{"id":3950,"date":"2020-09-25T14:42:37","date_gmt":"2020-09-25T12:42:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3950"},"modified":"2020-09-25T17:19:17","modified_gmt":"2020-09-25T15:19:17","slug":"kodalys-fruehe-meisterwerke-mit-unaufgeregter-ueberzeugung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/09\/25\/kodalys-fruehe-meisterwerke-mit-unaufgeregter-ueberzeugung\/","title":{"rendered":"Kod\u00e1lys fr\u00fche Meisterwerke mit unaufgeregter \u00dcberzeugung"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos 8.551443; EAN: 7 3009914443 8<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N3582-1024x903.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3951\" width=\"311\" height=\"274\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N3582-1024x903.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N3582-300x265.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N3582-768x677.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/N3582.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 311px) 100vw, 311px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Der junge Cellist Gabriel Schwabe widmet sich zusammen mit seiner Gattin Hellen Wei\u00df dem selten gespielten Duo f\u00fcr Violine &amp; Violoncello von Zolt\u00e1n Kod\u00e1ly. Dazu gibt es auf der neuen Naxos-CD noch dessen umf\u00e4ngliche Sonate f\u00fcr Cello solo aus der gleichen Zeit. Ebenfalls folkloristisch angehaucht ist der knappe, zweis\u00e4tzige Solobeitrag des damals jungen Gy\u00f6rgy Ligeti. Ein \u00e4u\u00dferst anspruchsvolles Programm, mit dem sich die beiden K\u00fcnstler einer starken Konkurrenz stellen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Gabriel Schwabe<\/em> hat auf Naxos in den letzten Jahren zu Recht Furore gemacht: etwa mit den Saint-Sa\u00ebns-Cellokonzerten sowie einer unglaublich frischen und entschlackten Lesart des Brahms-Doppelkonzerts (siehe die Kritik <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/06\/01\/weit-mehr-als-nur-eine-reife-leistung\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2019\/06\/01\/weit-mehr-als-nur-eine-reife-leistung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a>). Nun wagt er sich auf der ersten gemeinsamen CD mit seiner Frau, der Geigerin <em>Hellen Wei\u00df<\/em>, an zwei in jeder Hinsicht au\u00dfergew\u00f6hnliche Werke von Zolt\u00e1n Kod\u00e1ly (1882-1967), die zu Beginn des ersten Weltkriegs entstanden sind, als der Komponist zusammen mit B\u00e9la Bart\u00f3k in der Musikabteilung des k.u.k. Kriegsministeriums in Budapest arbeitete. Mit ihm hatte der fast gleichaltrige Kod\u00e1ly bereits zehn Jahre zuvor umfangreiche Feldforschung \u00fcber das ungarische Volkslied betrieben und 1907 dar\u00fcber promoviert. Wesentlich introvertierter veranlagt als sein Kollege, kam der kompositorische Erfolg f\u00fcr Kod\u00e1ly deshalb deutlich sp\u00e4ter. So sind auch das <em>Duo f\u00fcr Violine &amp; Cello op. 7 <\/em>und die gewaltige <em>Sonate f\u00fcr Cello solo op. 8<\/em> eher selten im Konzert zu h\u00f6ren \u2013 aber ebenso wegen der enormen Herausforderungen an die Ausf\u00fchrenden wie den H\u00f6rer. Schade \u2013 denn die Literatur f\u00fcr Violine &amp; Cello ohne Begleitung bewegte sich noch im 19. Jhdt. vorwiegend im p\u00e4dagogischen Bereich; Kod\u00e1lys Duo ist einer der ersten eindeutig f\u00fcr den Konzertsaal bestimmten Gattungsbeitr\u00e4ge \u2013 und bis heute ein musikalischer Gipfel.