{"id":3900,"date":"2020-08-08T21:34:58","date_gmt":"2020-08-08T19:34:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3900"},"modified":"2020-08-13T12:56:14","modified_gmt":"2020-08-13T10:56:14","slug":"auf-der-geige-nach-boehmen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/08\/08\/auf-der-geige-nach-boehmen\/","title":{"rendered":"Auf der Geige nach B\u00f6hmen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Warner Classics; EAN: 1 90295 27476 4<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized is-style-default\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/N0233.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3901\" width=\"289\" height=\"289\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/N0233.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/N0233-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/N0233-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 289px) 100vw, 289px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Augustin Hadelich spielt Violinmusik aus B\u00f6hmen. Das Programm beginnt mit dem Violinkonzert<\/em> Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1ks, das Hadelich gemeinsam mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Jakub <em>Hr\u016f\u0161a pr\u00e4sentiert. Daraufhin folgen St\u00fccke f\u00fcr Violine und Klavier gemeinsam mit dem Pianisten Charles Owen. Von <\/em><em>Dvo\u0159\u00e1k h\u00f6ren wir noch das Romantische St\u00fcck op. 75\/4, eines der \u201eLieder, die meine Mutter mir beibrachte\u201c op. 5\/4 und die Humoresque op. 101\/7 in der Bearbeitung von Fritz Kreisler. Zudem erklingen die viers\u00e4tzige Violinsonate von Leo\u0161<\/em> <em>Jan\u00e1\u010dek und die Vier St\u00fccke op. 17 von Josef Suk.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl erst 36 Jahre alt, blickt Augustin Hadelich bereits auf eine lange Karriere zur\u00fcck, die ihn schon zw\u00f6lfj\u00e4hrig als sogenanntes Wunderkind an die \u00d6ffentlichkeit brachte. Mittlerweile z\u00e4hlt der in Italien geborene Sohn deutscher Eltern zu den international gefragten Solisten und spielte bereits \u00fcber ein Dutzend CDs ein. Seine neueste Aufnahme bringt ihn in die Tschechei, zum Kreis um Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k.<\/p>\n\n\n\n<p>Von diesem stammt auch das Kernst\u00fcck der CD, das Violinkonzert op. 53 \u2013 im Gegensatz zu dessen Cello- und dessen Klavierkonzert ein vielgespieltes St\u00fcck. Im Rahmen von Konzerten im M\u00fcnchner Gasteig nahm der Violinist das St\u00fcck gemeinsam mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter dem Dirigenten Jakub Hr\u016f\u0161a auf. Hr\u016f\u0161a, selbst noch unter 40, darf bereits jetzt zu den feinf\u00fchligsten lebenden Dirigenten z\u00e4hlen, was er auch in dieser Aufnahme unter Beweis stellt: innig, intensiv und leidenschaftlich gestaltet er den Orchesterpart aus, l\u00e4sst die Instrumente singen und die Musik in aller Nat\u00fcrlichkeit ungezwungen frei entstehen. Der gro\u00dfe Affekt entsteht als Nebenprodukt, er wurde weder intendiert, noch erzwungen. Hadelich passt sich hier stimmig ein, bleibt stets Teil des Orchesterapparats und mischt seinen Klang mit dem Streicherkorpus des Symphonieorchesters. Wir erleben eine von allen Beteiligten tief ersp\u00fcrte und lebendige Aufnahme dieses Meisterwerks.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Pianisten Charles Owen greift Hadelich ebenso wieder zu Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k, wobei ebenso leidenschaftliche, aber eben unpr\u00e4tenti\u00f6se Aufnahmen entstehen. Akustisch wirkt das Klavier leider weniger pr\u00e4sent als die Violine, wurde also wohl aktiv tontechnisch in den Hintergrund ger\u00fcckt, was die Gleichwertigkeit der Partner unterminiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht ganz begl\u00fccken kann die Violinsonate Leo\u0161 Jan\u00e1\u010deks, die leider noch immer viel zu selten gespielt wird, doch erst k\u00fcrzlich vom Duo Maiss-You eingespielt wurde [<a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/08\/13\/der-wandel-als-markenzeichen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">zur Rezension<\/a>]. Die ersten beiden S\u00e4tze wirken zu unruhig, gar hektisch. Ihnen fehlt es an Robustheit, aus welcher erst die glei\u00dfenden Kontraste gen\u00e4hrt werden k\u00f6nnen, von welchen die Sonate lebt. Im Kopfsatz geht Charles Owen zu wenig Risiko ein (besonders in den Blitz-Oktaven) und verharmlost so die eigentlich \u00fcberbordende Wirkung; im dritten Satz geschieht Hadelich das Selbe mit den dazwischengeworfenen L\u00e4ufen: diese m\u00fcssen wir Lawinen herabsausen, die konkreten Tonh\u00f6hen sind unwichtig gegen\u00fcber dem Affekt. Am gelungensten erscheint das Finale.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr zuhause sind die beiden Musiker bei Josek Suk, dessen Vier St\u00fccke sie volumin\u00f6s und voll gestalten, wieder die notwendige Bodenst\u00e4ndigkeit erreichen. Auf dieser soliden Basis erwachsen die Themen, besonders die folkloristisch anmutenden, und Kontraste; so erst kommen die Harmonien vollst\u00e4ndig zum Tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei beschauliche Miniaturen Dvo\u0159\u00e1ks beschlie\u00dfen die CD: Die \u201eLieder, die meine Mutter mir beibrachte\u201c zeigen sich dabei als durchaus entdeckungswert, die siebte der Humoresken op. 101 z\u00e4hlt ohnehin zu den bekanntesten Weisen des Komponisten und wurde sp\u00e4testens durch die Comedian Harmonists zum internationalen Hit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, August 2020]<em><\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warner Classics; EAN: 1 90295 27476 4 Augustin Hadelich spielt Violinmusik aus B\u00f6hmen. Das Programm beginnt mit dem Violinkonzert Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1ks, das Hadelich gemeinsam mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Jakub Hr\u016f\u0161a pr\u00e4sentiert. 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