{"id":3871,"date":"2020-07-11T14:10:24","date_gmt":"2020-07-11T12:10:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3871"},"modified":"2020-07-11T14:20:04","modified_gmt":"2020-07-11T12:20:04","slug":"romantisch-bis-auf-die-knochen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/07\/11\/romantisch-bis-auf-die-knochen\/","title":{"rendered":"\u201eRomantisch bis auf die Knochen\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Komponist C\u0103lin Hum\u0103 im Gespr\u00e4ch mit Ren\u00e9 Brinkmann<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"684\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/N0227-1024x684.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3872\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/N0227-1024x684.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/N0227-300x200.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/N0227-768x513.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/N0227-1536x1025.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/N0227.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>The New Listener: <\/strong><em>Herr Hum\u0103, Ihre Karriere als Komponist kann heutzutage als untypisch bezeichnet werden: Sie wurden in Iasi in Rum\u00e4nien geboren, begannen dann aber Anfang der 1990er-Jahre in Gro\u00dfbritannien eine Karriere als Gesch\u00e4ftsmann. Heute sind Sie Honorarkonsul der Republik Rum\u00e4nien im Vereinigten K\u00f6nigreich und traten erst vor etwa zw\u00f6lf Jahren zum ersten Mal als Komponist in Erscheinung. Aber wann und wie sind Sie \u00fcberhaupt zur Musik gekommen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>C\u0103lin Hum\u0103: <\/strong>Das klingt ein bisschen eklektisch, nicht wahr? Vielleicht sind es die Kollision zwischen materieller Besch\u00e4ftigung und einer metaphysischen Welt, die Projektion meiner eigenen Philosophie und die Errichtung eines Reservoirs an Emotionen, woraus ich meine musikalische Stimme ziehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Tochter, Ruxandra, wurde von klein auf als Pianistin ausgebildet. W\u00e4hrend dieser ganzen Zeit kam ich der inspirierenden Welt der klassischen Musik n\u00e4her. Als ich ihr w\u00e4hrend unz\u00e4hliger Stunden von Proben zuh\u00f6rte, entz\u00fcndete sich in mir ein Feuer, das irgendwann einfach bereit war, auszubrechen. Obwohl ich in meiner Familie niemanden mit einer Vorgeschichte in Belangen der &nbsp;Musik hatte, wuchs ich mit der Klassischen Musik auf, mit Chopin, Rachmaninoff, Tschaikowsky, Enescu, Sibelius \u2013 was sich als die Basis erwies, auf der ich dann anfing, mir selbst ein musikalisches Profil aufzubauen. Ich fing an, Klavier zu spielen, besch\u00e4ftigte mich aber nie mit Interpretation, sondern war von Beginn an sch\u00f6pferisch t\u00e4tig. Es geschah einfach so, als ob mein Inneres bereit gewesen w\u00e4re, sein Potenzial durch Musik zu erforschen, statt durch andere Formen des mentalen Ausdrucks.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The New Listener:<\/strong> <em>Wann haben Sie begonnen, Ihre eigenen Werke zu komponieren, und wie kam es dazu?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>C\u0103lin Hum\u0103:<\/strong> Ich habe damals angefangen, kleine Melodien zu &#8222;artikulieren&#8220;, durch Emotionen bis zu einem Punkt getrieben, an dem ich mir meiner Genese bewusst wurde. Das war, als ob die Musik mich tief gepr\u00e4gt h\u00e4tte, indem sie die Partikel meiner Existenz entmaterialisierte und sie zu einem sich entwickelnden, nach einem besseren Selbst strebenden Menschen umgestaltete.