{"id":3939,"date":"2020-09-18T14:29:13","date_gmt":"2020-09-18T12:29:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3939"},"modified":"2020-09-23T17:54:35","modified_gmt":"2020-09-23T15:54:35","slug":"verdienstvoll-engagierter-cesar-franck-mit-laengen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/09\/18\/verdienstvoll-engagierter-cesar-franck-mit-laengen\/","title":{"rendered":"Verdienstvoll engagierter C\u00e9sar Franck mit L\u00e4ngen"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos 8.573955; EAN: 7 4731339557 6<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N3580-1024x1015.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3940\" width=\"350\" height=\"347\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N3580-1024x1015.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N3580-300x297.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N3580-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N3580-768x761.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N3580.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Von C\u00e9sar Francks sp\u00e4ten symphonischen Dichtungen findet nur \u201eLe Chasseur maudit\u201c ab und zu in die Konzerts\u00e4le. Jean-Luc Tingaud hat nun auf Naxos au\u00dferdem \u201eLes \u00c9olides\u201c und \u2013 als eine der ganz wenigen vollst\u00e4ndigen Aufnahmen \u2013 \u201ePsych\u00e9\u201c mit dem Royal Scottish National Orchestra neu eingespielt. Man sp\u00fcrt dabei sowohl die unverkennbaren St\u00e4rken als auch manche Schw\u00e4che dieser Musik.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der aus L\u00fcttich stammende C\u00e9sar Franck (1822-1890) begann \u2013 was einigerma\u00dfen unbekannt geblieben ist \u2013 quasi als Wunderkind am Klavier, wovon einige erstaunliche, fr\u00fche Klavierwerke (<em>\u201eBallade\u201c<\/em>) zeugen. Er studierte schon mit 15 am Pariser Conservatoire, u.a. bei <em>Reicha<\/em>, und war dann f\u00fcr gut 40 Jahre vor allem als Organist und Lehrer (etwa von <em>D\u2019Indy<\/em> und <em>Chausson<\/em>) aktiv. Abgesehen von seinen Orgelwerken blieb er als Komponist weitgehend unbeachtet; erst in den 1880er Jahren brachten ihn jedoch einige unbestrittene Meisterwerke \u2013 vor allem die Symphonie d-moll und die Violinsonate A-Dur \u2013 noch zu unverhofftem Weltruhm.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den ambitionierten Orchesterwerken dieser produktiven Sp\u00e4tphase geh\u00f6ren drei symphonische Dichtungen, die hier vom <em>Royal Scottish National Orchestra, <\/em>das sich schon insbesondere durch die Gesamtaufnahme der Symphonien Albert Roussels unter St\u00e9phane Den\u00e8ve als feinf\u00fchliger Klangk\u00f6rper f\u00fcr franz\u00f6sisches Repertoire empfohlen hat, auf einer CD pr\u00e4sentiert werden. Besonders erw\u00e4hnen muss man die Tatsache, dass uns Naxos damit eine der ganz wenigen vollst\u00e4ndigen Aufnahmen von <em>Psych\u00e9 <\/em>g\u00f6nnt: Die letzte liegt nun bereits 25 Jahre zur\u00fcck (unter Tadaaki Otaka, Chandos), davor muss man schon bis in die 1960er suchen (Jean Fournet). Die komplette Version mit Chor wird von den meisten Dirigenten verschm\u00e4ht: Man begn\u00fcgt sich mit den vier instrumentalen Haupts\u00e4tzen \u2013 so Ashkenazy (Decca) oder Armin Jordan (Erato) \u2013, und selbst diese werden nicht selten gek\u00fcrzt (Barenboim, DG). Daf\u00fcr gibt es selbstverst\u00e4ndlich Gr\u00fcnde: Das komplette St\u00fcck hat mit \u00fcber 45 Minuten tats\u00e4chlich seine L\u00e4ngen, besonders der anf\u00e4ngliche Abschnitt <em>Le Sommeil de Psych\u00e9 <\/em>kommt nicht wirklich in die G\u00e4nge \u2013 und auch <em>Jean-Luc Tingaud<\/em> hat zu k\u00e4mpfen, da musikalische Stringenz hereinzubringen. Immerhin l\u00e4sst \u2013 nicht nur hier \u2013 der Klangsinn von Dirigent und Orchester aufhorchen. Die Aufnahmetechnik kann ebenfalls total \u00fcberzeugen: angenehmes Klangbild, Dynamik und Durchsichtigkeit werden der gro\u00dfen Besetzung gerecht. Die Verbindung von quasi wagnerischen Panoramen mit bereits aufblitzenden Vorboten des Impressionismus kommt nicht zuletzt dadurch gut heraus. Tingaud bleibt aber bei den doch erotischen Ankl\u00e4ngen \u2013 die D\u2019Indy energisch bestritten hat \u2013 eher zur\u00fcckhaltend.<\/p>\n\n\n\n<p>In die Vollen gehen darf der Dirigent nat\u00fcrlich beim ber\u00fchmten <em>Chasseur maudit<\/em>: Der Graf, der es wagt, am heiligen Sonntag der Jagd zu fr\u00f6nen, und dadurch in einem H\u00f6llenritt der Verdammnis anheimf\u00e4llt, steht in bester Tradition der symphonischen Dichtungen Liszts. Starke Kontraste, orchestrale Virtuosit\u00e4t und Wucht entfalten beim H\u00f6rer ihre Wirkung. Obwohl Tingaud auch dabei ein wenig flotter ist als die Konkurrenz, wirkt die wilde Jagd fast zu kultiviert, weniger bedrohlich als etwa bei Riccardo Muti (EMI) oder Fran\u00e7ois-Xavier Roth (Cypres) \u2013 trotzdem macht das St\u00fcck aber Spa\u00df. Weniger problematisch ist <em>Les \u00c9olides<\/em> (1875)<em> <\/em>\u2013 neben zarten Wagner-Ankl\u00e4ngen gibt es hier Passagen, die zehn Jahre sp\u00e4ter Saint-Sa\u00ebns in seiner <em>Orgelsymphonie <\/em>inspiriert haben d\u00fcrften. Tingaud gelingt eine luftige, gediegene Darbietung, wie sie unter den \u00fcblichen, stressigen Probenbedingungen solcher Produktionen kaum besser m\u00f6glich ist \u2013 da ist der Franzose l\u00e4ngst ein erfahrener Routinier. Insgesamt ist diese Zusammenstellung somit momentan auf CD eigentlich konkurrenzlos.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, September 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos 8.573955; EAN: 7 4731339557 6 Von C\u00e9sar Francks sp\u00e4ten symphonischen Dichtungen findet nur \u201eLe Chasseur maudit\u201c ab und zu in die Konzerts\u00e4le. 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