. Zum Beispiel schrillten schon bei der Ank\u00fcndigung des gro\u00dfen Fundes durch den Franzosen Pierre-Louis Dietsch zur Erstauff\u00fchrung des vierstimmigen Ave Maria von Jakob Arcadelt s\u00e4mtliche Glocken der Musikwelt. Und selbst als man nachweisen konnte, dass dieser Ave-Maria-Satz nicht der Feder Arcadelts entstammte, wurde es unter diesem Namen weitergespielt \u2013 so h\u00f6rte es ja eben auch zwei Jahrzehnte sp\u00e4ter Franz Liszt w\u00e4hrend eines langen Rom-Aufenthaltes und transkribierte das St\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Dinge sind schon lange musikwissenschaftlich erforscht und bekannt, sie stehen nur nicht im gedruckten Notenmaterial, sondern in begleitender Literatur.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Was man ja wenig bedenkt, wenn man sich das Album anh\u00f6rt, ist, dass da Musik aus Hunderten von Jahren zusammenkommt, und somit auch jeweils ganz unterschiedliche Anforderungen an Sie und die anderen beteiligten Musiker gestellt werden. Das alles in einer achtt\u00e4gigen Aufnahmesession in der Potsdamer Friedenskirche nicht nur organisatorisch, sondern auch auff\u00fchrungspraktisch zu bew\u00e4ltigen, stelle ich mir als eine Mammutaufgabe vor. Wie haben wir uns einen typischen Aufnahmetag im Zuge dieses Projekts vorzustellen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dadurch, dass wir an jedem Tag ganz unterschiedliche Besetzungen hatten, gab es sowas, wie den typischen Aufnahmetag nicht. Die Vorbereitungen der einzelnen Tage liefen ja schon einige Zeit vorher ab. Da wir uns auch nach den Abl\u00e4ufen in dem Gotteshaus richten mussten, begann auch nicht jeder Aufnahmetag zur gleichen Zeit mit dem Aufbau der Tontechnik; parallel wurden die Instrumente gestimmt, die Mikros eingerichtet und die Verpflegung inklusive des wirklich wichtigen hei\u00dfen Tees f\u00fcr die vielen Stunden im hohen, gro\u00dfen Kirchenraum vorbereitet. Ich habe die Musiker gestaffelt mit ihren St\u00fccken zu den Aufnahmen bestellt und mir pro Tag eine bestimmte Anzahl an St\u00fccken zur Einspielung vorgenommen. Und dann ging es sehr konzentriert an die Aufnahmen der in den Wochen vorher intensiv geprobten St\u00fccke. Nat\u00fcrlich hatten wir auch mit Unvorhersehbarem zu k\u00e4mpfen: Laubbl\u00e4ser im Park Sanssouci, Bauarbeiten vor der Kirchent\u00fcr, nachmitt\u00e4gliche Flugzeuge \u00fcber der Kirche und vor allem die vielen Touristen, die trotz der sehr auff\u00e4lligen Schilder mit dem Hinweis auf die Aufnahme an den gro\u00dfen h\u00f6lzernen Kirchent\u00fcren r\u00fcttelten, um vielleicht doch noch hineinzukommen. Die wunderbare geschichtstr\u00e4chtige Kirche am Park Sanssouci hatte dann doch ein paar \u00dcberraschungen f\u00fcr uns. Bei den meisten f\u00fcr uns\/ f\u00fcr mich komponierten St\u00fccken hatten wir auch die Komponisten bei uns auf der Orgelempore sitzen. Sie konnten ihr St\u00fcck bis zur Einspielung begleiten.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Was bedeutete dieses Aufnahmeprojekt f\u00fcr Sie abseits von Ihrem k\u00fcnstlerischen Engagement organisatorisch f\u00fcr Sie als Projektkoordinatorin?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diese 5-CD-Box ist in der Tat ein riesiger Kraftakt gewesen, den ich ohne die vielen Mitstreiter nicht h\u00e4tte bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Ideengeberin, S\u00e4ngerin und Produzentin der CD war da nicht nur unglaublich viel Organisatorisches zu bew\u00e4ltigen sondern es liefen bei mir ja s\u00e4mtliche F\u00e4den zusammen, die die Musik, das Booklet, die Aufnahmen, Fragen zu den Komponisten und Notenmaterialien betrafen. Ich hatte sehr viel Gl\u00fcck, dass ich fantastische Mitwirkende finden konnte, die sich mit mir auf dieses waghalsige Unterfangen eingelassen haben. Es ist nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass Musiker sich auf diese sehr unterschiedlichen Musikstile einlassen. Das erfordert ein gro\u00dfes Vertrauen in die Musik und das miteinander Musizieren. Ich bin auch wirklich dankbar, dass ich mit den Damen und Herren der Friedenskirche Potsdam, dem Tonstudio P4 und den Unterst\u00fctzern im Hintergrund &nbsp;Menschen gefunden habe, die genauso bedingungslos mit mir an dieses Projekt geglaubt haben und mit mir auf Entdeckungsreise gegangen sind.