<\/p>\n\n\n\n<p>Vergessen wir nicht, dass ich in einem kommunistischen Rum\u00e4nien unter der Ceausescu-Diktatur aufwuchs, die ihren \u00fcblen Gestank sicherlich in das schmelzende Reservoir von Gedanken, Empfindungen und widerspr\u00fcchlichen Ideen \u00fcberschwemmte, die die urspr\u00fcnglichen &#8222;Substanzen&#8220; meines Heranwachsens waren. Es war ein eindeutiger Konflikt mit einem Teil von mir, der sich im Schatten des Klassizismus der Aufkl\u00e4rung ausbildete, der Literatur, Malerei, Theater, Musik oder anderer Formen k\u00fcnstlerischer Manifestation war. Zum Gl\u00fcck, und nicht nur das, setzte sich der Altruismus durch, und durch wenige Takte Musik fand ich heraus, dass ich in der Lage war, etwas auszudr\u00fccken, was ich nicht in tausend Worte fassen konnte. Und so fuhr ich fort&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The New Listener:<\/strong> <em>Gab es auch eine Zeit, in der Sie bereits komponierten, aber Ihre Kompositionen nicht der \u00d6ffentlichkeit vorstellten, weil Sie wahrscheinlich nicht sicher waren, ob Ihre Musik akzeptiert werden w\u00fcrde? Wenn dies der Fall war: Was war der entscheidende Grund, schlussendlich mit Ihren Kompositionen an die \u00d6ffentlichkeit zu gehen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>C\u0103lin Hum\u0103:<\/strong> Das war gar nicht der Fall. Ich beziehe eigentlich immer eine kleine Zahl von Personen, meist Freunde, in die fr\u00fchen Phasen aller meiner Kompositionen mit ein. Ihnen spiele ich w\u00e4hrend der Entwicklung meiner St\u00fccke vor. Ihre Reaktionen sind unbezahlbar, denn ihre emotionale Reaktion gibt mir einen Hinweis darauf, ob ich mit dem Zuh\u00f6rer kommunizieren kann. F\u00fcr mich \u2013 und ich f\u00fcrchte, einige werden das missbilligen \u2013 ist &#8218;Vox Populi&#8216; auch &#8218;Vox Dei&#8216;.<\/p>\n\n\n\n<p>Die &#8222;Unsicherheit&#8220; in Bezug auf meine Musik ist eine Konstante in meinem Leben! Sie sehen, durch Musik kann man nicht l\u00fcgen. Meine Musik ist ein offenes Buch tief in meiner Seele, sie enth\u00fcllt die am besten verborgenen Geheimnisse meines Seins, meiner Lebensphilosophie. Es ist jedoch durchaus hilfreich, nicht klassisch als Musiker ausgebildet zu sein, da ich die \u00c4ngste und Vorurteile dieses Berufsstandes nicht teile. Ich habe keine Angst vor der &#8222;Wahrheit&#8220;, und ich bin bereit, Kritik anzunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als meine Tochter ihr Studium am National Welsh Conservatoire abschloss, schenkten sie und ihr damaliger Freund Christopher Petrie, der eine Dirigierausbildung absolvierte, mir ihre Zeit und ihr Ohr und halfen mir, meine Kompositionen zu etwas mehr Strukturiertem zu konsolidieren. Das war der Zeitpunkt, an dem ich von der Komposition f\u00fcr Klavier solo zum Orchester \u00fcberging. 2013 lie\u00df ich ein St\u00fcck f\u00fcr gro\u00dfes Orchester, \u201eMiorita Ballade\u201c, ein ber\u00fchmtes rum\u00e4nisches Gedicht, vom Philharmonischen Orchester Craiova in Rum\u00e4nien auff\u00fchren.&nbsp; Das Werk wurde sehr gut aufgenommen und seine freundliche Rezeption gab mir die &#8222;Fl\u00fcgel&#8220;, die ich brauchte, um meinen &#8222;Flug&#8220; zu beginnen! Sp\u00e4ter gr\u00fcndeten Ruxandra und Chris das Philharmonic Chamber Orchestra of London, ein professionelles Orchester junger Berufsmusiker. Ich werde ihren ersten Auftritt in der Londoner Cadogan Hall mit dem Grieg-Klavierkonzert in der Interpretation von Tom Poster und Tschaikowkys Pathetique-Sinfonie Nr. 6 nie vergessen.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch sie inspiriert, habe ich mein Werk konsolidiert und 2015 meine Symphonie Nr. 1 &#8222;Carpatica&#8220; herausgebracht. Die Londoner Premiere in der Cadogan Hall in London war ausverkauft. Und hier sind wir heute&#8230;&#8230;..<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The New Listener:<\/strong> <em>Viele Kritiker haben die Musik auf Ihrem ersten Album \u2013 das &#8222;Symphony Concerto&#8220; und die Erste Sinfonie \u2013 mit Rachmaninows Stil verglichen. Ist Rachmaninow eine Ihrer Inspirationsquellen? Welche anderen Inspirationsquellen haben Sie?