{"id":4015,"date":"2020-10-20T03:18:00","date_gmt":"2020-10-20T01:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=4015"},"modified":"2020-10-17T03:33:22","modified_gmt":"2020-10-17T01:33:22","slug":"kunstvolle-schlichtheit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/10\/20\/kunstvolle-schlichtheit\/","title":{"rendered":"Kunstvolle Schlichtheit"},"content":{"rendered":"\n<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 577, EAN: 4260052385579<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Praxedis.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4016\" width=\"417\" height=\"417\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Praxedis.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Praxedis-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Praxedis-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 417px) 100vw, 417px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Das Duo Praxedis gratuliert Carl R\u00fctti mit einer rundum gelungenen Aufnahme seiner St\u00fccke f\u00fcr Harfe und Klavier zum 70. Geburtstag.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Harfe und Klavier sind Saiteninstrumente, einander so \u00e4hnlich im Grundbau ihres Klangk\u00f6rpers, und gleichzeitig so verschieden in der Art, wie sie zum Klingen gebracht werden. Das in der Schweiz beheimatete Duo Praxedis \u2013 die Harfenistin Praxedis Hug-R\u00fctti und die Pianistin Praxedis Genevi\u00e8ve Hug, Mutter und Tochter, \u2013 hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kompositionen zu Geh\u00f6r zu bringen, die f\u00fcr diese reizvolle Kombination geschrieben wurden. Dabei haben die beiden Musikerinnen nicht nur zahlreichen St\u00fccken vergangener Zeiten wieder zu klingender Existenz verholfen, sondern auch durch Zusammenarbeit mit zeitgen\u00f6ssischen Komponisten bedeutend zur Erweiterung des Repertoires f\u00fcr Harfe und Klavier beigetragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vorliegende CD stellt eine Hommage an einen Komponisten dar, dem sich das Duo nicht nur k\u00fcnstlerisch eng verbunden f\u00fchlt, denn Carl R\u00fctti ist der Bruder der Harfenistin und somit Onkel der Pianistin. Seiner Schwester und Nichte hat er bislang Kompositionen zugedacht, die von Solo- und Duo-St\u00fccken bis hin zu einem Doppelkonzert mit Orchester reichen. Der 70. Geburtstag R\u00fcttis im Jahr 2019 bot schlie\u00dflich den \u00e4u\u00dferen Anlass, auf CD einen \u00dcberblick \u00fcber sein Kammermusikschaffen f\u00fcr Harfe und Klavier zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00fctti ist vor allem durch seine geistlichen Chorwerke bekannt geworden, die sich au\u00dferhalb der Schweiz namentlich in England gro\u00dfer Beliebtheit erfreuen, einem Lande, dem er im Bezug auf seine k\u00fcnstlerische Entwicklung viel verdankt. In Chris Waltons Begleittext, der eine einf\u00fchlsame Einf\u00fchrung in R\u00fcttis Personalstil bietet, ist zu lesen, dass die fr\u00fchen kompositorischen Versuche des zun\u00e4chst vorrangig als Organist wirkenden Musikers \u201evon einem ber\u00fchmten Professor\u201c zur\u00fcckgewiesen wurden, da \u201edie Geschichte mit der Tonalit\u00e4t abgeschlossen\u201c h\u00e4tte. Ein Studienaufenthalt in London, durch den er in Kontakt mit dem englischen Chorgesangswesen kam, best\u00e4tigte ihn in seiner \u00dcberzeugung, dass dem nicht so sei. Seit dieser Zeit komponiert R\u00fctti regelm\u00e4\u00dfig. Geistliche Vokalmusik steht dabei im Zentrum seiner Aufmerksamkeit, wenngleich sein Werkverzeichnis auch zahlreiche Instrumentalkompositionen umfasst. Dies wird gerade anhand der hier eingespielten Werke deutlich: <em>Das Harfenb\u00fcchlein<\/em> (hier spielt Praxedis Hug-R\u00fctti allein) besteht ausschlie\u00dflich aus Bearbeitungen eigener Vokalwerke; zum Teil handelt es sich um Ausz\u00fcge aus R\u00fcttis Oratorien. F\u00fcr