{"id":3903,"date":"2020-08-13T12:48:28","date_gmt":"2020-08-13T10:48:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3903"},"modified":"2020-08-13T12:55:37","modified_gmt":"2020-08-13T10:55:37","slug":"der-wandel-als-markenzeichen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/08\/13\/der-wandel-als-markenzeichen\/","title":{"rendered":"Der Wandel als Markenzeichen"},"content":{"rendered":"\n<p>TYXart, TXA19130; EAN: 4 250702 801306<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"600\" height=\"600\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/N0234.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3904\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/N0234.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/N0234-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/N0234-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Das Duo Maiss You spielt die Violinsonaten von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek und B\u00e9la Bart\u00f3k (Nr. 2 Sz 76) und stellt sie neben ein Werk eines zeitgen\u00f6ssischen Komponisten: Roland Leistner-Mayer: Von diesem erklingt die Bratschensonate op. 156. Diesen Wechsel zwischen Musik f\u00fcr Violine und f\u00fcr Viola macht sich das Duo zum Markenzeichen, so changierte Burkhard Maiss auch im Debutalbum (Schumann, Brahms) zwischen den beiden Instrumenten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach ihrem <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/02\/06\/sonaten-fuer-zwei\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hochromantischen Debutalbum<\/a> geht das Duo Maiss You nun \u00fcber zur Musik des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts und widmet sich den Violinsonaten von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek und B\u00e9la Bart\u00f3k: w\u00e4hrend Bart\u00f3k mittlerweile zum Standardrepertoire geh\u00f6rt, kommt die viers\u00e4tzige Sonate von Jan\u00e1\u010dek kaum zu Geh\u00f6r [frisch erschien sie mit Augustin Hadelich und Charles Owen: <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/08\/08\/auf-der-geige-nach-boehmen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">zur Rezension<\/a>]. Die Sonaten f\u00fcgen sich im Programm wunderbar zusammen, leben sie doch beide von den selben Charakteristika, die sie jeweils auf ureigene Weise umsetzen: hinrei\u00dfende Melodien, abrupte bis ruppige Wechsel, harmonisch vagierende Akkordverl\u00e4ufe und ein Gesp\u00fcr f\u00fcr Proportion. Gef\u00fchl spielt f\u00fcr beide Werke eine gr\u00f6\u00dfere Rolle als das tats\u00e4chliche Verst\u00e4ndnis \u2013 wenngleich nat\u00fcrlich beide Komponisten genau wussten, was sie taten. Zwischen ihnen passt sich ideal die Bratschensonate op. 156 von Roland Leistner-Mayer ein, die klanglich ebenso in die Zeit der beiden Violinsonaten passen k\u00f6nnte. Leistner-Mayer kehrte sich fr\u00fch von den Avantgardestr\u00f6mungen ab und ging dazu \u00fcber, traditionellere Formen individuell aufzuarbeiten und auf seine Vorstellungen zu personalisieren. In seiner Musik nimmt die Melodie den h\u00f6chsten Stellenwert ein; sie wandelt durch harmonisch eindeutig bestimmbare, nicht aber der klassischen Harmonielehre folgenden Akkordfelder; das Prinzip beschreibt er selbst als \u201efreitonale Funktionalit\u00e4t\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Duo Maiss You scheint nach ihrem Debutalbum beinahe noch dichter aneinandergewachsen zu sein und spielt vollst\u00e4ndig aus einem Atem und einer Intention heraus. Gerade bei Jan\u00e1\u010dek wird dies ersichtlich, der rhythmisch vertrackt das Zusammenspiel auf eine harte Probe stellt. Die Musiker spannen gro\u00dfe B\u00f6gen, finden sich also bestens zurecht in den oft weitschweifenden bis gar abstrakten Verl\u00e4ufen dieser Musik; ebenso gelingen abenteuerliche Br\u00fcche mit fanatischen Ausbr\u00fcchen, sofern es die Musik vorschreibt. Die Harmoniemodelle werden am Klavier plastisch erkennbar und verst\u00e4ndlich, Ju-Yeoun You differenziert die einzelnen Schichten klar aus und kann besonders durch eine breite Palette an Piano-Schattierungen brillieren. Ihr Forte kracht nicht, sondern schwingt volumin\u00f6s als ideale Basis f\u00fcr das Streichinstrument. Burkhard Maiss meistert Violine und Bratsche gleicherma\u00dfen, passt sich den individuellen Gegebenheiten der beiden Instrumenten an und zieht sogar aus den Vorteilen des einen Erkenntnisse f\u00fcr das andere: so erh\u00e4lt die Violine mehr von dem runden, weichen Klang der Viola, umgeht so die dem Instrument innewohnende scharfe Kantigkeit; daf\u00fcr darf sich die Bratsche mehr Glanz und Brillanz erfreuen. Eine perfekte Symbiose zweier optisch \u00e4hnlicher, klanglich aber vollkommen unterschiedlicher Instrumente.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, August 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TYXart, TXA19130; EAN: 4 250702 801306 Das Duo Maiss You spielt die Violinsonaten von Leo\u0161 Jan\u00e1\u010dek und B\u00e9la Bart\u00f3k (Nr. 2 Sz 76) und stellt sie neben ein Werk eines zeitgen\u00f6ssischen Komponisten: Roland Leistner-Mayer: Von diesem erklingt die Bratschensonate op. 156. 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