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>C\u0103lin Hum\u0103:<\/strong> Das ist er in der Tat! Und was f\u00fcr ein genialer Komponist er war! Aber er steht nicht allein. Auf meinem imagin\u00e4ren Weg der Musik gibt es andere erstaunliche Komponisten, die den &#8222;Weg zum Himmel&#8220; flankieren, wie die Klassiker, die Romantiker, nicht so sehr die Minimalisten, Strukturalisten oder die eher dissonanten Komponisten. Ich habe jedoch gro\u00dfen Respekt vor jedem K\u00fcnstler, der sich mit dem Schaffensprozess im Besonderen besonderen besch\u00e4ftigt, und das meine ich im Allgemeinen f\u00fcr jede Art von Kunst. Der Eindruck anderer Komponisten auf mich ist ziemlich subjektiv; wenn ich noch einmal auf meine Bemerkung \u00fcber das kommunistische Rum\u00e4nien zur\u00fcckkommen darf, dann war das H\u00f6ren ihrer Werke wie der Zugang zu einer anderen Welt, nicht nur einer esoterischen, sondern einer sehr materiellen Welt jenseits der Berliner Mauer, da die Freiheit vor allem eine dringende Notwendigkeit war. In diesem Zusammenhang ist es leicht zu verstehen, warum sie mich jenseits des lyrischen Universums ihrer Musik so sehr beeindruckt haben und warum ich mich ihrem Zugriff nicht entziehen kann; nicht, dass ich das wollen w\u00fcrde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The New Listener:<\/strong> <em>Wie k\u00f6nnen wir uns den kompositorischen Prozess in Ihrem Fall vorstellen? Komponieren Sie auf dem Klavier oder frei in Ihren Gedanken?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>C\u0103lin Hum\u0103:<\/strong> Auf dem Klavier. Dieses gro\u00dfartige Instrument wirkt als Katalysator, dessen Tasten T\u00f6ne singen, die an meinen Gedanken haften bleiben, und verwandelt sie in Wellen, die zu meiner musikalischen Stimme werden. Stellen Sie es sich wie Schneeflocken vor, die sich durch Wasser bilden und sich an Partikel anlagern, die in Wolken schweben. Das Klavier \u00fcbersetzt einfach diese emotionalen Ausbr\u00fcche, Emotionen, die zwischen der materiellen und der metaphysischen Welt schweben, in Musik und tr\u00e4gt sie weiter in die Bausteine eines St\u00fcckes. Ich komponiere von der Basis aufw\u00e4rts. Nat\u00fcrlich gibt es angesichts meiner begrenzten F\u00e4higkeiten im Klavierspiel viele Momente, in denen ich innerhalb des kognitiven Denkprozesses eine Melodie entwickle.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The New Listener:<\/strong> <em>Sie haben mehrere Jahre lang mit dem Dirigenten und Komponisten Christopher Petrie zusammengearbeitet. Wie haben Sie ihn kennen gelernt und was ist die besondere Verbindung in dieser kreativen Partnerschaft?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>C\u0103lin Hum\u0103:<\/strong> Er war neun Jahre lang mit meiner Tochter zusammen, eine Zeit, in der wir uns sehr gut kennengelernt haben. Er hat sich mit Neugierde und Respekt in die rum\u00e4nische Kultur vertieft. Wir hatten unz\u00e4hlige philosophische Diskussionen, wir haben uns in allen Aspekten des Lebens ausgetauscht. Er ist die Art Mensch, die einen bereichert, und man wird nach jeder Begegnung weiser und erf\u00e4hrt immer etwas Neues. Er ist irgendwie in der Lage, mich zu provozieren, damit ich mich zu einem besseren Komponisten entwickle. Er ist auch ein Bezugspunkt, wenn es um Struktur, Arrangement und Orchestrierung geht, da ich nur begrenzte Kenntnisse \u00fcber die Funktionsweise von Instrumenten habe. Ich habe zwar das gesamte Orchesterwerk im Kopf, aber er wird mir sagen, was nicht m\u00f6glich ist, und wir gehen gemeinsam jeden Takt der Musik durch.