{"id":3887,"date":"2020-07-21T08:29:00","date_gmt":"2020-07-21T06:29:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3887"},"modified":"2020-07-22T15:31:47","modified_gmt":"2020-07-22T13:31:47","slug":"reinhard-goebel-und-benjamin-appl-glaenzen-mit-bach","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/07\/21\/reinhard-goebel-und-benjamin-appl-glaenzen-mit-bach\/","title":{"rendered":"Reinhard Goebel und Benjamin Appl gl\u00e4nzen mit Bach"},"content":{"rendered":"\n<p>H\u00e4nssler Classic CD HC19081; EAN: 8 81488 19081 6<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/N0230.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3888\" width=\"303\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/N0230.jpg 960w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/N0230-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/N0230-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/N0230-768x762.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 303px) 100vw, 303px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Bei Reinhard Goebels neuer CD bleibt alles in der Bach-Familie. Die Berliner Barock Solisten musizieren mit Bariton Benjamin Appl drei Kantaten: \u201eIch bin vergn\u00fcgt mit meinem Stande\u201c von Carl Philipp Emanuel, \u201ePygmalion\u201c von Johann Christoph Friedrich sowie \u201eIch habe genug\u201c, BWV 82 von Vater Johann Sebastian. Als Intermezzi fungieren zwei neuentdeckte Streichersinfonien von Carl Philipp Emanuel sowie Wilhelm Friedemann Bach \u2013 diese und \u201eIch bin vergn\u00fcgt\u2026\u201c sind Ersteinspielungen. Man darf also gespannt sein&#8230;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Reinhard Goebel<\/em> wird nicht m\u00fcde, neue Barockmusik zu entdecken und schon Bekanntes neu zu entdecken. Auch als k\u00fcnstlerischer Leiter der Berliner Barocksolisten steht er f\u00fcr klare, wohl\u00fcberlegte Konzepte und eine heute leider selten gewordene, gewissenhafte Vorbereitung, ohne die der au\u00dferordentlich hohe Qualit\u00e4tsstandard, der auf der neuen CD mit <em>Kantaten der Bach-Familie <\/em>wieder demonstriert wird, undenkbar w\u00e4re. Jedes der hier aufgezeichneten St\u00fccke gl\u00e4nzt mit ganz individuellem Charakter, alle sind f\u00fcr sich genommen schon faszinierend und spannungsreich. Trotzdem war es ein kluger Schachzug, nicht Kantate an Kantate zu reihen, sondern dazwischen knappe, kaum zehnmin\u00fctige Streichersinfonien zu platzieren. Tats\u00e4chlich kann so der H\u00f6rer die randvolle CD gerne an einem St\u00fcck genie\u00dfen, ohne dass es auch nur eine Sekunde langweilig w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Zentrales, und mit fast 34 Minuten umfangreichstes Werk ist <em>Pygmalion <\/em>von Johann Christoph Friedrich Bach, von den Ausma\u00dfen her schon fast ein Opern-Monodram. Diese Kantate \u201eempfindsamen Stils\u201c ist ein Kleinod ihrer Zeit (ca. 1770), das innerhalb einer konzertf\u00f6rmigen Gesamtanlage eine F\u00fclle von Stimmungsnuancen auskostet, besonders im zentralen Rezitativ \u2013 nicht ohne einen Hauch von Ironie. Goebel verriet k\u00fcrzlich im Interview, dass die Realisierung einer Aufnahme ein von ihm seit drei\u00dfig Jahren gehegter Wunsch war \u2013 er hingegen erst jetzt in <em>Benjamin Appl<\/em> den idealen Interpreten gefunden habe. In der Tat ist Appl der eigentliche Star der Einspielung: ein tiefer Bariton in absoluter Bestform! Klangsch\u00f6nheit, perfekte, in jeder Silbe verst\u00e4ndliche Diktion \u2013 der man zwar die Schule Dietrich Fischer-Dieskaus anmerkt, aber ohne dessen M\u00e4tzchen, zu oft in reines Deklamieren abzugleiten \u2013 und eine ansteckende Freude auch an barocken Verzierungen und Melismen, die nie zum Selbstzweck geraten. Und obwohl Appl hier zum Gl\u00fcck nirgends opernhaft \u201eaufdreht\u201c, ist seine immer ad\u00e4quate Dynamik ungemein differenziert, dabei stets angenehm. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Noch weitgehend im Fahrwasser des Vaters \u2013 ganz klar im mittigen Rezitativ \u2013 bewegt sich C. Ph. E. Bach in seiner Kantate von 1733\/34, dessen Wiederentdeckung hier gefeiert wird; da war er auch gerade mal zwanzig. Die Sinfonie in F-Dur wirkt schon eher als fr\u00fcher Vorbote des sich sp\u00e4ter deutlich wandelnden Sinfoniestils. Beeindruckender noch der B-Dur-Beitrag Wilhelm Friedemanns; diese kompakte Musik hat richtig Biss! Die Innigkeit und stilistische Sicherheit bei Johann Sebastians Kantate <em>Ich habe genug <\/em>setzt der Darbietung endg\u00fcltig die Krone auf. Hier stimmt wirklich alles \u2013 \u00fcberzeugend homogener Streicherklang (nur hier h\u00f6ren wir au\u00dferdem eine Oboe bzw. Oboe da caccia), konsequente Phrasierung von Solist und Orchester, vor allem jedoch ein \u00dcberspringen von Bachs unersch\u00fctterlicher \u00dcberzeugtheit vom vertonten Text auf den H\u00f6rer. Als Aufnahmeort diente Dezember 2019 die bew\u00e4hrte Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem \u2013 und der Tontechnik gelang ein Musterbeispiel an Luftigkeit und Durchsichtigkeit mit angenehmem Hall und sch\u00f6ner R\u00e4umlichkeit. Reinhard Goebels Booklettext ist informativ, sprachlich leider ein wenig geschwollen. Das schm\u00e4lert den hervorragenden Gesamteindruck dieser Produktion nat\u00fcrlich nicht. Selten gelang es einem solchen Programm, einen eingefleischten Barockmuffel wie \u2013 zugegebenerma\u00dfen \u2013 den Rezensenten, derart bei der Stange zu halten und zu begeistern. Diese Musik geh\u00f6rt zweifelsohne geh\u00f6rt!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, Juli 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4nssler Classic CD HC19081; EAN: 8 81488 19081 6 Bei Reinhard Goebels neuer CD bleibt alles in der Bach-Familie. 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