Harfe und Klavier gesetzt, finden sich zwei St\u00fccke des <em>Harfenb\u00fcchleins<\/em> in den <em>Drei Weihnachtsliedern f\u00fcr das ganze Jahr<\/em> wieder. Von den drei einzeln stehenden Duo-Kompositionen <em>Die Insel<\/em>, <em>Nachts<\/em> und <em>Winterlandschaft<\/em> sind die zwei letzteren nicht aus Liedern oder Chors\u00e4tzen entstanden, sondern impressionistische Miniatur-Tondichtungen, doch verdankt auch die <em>Nacht<\/em> ihre Entstehung der Inspiration durch ein Gedicht. Die <em>Winterlandschaft<\/em> wurde von einem Gem\u00e4lde angeregt und ist damit, abgesehen von der die CD er\u00f6ffnenden <em>Pastorale<\/em>, das einzige St\u00fcck des Programms, dem kein Text zugrunde liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00fctti komponiert melodiebetont und hat offensichtlich ein Talent zum Erfinden von sanften, leicht beschwingten und doch feierlichen Melodien, die ideal geeignet sind, weihnachtliche Stimmung zu verbreiten. Sie \u00fcberzeugen durch kunstvolle Kunstlosigkeit, in der jeder Ton seinen festen Platz im Verlauf der melodischen Linie hat, und sind mitunter so eing\u00e4ngig, dass man sich nicht zu wundern br\u00e4uchte, w\u00fcrde man die eine oder andere davon dereinst einmal als Volkslied wiederfinden (vor allem <em>Winter im Fr\u00fchling<\/em>, <em>Die Insel<\/em>, <em>Die Erde singt<\/em>). Dass R\u00fctti keine Scheu davor hat, popul\u00e4r zu schreiben, zeigt sich auch an manchen rhythmischen Mustern, die an Tanzmusik des 20.\u00a0Jahrhunderts gemahnen (etwa im raschen Teil der <em>Pastorale<\/em>). Mit abwechslungsreicher Harmonisierung verhindert er gl\u00fccklich ein Abgleiten in triviale Wirkungen. H\u00e4ufig bleibt R\u00fctti dabei im Rahmen des modal Gegebenen, doch auch wenn er dar\u00fcber hinaus geht und zu dissonanten Harmonie\u00fcberlagerungen greift, wirkt es nie, als w\u00fcrde der Melodie Gewalt angetan. Die harmonischen Farbtupfer verfremden nicht, sondern entfalten sich ungezwungen aus der Melodie heraus. Exotisches, Altert\u00fcmelndes und Zeitgen\u00f6ssisches k\u00f6nnen problemlos ineinander \u00fcbergehen. Das Verbindende zwischen den Idiomen ist es, das R\u00fctti interessiert. Der Wirkung der St\u00fccke, sowohl der Harfensoli wie der Duos, kommt das h\u00f6chst reizvolle Klanggewand zu Gute, das der Komponist ihnen angemessen hat. In den Duos klingt es zuweilen, als w\u00fcrde der Organist R\u00fctti beide Instrumente als ein gro\u00dfes betrachten, an dem er nach Herzenslust die Register zieht. Bei allen Vorz\u00fcgen, die die St\u00fccke auszeichnen: Man tut besser daran, sie einzeln oder in kleinen Gruppen zu h\u00f6ren, denn die Tempo- und Bewegungskontraste zwischen ihnen sind insgesamt nicht gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Duo Praxedis \u00fcberzeugt bei der Umsetzung der Einf\u00e4lle des Komponisten in jeder Hinsicht und l\u00e4sst keine W\u00fcnsche offen. Man merkt, dass beide mit dieser Musik aufs innigste vertraut sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Produktion ist dem Anlass ihres Erscheinens angemessen ausgestattet: Neben dem Einf\u00fchrungstext und den Biographien von Komponist und Interpretinnen enth\u00e4lt das Beiheft s\u00e4mtliche Gedichte, die R\u00fctti in den vokalen Urfassungen der St\u00fccke vertont hat bzw. die ihn zur Komposition angeregt haben. Auch das Bild <em>Winterlandschaft<\/em> fehlt nicht. Am Schluss finden sich noch zwei Gl\u00fcckwunschgedichte von Beatrice van Dongen-R\u00fctti, einer weiteren Schwester des Komponisten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, Oktober 2020]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 577, EAN: 4260052385579 Das Duo Praxedis gratuliert Carl R\u00fctti mit einer rundum gelungenen Aufnahme seiner St\u00fccke f\u00fcr Harfe und Klavier zum 70. Geburtstag. 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