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The New Listener:<\/strong> <em>In fr\u00fcheren Epochen gab es oft Komponisten, die in ihrem Hauptberuf etwas v\u00f6llig anderes machten: Alexander Borodin war Chemiker im Hauptberuf, Goethes Lieblingskomponist Carl Friedrich Zelter war Architekt und Bauunternehmer, und man k\u00f6nnte die Reihe der bekannten Namen fortsetzen. Heute scheint es, dass man vor allem einen akademischen Abschluss braucht, um als Komponist akzeptiert zu werden. Warum ist das Ihrer Meinung nach so? Waren die Menschen in der Vergangenheit der Musik gegen\u00fcber vielleicht etwas aufgeschlossener?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>C\u0103lin Hum\u0103:<\/strong> Es gibt nur wenige M\u00f6glichkeiten, Musik zu h\u00f6ren: mit dem Verstand, mit dem Herzen und in Bezug auf gro\u00dfe Komponisten mit beidem. Wie immer spiegelt die Musik die breitere politische und soziale Konjunktur wider: wo sich eine Gesellschaft in Zeit und Raum befindet, ihre Ideologie und ihren popul\u00e4ren oder akademischen Glauben. Nehmen Sie zum Beispiel die Wende zum 20. Jahrhundert, als Strauss mit seiner Oper \u201eSalome\u201c frischen Schwung in die Sache brachte. Sch\u00f6nberg und seine Sch\u00fcler kamen danach und ver\u00e4nderten die Musik f\u00fcr immer. Da ich die Welt der Musik lediglich umkreise, bin ich eher wie ein ferner Planet auf einer sehr lockeren elliptischen Umlaufbahn. Vieles in der heutigen Musik besch\u00e4ftigt sich vor allem mit Struktur- und Klangforschung. F\u00fcr viele K\u00fcnstler ist Kunst nur etwas f\u00fcr den K\u00fcnstler! Kunst ist &#8222;sich selbst genug&#8220;. Wie zu Beginn des Interviews gesagt, f\u00fcr mich &#8222;Vox Populi, Vox Dei&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The New Listener:<\/strong> <em>Ihre musikalische Sprache k\u00f6nnte man als neo-tonal oder sogar neo-romantisch bezeichnen. Haben Sie diesen Stil bewusst gew\u00e4hlt oder repr\u00e4sentiert er einfach die Musik, die in Ihnen klingt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>C\u0103lin Hum\u0103:<\/strong> Die einfache Antwort lautet NEIN! Wie kann ich etwas komponieren, was ich nicht bin? F\u00fcr mich sollte die Gewissensentscheidung am Ende des Kompositionsprozesses stehen, nachdem Sie Ihr Herz aus dem allerletzten Gramm Emotion herausgequetscht haben, das Sie danach zu einer verst\u00e4ndlichen Botschaft strukturieren werden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich ist die Selbstverwirklichung das immerw\u00e4hrende Streben des Menschen, das wie eine lebendige Flamme brennt. Ihr Lodern beruht auf der Wahrheit des Wissens, auf dem Glauben oder der Metaphysik und, als Vollendung der eigenen Begrenztheit, auf der Kunst, wodurch den Geheimnissen der menschlichen Existenz ein unaussprechlicher Ausdruck verliehen wird. In ihrer inneren Ordnung neigt die Musik uners\u00e4ttlich zur harmonischen Resonanz der Erregung der Seele mit der &#8222;Musik der Sph\u00e4ren&#8220;, die Platon einmal erw\u00e4hnt hat. Als kosmische Wesen projizieren wir unsere innere Psyche innerhalb der himmlischen Rhythmen, um der stellaren Grenzenlosigkeit zu begegnen. Vom Konzept her ist der Klang der Musik die Stimme des Absoluten, ist unaussprechlich. Durch ihre Variationen objektiviert sie innere Spannungen und verwandelt die neutrale Welt in ein vermenschlichtes Wesen. Musik ist also demiurgisch. Durch die Sublimierung des Klangs, der voller Bedeutungen und Erfahrungen ist, kann Musik die Absurdit\u00e4t der Frage &#8222;Warum existiert etwas und existiert etwas nicht?