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Welche Vertonung ist eigentlich die \u00e4lteste bekannte \u201eAve Maria\u201c-Vertonung, die es gibt? Kann man das sagen?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00e4ltesten Ave Maria-Vertonungen sind ganz sicher die gregorianischen Ges\u00e4nge. Soweit ich wei\u00df, gab es davor keine belegten Kirchenges\u00e4nge dieser Art.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Ein unerwarteter \u201eBonus\u201c, den man auch erw\u00e4hnen sollte, ist, dass f\u00fcr Ihr Album eigens Grafiken von der renommierten K\u00fcnstlerin Doris Kollmann gestaltet worden sind. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit ihr, die sich nicht nur in einem wunderbaren Cover-Artwork niedergeschlagen hat, sondern auch in begleitenden Grafiken, die man im Booklet wiederfindet?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Doris Kollmann bearbeitet dieses Thema tats\u00e4chlich gemeinsam mit mir seit 15 Jahren. Wir haben uns auf eine Empfehlung eines gemeinsamen Bekannten zu dem Thema das erste Mal in ihrem Atelier getroffen und bereits bei dieser ersten Begegnung verschiedene Betrachtungsweisen des Gebetes an die Maria und die Darstellung der Marienfigur durchgesprochen. Die bildende Kunst und die Musik haben in diesem Fall tats\u00e4chlich einige weitere T\u00fcren zum Thema ge\u00f6ffnet. In der Mitte des Booklets findet sich eine Bleistiftzeichnung der \u201eMaria am Wasser\u201c. Ich pers\u00f6nlich finde dieses Bild unglaublich eindrucksvoll: es zeigt Maria als eine einfache, arbeitende Frau; zeigt eine Art Alltag, der bestimmt nicht leicht zu bew\u00e4ltigen war und trotzdem strahlt das Bild eine Ruhe und diese gewisse Besonderheit aus. Auch die Federzeichnungen von Marianischen Pflanzen beeindrucken mich tief\u2026 ganz schlichte Blumen, die eine ungeheure Symbolkraft haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht darf ich auch anmerken, dass mir auch gerade das Zusammenspiel der Fotografien von Alex Adler (dessen Kunst ich \u00fcbrigens genauso sehr sch\u00e4tze) und der Bilder von Doris Kollmann wirklich imponiert.\u00a0 \u2026in diesem visuellen Teil der CD-Box steckt die gleiche liebevolle Detailarbeit wie in dem akustischen Part, der ja mit dem begleitenden Text von Michael Pauser mit wirklich lesenswerten Informationen best\u00fcckt ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Maria-am-Wasser-Doris-Kollmann-1024x1017.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3837\" width=\"634\" height=\"629\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Maria-am-Wasser-Doris-Kollmann-1024x1017.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Maria-am-Wasser-Doris-Kollmann-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Maria-am-Wasser-Doris-Kollmann-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Maria-am-Wasser-Doris-Kollmann-768x762.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Maria-am-Wasser-Doris-Kollmann-1536x1525.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Maria-am-Wasser-Doris-Kollmann-2048x2033.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 634px) 100vw, 634px\" \/><figcaption>\u00a9 Doris Kollmann<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><em><strong>Die meisten \u201eAve Maria\u201c-Vertonungen stammen von M\u00e4nnern, was wohl dem Umstand geschuldet ist, dass bis ins 20. Jahrhundert hinein der Beruf des Komponisten m\u00e4nnlich dominiert war. Einige Komponistinnen haben sich dem Gebet aber auch angenommen. Erkennen weibliche Tonsetzerinnen in dem \u201eAve Maria\u201c-Gebet wom\u00f6glich etwas anderes als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen? Haben Sie den Eindruck, dass da ein anderer Blickwinkel zum Vorschein kommt?