{"id":3981,"date":"2020-10-16T18:03:00","date_gmt":"2020-10-16T16:03:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=3981"},"modified":"2020-10-14T08:39:04","modified_gmt":"2020-10-14T06:39:04","slug":"mit-solidem-gewicht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/10\/16\/mit-solidem-gewicht\/","title":{"rendered":"Mit solidem Gewicht"},"content":{"rendered":"\n<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 303; EAN: 4 260052 383032<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/KlavierRomantik.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3982\" width=\"430\" height=\"430\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/KlavierRomantik.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/KlavierRomantik-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/KlavierRomantik-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 430px) 100vw, 430px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Die Pianistin Shorena Tsintsabadze stellt unterschiedliche Aspekte der Epoche vor, die wir als Romantik bezeichnen. Ihr Programm beginnt mit den gro\u00df angelegten Symphonischen Et\u00fcden op. 13 in Variationsform von Robert Schumann, wandert dann zum Sp\u00e4twerk von Johannes Brahms mit dessen Drei Intermezzi op. 117 und endet schlie\u00dflich mit der Grande Polonaise Brillante op. 22 von Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin, welcher der Komponist ein sph\u00e4risches Andante Spianato vorangestellt hat.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die in Russland geborene und nun in Georgien wirkende Pianistin hat es sich zur Aufgabe gemacht, dem Heimatland ihrer Familie einen kulturellen Wandel zu erm\u00f6glichen und den dort zahlreich vorhandenen musikalischen Talenten die Chance zur Entfaltung zu geben. Vor zw\u00f6lf Jahren nahm sie f\u00fcr Naxos die Klavierkonzerte von Sergey Lyapunov auf, nun widmet sie sich auf ihrer ersten offiziellen Solo-CD der Romantik an sich, die sie durch drei leitfigurenartige Komponisten vorstellt. Schumann stellt den progressiven Teil der CD dar mit seinen Symphonischen Et\u00fcden op. 13, die nicht nur das klassische Formmodell der Variation vollkommen neuartig darstellen, sondern auch klanglich experimentieren: Er will den Klang des Symphonieorchesters auf das Tasteninstrument bannen, nutzt dazu nie zuvor erklungene Techniken. Die Drei Intermezzi von Brahms zeichnen sich durch vollst\u00e4ndige Entschlackung aus \u2013 sie kehren zur\u00fcck zu den klassischen Idealen, die keine \u00fcbersch\u00fcssige Note erlauben und wenden sich somit ab vom \u00dcberschwang der Romantik. Chopin verfeinert den Klang auf ganz andere Weise, n\u00e4mlich hin zur Schwerelosigkeit, was ihm durch allm\u00e4hliche Aufl\u00f6sung der Form gelingt sowie durch schwebende, endlose Melodien und Begleitfiguren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Klavierspiel von Shorena Tsintsabadze zeichnet sich durch Bodenst\u00e4ndigkeit aus, der Anschlag weist solides Gewicht und Durchdringlichkeit auf. Gerade Brahms gewinnt durch die emotionale Distanz und auch Schumanns Et\u00fcden verleiht das Spiel so Nachdruck. Technisch hervorzuheben sei besonders die minuti\u00f6s durchdachte Pedalisierung, was vor allem im Finale der Symphonischen Et\u00fcden plastische Weite hervorbringt. Dagegen fehlt es oft an Sinnlichkeit und Feingef\u00fchl, was bei Schumann nur stellenweise bemerkbar wird, bei Chopin aber die gesamte Aura des St\u00fccks beeinflusst. Im Andante Spianato fehlt es an Ruhe, die langen Sechzehntelpassagen der rechten Hand verlieren sich in Gleichg\u00fcltigkeit und den semplice-Teil nimmt Shorena Tsintsabadze zu schwer; die urspr\u00fcnglich f\u00fcr Orchester gedachten Passagen, vor allem im \u00dcbergang zwischen den Teilen, entwickeln keinen symphonischen Klang, und allgemein wird die Technik in der Grande Polonaise Brillante zum Selbstzweck degradiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Oktober 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 303; EAN: 4 260052 383032 Die Pianistin Shorena Tsintsabadze stellt unterschiedliche Aspekte der Epoche vor, die wir als Romantik bezeichnen. 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