<\/p>\n\n\n\n<p>Wei\u00df\/Schwabe m\u00fcssen sich hier mit der unl\u00e4ngst erschienenen, grandiosen Einspielung von <em>Jonian Ilias Kadesha<\/em> und <em>Vashti Hunter<\/em> (Avi-music 8553017, 2019) messen. Kod\u00e1ly greift nat\u00fcrlich auf seine ungeheure Kenntnis der ungarischen Folklore zur\u00fcck \u2013 trotzdem ist das Duo stimmungsm\u00e4\u00dfig vielschichtig und formal elaboriert. Kadesha\/Hunter spielen schon in den ersten Anfangsgesten des Kopfsatzes die divergierenden Charaktere einzelner Elemente entschiedener aus als Wei\u00df\/Schwabe und benutzen dabei deutlich breiter unterschiedlichste klanglich-technische M\u00f6glichkeiten im Zusammenspiel der Instrumente. Das extreme Dynamikspektrum, das Kod\u00e1ly ausdr\u00fccklich notiert, wird w\u00f6rtlich genommen, viele Details wirken eindringlicher \u2013 das liegt dann nur zum kleineren Teil an einer ebenfalls besseren Aufnahmetechnik, die zudem mehr Klangf\u00fclle an Stellen bietet, wo beide Streicher Doppelgriffe spielen. Die Intonation ist bei beiden Duos toll \u2013 lediglich die hohe Geigenstelle im 2. Satz (vor Ziffer [2]) klingt bei Kadesha abgekl\u00e4rter, zugleich dramatischer. Insgesamt vertrauen Wei\u00df\/Schwabe weniger dem quasi rhapsodischen Diskurs als ihre Konkurrenz, f\u00fchren uns etwas unaufgeregter durch den heiklen Parcours \u2013 aber auch sie schaffen es, keine Sekunde zu langweilen, gerade im Finale. Eloquenter und letztlich beeindruckender ist jedoch klar das Duo Kadesha\/Hunter.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den beiden Sonaten f\u00fcr Solocello habe ich als Vergleich zu Matt Haimovitz (DG 00289 477 5506, 1990-93) gegriffen \u2013 da erscheinen die Verh\u00e4ltnisse eher umgekehrt. Haimovitz ist vielleicht technisch ein wenig \u00fcberlegen, betreibt aber bei Kod\u00e1ly fast zu viel musikalischen Exhibitionismus, was dann \u2013 so manches Vibrato im langsamen Satz wie auch etliche andere klangliche Effekte werden demonstrativ \u00fcbertrieben \u2013 teilweise doch sehr aufgesetzt wirkt. Hier folgt Schwabe ganz der immanenten kompositorischen Logik des Komponisten; alles ist organisch, der gro\u00dfe Ausdruck authentisch ohne zus\u00e4tzlich erhobenen Zeigefinger. Probleme bereitet ihm allerdings der lange, m\u00e4andernde Schluss des ersten Satzes; hier geht die musikalische Spannung in der Tat etwas verloren. Daf\u00fcr kann er bei den folkloristischen Momenten des Finales klar punkten, spielt schn\u00f6rkellos musikantischer. Ligetis fr\u00fcher Beitrag \u2013 die zwei S\u00e4tze seiner knappen, v\u00f6llig tonalen Solosonate entstanden mit einigem Abstand 1948 bzw. 1953 \u2013 gelingt beiden Cellisten \u00fcberragend. Doch auch hier liegt Schwabe f\u00fcr mich ein wenig vorn. Das Capriccio nimmt er nicht so extrem flott wie Haimowitz, f\u00f6rdert aber mehr Details zu Tage. Im ersten Satz will dieser die wenigen imitatorischen Stellen so deutlich herausstellen, dass sie \u2013 da zu kurz \u2013 fast ins Leere laufen. Schwabe geht einen goldenen Mittelweg; elegische Innigkeit ist ihm wichtiger als zu aufgeladene Emotion oder \u00fcberbetonte Struktur. Schon allein wegen der Solosonaten ist die Naxos-CD allemal eine Empfehlung wert \u2013 das unterrepr\u00e4sentierte Kod\u00e1ly-Duo kann man eh\u2018 nicht oft genug h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, September 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos 8.551443; EAN: 7 3009914443 8 Der junge Cellist Gabriel Schwabe widmet sich zusammen mit seiner Gattin Hellen Wei\u00df dem selten gespielten Duo f\u00fcr Violine &amp; Violoncello von Zolt\u00e1n Kod\u00e1ly. Dazu gibt es auf der neuen Naxos-CD noch dessen umf\u00e4ngliche Sonate f\u00fcr Cello solo aus der gleichen Zeit. 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