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Einen solchen Eindruck hatte ich nicht. Aber da ich mich ohnehin jeder einzelnen Vertonung ganz f\u00fcr sich genommen als S\u00e4ngerin gewidmet habe, ist diese Frage f\u00fcr mich fast nicht zu beantworten. Ich habe die Werke ja nicht wegen eines Vergleiches ins Repertoire genommen. Jede Vertonung des Gebetes ist eine sehr pers\u00f6nliche Ansprache und auch die drei Vertonungen von Hildegard von Bingen, Fanny Hensel und Regina Wittemeier haben da sehr verschiedene Ans\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Einige Komponisten entwickelten eine regelrechte \u201eAve Maria\u201c-Leidenschaft: Bruckner komponierte drei Vertonungen des Gebets, Saint-Sa\u00ebns offenbar sogar 10. Ist bekannt, ob diese Komponisten eine besondere Beziehung zur Marienverehrung hatten?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zumindest f\u00fcr Anton Bruckner ist diese Fr\u00f6mmigkeit belegt. Er betete t\u00e4glich u.a. mehrere \u201aVaterunser\u2018 oder \u201aAve Maria\u2018 \u2013 und das nicht selten kniend.&nbsp; F\u00fcr die anderen Komponisten m\u00fcsste ich jetzt spekulieren, aber ich gehe davon aus, dass jeder Komponist, der sich musikalisch dem Thema widmet, auch ein Vertrauen in die Anrufung der Mutter Gottes hatte oder hat.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Erschienen p\u00fcnktlich zum Marienmonat Mai hat Ihnen sicherlich die Coronakrise, die sich zu dem Zeitpunkt auf einem H\u00f6hepunkt befand, einen Strich durch die Rechnung gemacht, was z.B. Pr\u00e4sentationen des Repertoires im Konzert angeht. Nun sind aber doch noch CD-Release-Konzerte m\u00f6glich geworden. Erz\u00e4hlen Sie mal: Wo k\u00f6nnen wir einige der \u201eAve Maria\u201c-Vertonungen demn\u00e4chst live h\u00f6ren und mit welchen Ihrer musikalischen Mitstreiter?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, das Virus hat uns in eine extrem unangenehme Lage gebracht. Einige Konzerttermine mussten in das Jahr 2021 verschoben werden, aber ich bin wirklich sehr gl\u00fccklich, dass wir die M\u00f6glichkeit bekommen haben, einige Termine schon f\u00fcr dieses Jahr 2020 \u2013 ab August \u2013 ank\u00fcndigen zu k\u00f6nnen:<\/p>\n\n\n\n<p>Am 15.08.20 um 20:00 Uhr in der Marienkirche Berlin-Friedenau, Bergheimer Platz 1, 14197 Berlin u.a. mit Andrea Chudak (Sopran), Julian Rohde (Tenor), Prof. Dr. Robert Knappe (Orgel), Michael Schepp (Violine), Stefan R. Kelber (Viola), Ekaterina Gorynina (Violoncello), Lidiya Naumova (Gitarre), Olaf Neun (Erzlaute), Almute Zwiener (Oboe\/ Englisch Horn)<\/p>\n\n\n\n<p>Am 16.08.20 um 18:00 Uhr in der Friedenskirche Berlin-Gr\u00fcnau, Don-Ugoletti-Platz, 12527 Berlin mit Andrea Chudak (Sopran), Julian Rohde (Tenor) und Dr. Jakub Sawicki (Orgel)<\/p>\n\n\n\n<p>Am 17.08.20 um 19:30 Uhr im Rahmen des Reichenbacher Orgelsommers in der Marienkirche Reichenbach, Elisabethstra\u00dfe 6, 08468 Reichenbach (Vogtland) mit Andrea Chudak (Sopran) und Dr. Jakub Sawicki (Orgel)<\/p>\n\n\n\n<p>Am 29.08.20 um 19:00 Uhr in der Evangelischen Kirche Storkow, Altstadt 24, 15859 Storkow (Mark) mit Andrea Chudak (Sopran), Lidiya Naumova (Gitarre) und Prof. Dr. Robert Knappe (Orgel)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konzertorganisationen laufen gerade erst an, aber ich hoffe sehr, dass sich f\u00fcr dieses vielf\u00e4ltige Programm in den sehr unterschiedlichen Besetzungen noch weitere tolle Konzertm\u00f6glichkeiten ergeben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Ren\u00e9 Brinkmann, Juni 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Interview mit Andrea Chudak zu ihrem au\u00dfergew\u00f6hnlichen \u201eAve Maria\u201c-Projekt Die Sopranistin Andrea Chudak ist eine Vollbluts\u00e4ngerin! 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