{"id":3910,"date":"2020-08-17T17:36:01","date_gmt":"2020-08-17T15:36:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3910"},"modified":"2020-08-17T17:36:04","modified_gmt":"2020-08-17T15:36:04","slug":"inspirationen-fuer-das-horn","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/08\/17\/inspirationen-fuer-das-horn\/","title":{"rendered":"Inspirationen f\u00fcr das Horn"},"content":{"rendered":"\n<p>TYX Art, 19142; EAN: 4 250702 801429<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/N0235-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3911\" width=\"353\" height=\"353\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/N0235-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/N0235-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/N0235-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/N0235-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/N0235.jpg 1417w\" sizes=\"(max-width: 353px) 100vw, 353px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Auf ihrem Album \u201eMelodies\u201c pr\u00e4sentieren Herv\u00e9 Joulain und Ariane Jacob siebzehn Originalthemen f\u00fcr Horn. Auf dem Programm stehen Kompositionen von Reinhold Gli\u00e8re, Alexander Glasunov, Camille Saint-Sa\u00ebns, Richard Strauss, Maurice Ravel, Luigi Cherubini, Paul-Henri B\u00fcsser, Leonard Bernstein, Franz Strauss, Leone Sinigaglia, Nicolaus Freiherr von Krufft, Emmanuel Chabrier, Alexander Scriabin, Jean-Michel Damase, Vincent d\u2019Indy und Laurent Couson.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Horn w\u00e4re eines der idealsten Instrumente, um sich als Komponist singenden Ausdruck zu verschaffen: nicht nur besitzt es einen enorm umfangreichen Ambitus, auch kommt es nah an die menschliche Stimme heran und offenbart unz\u00e4hlige M\u00f6glichkeiten der Klanggestaltung. Dennoch wird es, w\u00e4hrend ihm im Orchester oft die sch\u00f6nsten Themen zufallen, nur selten als Solo- oder Duoinstrument verwendet. Gemeinsam mit der Pianistin Ariane Jacob geht der Hornist Herv\u00e9 Joulain auf Entdeckungstour und pr\u00e4sentiert siebzehn Originalthemen f\u00fcr sein Instrument. Dabei gelingen durchaus einige lohnenswerte Funde.<\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich am wenigsten \u00fcberzeugt ausgerechnet die einzige Melodie, die ein jeder kennt: Ravels Pavane pour une infante d\u00e9funte. Urspr\u00fcnglich als Klavierst\u00fcck geschrieben, vertraut Ravel in der Orchesterfassung dem Horn die Melodie an, was bei der Streicherbegleitung f\u00fcr hinrei\u00dfende Effekte sorgt; mit Klavier allerdings wirkt der Unterboden kahl, auch fehlt die fragile Tragf\u00e4higkeit, welche Ravels Musik erst ausmacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meines Erachtens gr\u00f6\u00dfte Errungenschaft dieser CD ist die Entdeckung von Nicolaus Freiherr von Krufft. Wenngleich Komponieren eine Freizeitbesch\u00e4ftigung f\u00fcr ihn war, zeigt er profundes technisches Handwerk (er lernte bei Johann Georg Albrechtsberger, aus dessen Schule auch Beethoven, Hummel und Czerny hervorgingen) und \u2013 viel wichtiger \u2013 einen ausgepr\u00e4gten Personalstil, der sogar Klangsph\u00e4ren erreicht, wie wir sie sonst ausschlie\u00dflich und deutlich sp\u00e4ter von Chopin kennen. Diese verbindet er mit verspielter, klassischer Leichtigkeit und einem geschlossenen Formkonzept.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Weiteren lohnt sich die Besch\u00e4ftigung mit den hier zu h\u00f6renden Komponisten Paul-Henri B\u00fcsser und Leone Sinigaglia, die heute beinahe vergessen sind. Als einer der bekanntesten Hornisten seiner Zeit komponierte Franz Strauss auch f\u00fcr sein Instrument, wobei er nur recht wenig auszusagen hatte. Lohnenswerter gestaltet sich da der Beitrag seines Sohns Richard Strauss, der das zu h\u00f6rende Andante seinem Vater zur Silberhochzeit zueignete und in diesem Jugendwerk bereits handwerkliches K\u00f6nnen und musikalische Substanz zu einen wei\u00df. Erstaunt war ich, Scriabin unter den Komponisten dieser CD zu lesen, von dem mir kein Kammermusikwerk bekannt war: die Romanze op. 40 offenbart eine interessante Verbindung einer kantablen Melodiestimme mit einem harmonisch ausschweifenden Klavier, wobei der Gesamteindruck eher zu seinem der Romantik verpflichteten Fr\u00fchwerk tendiert. Klanglichen Reiz entwickeln die sp\u00e4tromantischen Weisen von Gli\u00e8re und Glasunov aus Russland sowie Saint-Sa\u00ebns aus Frankreich. Besonderen Eindruck hinterl\u00e4sst das Larghetto von Chabrier, ein echt franz\u00f6sisches St\u00fcck von reinem Ausdruck und inniger Lieblichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Herv\u00e9 Joulain erweist sich als vielseitiger und flexibel veranlagter Hornist, der sowohl die klassisch leichten, romantisch vertr\u00e4umten wie fr\u00fchmodern expressiven St\u00fccke ad\u00e4quat umzusetzen wei\u00df. Bei den impressionistisch anmutenden Weisen k\u00f6nnte der Pianissimobereich etwas mehr ausgekostet werden, ansonsten l\u00e4sst sich absolut nichts an seinem Spiel aussetzen. Joulain beh\u00e4lt eine W\u00e4rme und Menschlichkeit, die in ihren Bann zieht, spielt mit vollem, weichem und sanglichem Ton. Ariane Jacob bleibt am Klavier eher n\u00fcchtern, gibt den St\u00fccken so gewisse Distanz: das farbenfrohe Aufbl\u00fchen \u00fcberl\u00e4sst sie gr\u00f6\u00dftenteils dem Horn, was teils interessante Effekte bringt. Dennoch spielt sie keineswegs unbeteiligt. Hoch konzentriert schafft sie so formalen Zusammenhalt mit weichen \u00dcberg\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, August 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>TYX Art, 19142; EAN: 4 250702 801429 Auf ihrem Album \u201eMelodies\u201c pr\u00e4sentieren Herv\u00e9 Joulain und Ariane Jacob siebzehn Originalthemen f\u00fcr Horn. 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