{"id":3916,"date":"2020-08-28T07:42:00","date_gmt":"2020-08-28T05:42:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3916"},"modified":"2020-09-10T10:42:38","modified_gmt":"2020-09-10T08:42:38","slug":"ein-rach-marathon-konzert-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/08\/28\/ein-rach-marathon-konzert-2\/","title":{"rendered":"Ein Rach-Marathon (Konzert 2)"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Der ungarische Pianist J\u00e1nos Bal\u00e1zs spielt an zwei aufeinanderfolgenden Tagen alle vier Klavierkonzerte plus der Paganini-Rhapsodie von Sergei Rachmaninoff. Begleitet wird er dabei durch die Ungarische Nationalphilharmonie (Nemzeti Filharmonikus Zenekar) unter Charles Olivieri-Munroe. Die Konzerte finden am 18. Und am 19. August 2020 jeweils in der Budapester Liszt-Akademie statt, k\u00f6nnen aber auch online mitverfolgt werden. Das zweite Konzert umfasst die Klavierkonzerte Nr. 3 d-Moll op. 30 und Nr. 4 g-Moll op. 40.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N0239-1-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3935\" width=\"297\" height=\"444\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N0239-1-683x1024.jpg 683w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N0239-1-200x300.jpg 200w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N0239-1-768x1151.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N0239-1.jpg 854w\" sizes=\"(max-width: 297px) 100vw, 297px\" \/><figcaption>Bal\u00e1zs J\u00e1nos \u00a9 Attila Kleb<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Nachdem J\u00e1nos Bal\u00e1zs am Vortag bereits die ersten zwei Konzerte wie auch die Paganini-Rhapsodie von Sergei Rachmaninoff vorgetragen hat, vollendet er heute den Zyklus mit den Klavierkonzerten drei und vier, wobei das Dritte an letzter Stelle vorgetragen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Urspr\u00fcnglich schrieb sich Rachmaninoff sein drittes Klavierkonzert d-Moll auf die Finger, da ihm das Zweite als zu schwierig beziehungsweise undankbar erschien und die Arbeit der Wirkung nicht entspreche. Doch genau das Gegenteil erreichte er und schuf eines der gef\u00fcrchtetsten Werke der Klavierliteratur: nur eine Hand voll Pianisten war die ersten 15-20 Jahre nach der Komposition des Konzerts \u00fcberhaupt in der Lage, es vorzutragen. Dass es mittlerweile zum Standard wurde, als protzige Zurschaustellung der technischen F\u00e4higkeiten vieler Hochschulabsolventen verschandelt wird, bem\u00e4ngelten schon einige, gerade russische P\u00e4dagogen. Doch der gro\u00dfe Vorteil an eben diesem St\u00fcck: Es ist pianistisch derart vertrackt, dass selbst der technisch versierteste und schnelllernendste Solist gezwungen wird, sich hier intensiv mit der Materie auseinanderzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Konzert ger\u00e4t so auch f\u00fcr J\u00e1nos Bal\u00e1zs zum H\u00f6hepunkt seiner Rachmaninoff-Darbietungen dieser zwei Tage. Mehr als in den anderen Konzerten fokussiert er sich auf nuancierte Klanggestaltung und f\u00f6rdert auch die sanften Tonsph\u00e4ren. Stie\u00df bislang sein fehlendes Piano auf, so holte er dies hier zumindest teilweise nach und sorgt gerade im Kontext f\u00fcr atemberaubende Momente. Klug teilt er seine Kr\u00e4fte ein und schafft sich selbst kurze Momente des Aufatmens und Entspannens seiner Finger sowie der Ohren der H\u00f6rer; dies st\u00e4rkt die musikalische Struktur und l\u00e4sst uns die Form geschlossener verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch im vor der Pause erklingenden vierten Konzert bemerkt der H\u00f6rer einen gesteigerten Fokus, doch bemerkt man auch, dass das folgende Dritte noch auf den Schultern von Bal\u00e1zs lastet und er sich so ein wenig zu schonen hat, um den Rach-Marathon erfolgreich zu Ende zu bringen.&nbsp; Er bleibt rasch und fingertechnisch wendig, kostet gerade die H\u00f6hepunkte voll aus; sein Vorbild Gy\u00f6rgy Cziffra bleibt eine pr\u00e4sente Gr\u00f6\u00dfe in der Darbietungsweise von J\u00e1nos Bal\u00e1zs.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ungarische Nationalphilharmonie unter Leitung von Charles Olivieri-Munroe gibt sich nur wenig M\u00fche beim musikalischen Ausgestalten. Ihr Klang wirkt starr und spr\u00f6de, dynamisch eint\u00f6nig und allgemein uninspiriert. Gut abgestimmt mit dem Pianisten ist das Orchester daf\u00fcr vom Timing und \u00fcberl\u00e4sst ihm so einige notwendige Freiheiten oder kleine Z\u00e4suren.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Zugabe entschied B\u00e1lazs sich gegen ein virtuoses St\u00fcck (wie h\u00e4tte man das Mammutprogramm auch noch \u00fcberbieten k\u00f6nnen?), sondern erkundet durch eine kleine, romantische Miniatur noch einmal die zarten, introverten Sph\u00e4ren und endet so im Nachklang an die dramatisch-apokalyptischen Konzerte vers\u00f6hnlich, gar friedlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, August 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der ungarische Pianist J\u00e1nos Bal\u00e1zs spielt an zwei aufeinanderfolgenden Tagen alle vier Klavierkonzerte plus der Paganini-Rhapsodie von Sergei Rachmaninoff. 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