{"id":3955,"date":"2020-09-29T22:46:26","date_gmt":"2020-09-29T20:46:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3955"},"modified":"2020-09-29T22:47:41","modified_gmt":"2020-09-29T20:47:41","slug":"beethoven-flott-hart-und-zaghaft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/09\/29\/beethoven-flott-hart-und-zaghaft\/","title":{"rendered":"Beethoven flott, hart und zaghaft"},"content":{"rendered":"\n<p>Musikproduktion Dabringhaus &amp; Grimm; MDG 903 2135-6; EAN: 76062321356<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/F001.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3957\" width=\"308\" height=\"308\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/F001.jpg 220w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/F001-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 308px) 100vw, 308px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Das Duo FlautoPiano (Helen Dabringhaus, Fl\u00f6te, und Fil Liotis, Klavier) bietet einen \u00dcberblick \u00fcber das Schaffen des jungen Beethoven. Zu h\u00f6ren sind: die Sonate B-Dur WoO Anhang&nbsp;4, die Serenade op. 41, das Duo f\u00fcr zwei Fl\u00f6ten WoO&nbsp;26 (Fl\u00f6te II: Vukan Milin), sowie Bearbeitungen der Hornsonate op. 17 und des zweiten Satzes aus dem Klavierkonzert op. 15.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Querfl\u00f6te hatte, nicht zuletzt durch Beethoven, ihren festen Platz im Orchester gefunden, doch neigte der Komponist, wie einst auch Mozart, wenig dazu, ihr solistische Aufgaben zuzudenken. Zu unvollkommen erschienen ihm die damaligen Fl\u00f6ten, und ein gro\u00dfer Virtuose, der ihn vielleicht h\u00e4tte anregen k\u00f6nnen, fand sich nicht ein. Dass Beethoven die Fl\u00f6te in der Kammermusik nicht ganz gemieden hat, ist unter diesen Umst\u00e4nden sehr erfreulich.<\/p>\n\n\n\n<p>Lediglich zwei der f\u00fcnf eingespielten Werke sind keine Bearbeitungen: Das sechsmin\u00fctige Duo f\u00fcr zwei Fl\u00f6ten, das Beethoven bei seiner Abreise aus Bonn 1792 als Abschiedsgeschenk f\u00fcr einen Freund komponierte \u2013 Helen Dabringhaus spielt es zusammen mit ihrem einstigen Lehrer Vukan Milin \u2013; und die Sonate B-Dur, ein viers\u00e4tziges Werk, das der einzigen erhaltenen Abschrift zufolge von einem gewissen \u201eBethoe\u201c stammt. Der Vermutung, es handele sich um ein Fr\u00fchwerk Ludwig van Beethovens aus dessen Bonner Zeit, kann man durchaus zustimmen. Zwar ist das St\u00fcck den ersten mit Opuszahlen ver\u00f6ffentlichten Sonaten Beethovens im Rang nicht ebenb\u00fcrtig, doch stammt es von einem Komponisten, der seine Einf\u00e4lle \u00fcberzeugend zu ausgedehnten Verl\u00e4ufen entwickeln kann, und au\u00dferdem im abschlie\u00dfenden Variationssatz zeigt, dass er sein Thema gut genug kennt, um sich nicht mit blo\u00df figurativen Ver\u00e4nderungen begn\u00fcgen zu m\u00fcssen. Die Serenade op.&nbsp;41, ein Meisterwerk leichten Charakters in sechs knappen S\u00e4tzen, ist eine von Beethoven selbst durchgesehene und korrigierte Bearbeitung seiner Serenade f\u00fcr Fl\u00f6te, Violine und Viola op.&nbsp;25. Dagegen entstanden die die hier eingespielten Arrangements der Hornsonate op.