\u201c \u00fcberwinden. Als kosmische Wesen definieren wir den Sinn der Welt, einer Welt, die sich ihrer selbst nicht bewusst ist und unseren Geist in die Unendlichkeit projiziert. Musik konzentriert die nie endende Sehnsucht, den unendlichen Raum zu umarmen und aufzuwerten, auf die Vers\u00f6hnung des menschlichen Mikrohorizonts mit dem kosmologischen Megahorizont. Es ist die Musik, die den Fl\u00fcgel der Seele \u00fcber die Grenzenlosigkeit ausbreitet: denjenigen au\u00dferhalb seiner selbst, um denjenigen im Inneren entziffern zu k\u00f6nnen. Aufgrund des Wunders der Musik als harmonischer Klang geht unsere Reise durch das Universum in einem Wimpernschlag vor\u00fcber. Die innere Zeit und die \u00e4u\u00dfere Zeit verschmelzen im organischen Akt dieser reinigenden Erfahrung. Es scheint, als ob die sehr mikrophysische Realit\u00e4t ihre Unbestimmtheit in eine geordnete Sph\u00e4re von unendlicher Bedeutung verwandelt. Die Musik ist das unbeschreibliche TOR zwischen diesen Welten, dem Mikro- und Makrokosmos, durch das der Geist auf die Begegnung mit dem Absoluten zufliegt! Unser Zweck, unsere Mission, unsere Pflicht kommen in diesem Konzept zum Ausdruck. Der Mensch erreicht durch die Musik seine existenzielle Vollkommenheit; aber was f\u00fcr eine k\u00e4mpferische und brennende Erfahrung! Was f\u00fcr ein kathartischer Schmerz!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The New Listener:<\/strong> <em>Inzwischen ist auch Ihre Zweite Symphonie aufgef\u00fchrt worden. Sie hei\u00dft &#8222;Hampshire&#8220;, w\u00e4hrend Ihre erste Sinfonie &#8222;Carpatia&#8220; hei\u00dft. Haben Sie mit diesen beiden Werken den beiden &#8222;Welten&#8220; Reverenz erwiesen, aus denen Sie kommen bzw. in denen Sie jetzt leben?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>C\u0103lin Hum\u0103:<\/strong> Ja, das habe ich! Ich bin ein B\u00fcrger beider Welten, der einen durch Geburt und der anderen durch Adoption. Ich werde immer mit einem nostalgischen Duft meines Geburtsortes leben. Ich hoffe, dies wird ein wenig in meine Musik \u00fcbergehen, da ich nicht das &#8222;Gewand&#8220; der Ethnizit\u00e4t tragen m\u00f6chte. Ich m\u00f6chte, so sehr ich kann, den universellen Charakter des rum\u00e4nischen lyrischen Universums offenbaren, damit die Welt die vielen Dinge, die uns in Harmonie vereinen, w\u00fcrdigen kann. Auch die zweite Sinfonie &#8222;Hampshire&#8220; ist eine Hommage an die Region, die mich adoptiert hat, und an ihre Menschen. Ich hatte die Ehre, dass zu ihrer Premiere am 3. Mai 2019 in der Kathedrale von Winchester unter den Eingeladenen sowohl Vertreter der Region Hampshire als auch Ihrer Majest\u00e4t der K\u00f6nigin anwesend waren. Die Symphonie wurde Hampshire in einer Zeremonie nach dem Konzert symbolisch geschenkt.&nbsp; Hampshire ist eine wunderbare Gegend, in der Gegenwart und Vergangenheit in einer ununterbrochenen Pirouette, einem fruchtbaren Raum der Inspiration, umarmt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The New Listener:<\/strong> <em>Ihre erste Symphonie wurde vom BBC National Orchestra of Wales aufgenommen und auch auf BBC Radio 3 gespielt. Wie sind Sie zur Zusammenarbeit mit der BBC gekommen? Und wie kamen Sie zur Zusammenarbeit mit dem Royal Philharmonic Orchestra, das Ihre zweite Sinfonie uraufgef\u00fchrt hat?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>C\u0103lin Hum\u0103:<\/strong> Zum BBC National Orchestra of Wales kam ich durch Chris, der in Wales geboren wurde, und durch Andrew Keener, ebenfalls Waliser. Das Orchester mochte mein Projekt und sch\u00e4tzte es, auf einer weltweit vertriebenen CD dabei zu sein, und sie fragten mich, ob ich einverstanden w\u00e4re, das Werk auf BBC Radio 3 auszustrahlen, was ich nat\u00fcrlich war. Als mein erstes Aufnahmeprojekt war die Erfahrung \u00fcberw\u00e4ltigend, und die Arbeit mit diesem Orchester wird f\u00fcr immer in meinem Geist bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Urauff\u00fchrung der zweiten Sinfonie verfolgte ich ein Projekt, das vom Rum\u00e4nischen Kulturinstitut in London ins Leben gerufen wurde, wo der Geigenvirtuose Alexandru Tomescu am 1. Mai 2019 ein Konzert mit dem RPO in London gab. Es war logisch, den ersten Teil der Auff\u00fchrung, das Violinkonzert Nr. 3 von Saint-Sa\u00ebns, beizubehalten und mit der Hampshire-Sinfonie zu enden. Die Zusammenarbeit mit dem RPO war eine weitere Erfahrung, die meine Entwicklung als Komponist nachhaltig beeinflussen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The New Listener:<\/strong> <em>Ihr erstes Violinkonzert befindet sich gerade im Kompositionsprozess. K\u00f6nnen Sie uns schon ein wenig dar\u00fcber erz\u00e4hlen, was wir zu h\u00f6ren bekommen werden?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>C\u0103lin Hum\u0103:<\/strong> Ich freue mich sehr, sagen zu k\u00f6nnen, dass ich bereits begonnen habe, mit Chris an der Orchestrierung zu arbeiten. Das Konzert wird drei Teile beinhalten. Der erste Teil gliedert sich in drei Selbstgespr\u00e4che als Pfeiler f\u00fcr das gesamte Werk auf. Ich neige derzeit zu einer Orchestrierung f\u00fcr Streicher und H\u00f6rner, da ich glaube, dass wir mit dieser Struktur viel Farbe und Stimmen herausholen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend wir das St\u00fcck f\u00fcr Orchester unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe zug\u00e4nglich machen. Ich hoffe, ich werde meinen Zuh\u00f6rern beweisen k\u00f6nnen, dass ich aus meinen Erfahrungen gelernt habe, deshalb wird das Konzert eine Weiterentwicklung meiner fr\u00fcheren Werke sein. Nat\u00fcrlich romantisch &#8218;bis auf die Knochen&#8216;!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The New Listener:<\/strong> <em>In der Corona-Krise ist es nat\u00fcrlich im Moment sehr schwierig, \u00fcber zuk\u00fcnftige Pl\u00e4ne zu sprechen, aber gibt es vielleicht einige Termine oder Auff\u00fchrungen, die sich anbahnen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>C\u0103lin Hum\u0103:<\/strong> Ich hoffe, dass Alexandru Tomescu das Violinkonzert annimmt und versuchen wird, es 2021 beim prestigetr\u00e4chtigen Enescu-Festival in Bukarest auff\u00fchren zu lassen. Inzwischen schicke ich meine Musik an viele Orchester in der ganzen Welt und auch an einige in Rum\u00e4nien, in der Hoffnung, dass es eine Chance f\u00fcr Auff\u00fchrungen gibt. Ein Traum f\u00fcr mich w\u00e4re es, dass einige meiner Werke in meiner Geburtsstadt Iasi in Rum\u00e4nien aufgef\u00fchrt werden. Das Bild des &#8222;Jungen&#8220;, der nach Hause zur\u00fcckkehrt, ist einfach zu verlockend!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The New Listener:<\/strong> <em>Gibt es etwas, was Sie den H\u00f6rern Ihrer Musik in Deutschland sagen m\u00f6chten?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>C\u0103lin Hum\u0103:<\/strong> Was kann ich so bemerkenswerten Menschen wie den H\u00f6rern in Deutschland sagen? Ich f\u00fchle mich durch diese Gelegenheit gedem\u00fctigt und entschuldige mich bei ihnen, denn meine Musik wird nie so gut sein wie die der gro\u00dfen deutschen Komponisten, aber was ich tue, ist so aufrichtig, so aus meinem Herzen, dass es vielleicht Gnade verdient. Mein ganzes Leben ist in jeder einzelnen Note, die ich komponiere, enthalten, als ob es die letzte w\u00e4re! Ich danke Ihnen f\u00fcr diese Gelegenheit!<\/p>\n\n\n\n<p>[<strong>Ren\u00e9 Brinkmann, Juli 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Komponist C\u0103lin Hum\u0103 im Gespr\u00e4ch mit Ren\u00e9 Brinkmann The New Listener: Herr Hum\u0103, Ihre Karriere als Komponist kann heutzutage als untypisch bezeichnet werden: Sie wurden in Iasi in Rum\u00e4nien geboren, begannen dann aber Anfang der 1990er-Jahre in Gro\u00dfbritannien eine Karriere als Gesch\u00e4ftsmann. 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