&nbsp;17 und des langsamen Satzes aus dem Ersten Klavierkonzert nach Beethovens Tod. Im Gegensatz zu dem anonymen Bearbeiter der Sonate, dessen T\u00e4tigkeit sich weitestgehend auf Transposition beschr\u00e4nkte, stand Theobald B\u00f6hm bei der Bearbeitung des Konzertsatzes vor der schwierigeren Aufgabe, ein Werk f\u00fcr Klavier und Orchester f\u00fcr Fl\u00f6te und Klavier umzuschreiben. Er hat sie geschickt und f\u00fcr beide Instrumente dankbar gel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nnte man die auf der Platte zu h\u00f6renden Darbietungen genauso loben wie den umfangreichen, ausf\u00fchrlich \u00fcber die Entstehungsumst\u00e4nde der Kompositionen und Bearbeitungen informierenden Begleittext von Joachim Draheim, so h\u00e4tten wir eine rundum gelungene Ver\u00f6ffentlichung vor uns. Nicht dass an den F\u00e4higkeiten von Helen Dabringhaus und Fil Liotis im rein Technischen irgendetwas zu bem\u00e4ngeln w\u00e4re! In dieser Hinsicht bew\u00e4ltigen sie die Musik ohne Probleme. Sie bew\u00e4ltigen sie, aber durchdringen sie nicht. Die Feinheiten der Beethovenschen Formungskunst kommen kaum zum Erklingen. Zwar wird die Musik weder \u00fcber den Sportplatz gehetzt, noch durch extreme Temposchwankungen verzerrt, doch stellt sich den gut gew\u00e4hlten, gleichm\u00e4\u00dfig durchgehaltenen Zeitma\u00dfen zum Trotz kein rechter Vorw\u00e4rtsdrang ein. Was den Musikern offensichtlich fehlt, ist die \u00dcbersicht \u00fcber die gro\u00dfen Linienz\u00fcge. Es klingt, als d\u00e4chten sie nur von Takt zu Takt, mitunter nur von Taktteil zu Taktteil. Gebunden vorgetragen wird, was unter Bindeb\u00f6gen steht, aber der wesentlich wichtigeren Aufgabe, die Spannungen auch von Phrase zu Phrase auf- und abzubauen, die Formung ausgedehnter Perioden und das kontrapunktische Zusammenwirken der Stimmen erlebbar werden zu lassen, schenken sie zu wenig Aufmerksamkeit. Dazu passt, dass h\u00e4ufig, wenn nicht ausdr\u00fccklich Legato verlangt wird, der Vortrag zum Staccato tendiert. So geraten die raschen S\u00e4tze zu h\u00fcbscher, flotter Musik mit gelegentlichen harten Akzenten (die dann im Zusammenhang oft \u00fcbertrieben wirken). Auffallend zaghaft und kraftlos muten dagegen die langsamen S\u00e4tze an. Als beispielhaft f\u00fcr all dies sei der Variationssatz der Serenade genannt: Das Thema zerf\u00e4llt in seine einzelnen Taktteile, das Figurenwerk der Variationen wirkt spieluhrartig, und einzelne akzentuierte T\u00f6ne stechen nadelspitz hevor. In der Einleitung zum Finale desselben Werkes entgeht Dabringhaus und Liotis ganz, wie Beethoven hier Freiluftmusik (Waldh\u00f6rner) nachahmt. Ein Verharren in Kurzatmigkeit verhindert die Ausweitung des Raumes.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Fazit l\u00e4sst sich dies mehr oder weniger auf die ganze CD anwenden; am wenigsten auf die Ecks\u00e4tze der bearbeiteten Hornsonate, mit der das Duo von allen eingespielten Werken am besten vertraut zu sein scheint.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, September 2020]<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musikproduktion Dabringhaus &amp; Grimm; MDG 903 2135-6; EAN: 76062321356 Das Duo FlautoPiano (Helen Dabringhaus, Fl\u00f6te, und Fil Liotis, Klavier) bietet einen \u00dcberblick \u00fcber das Schaffen des jungen Beethoven. 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