{"id":413,"date":"2016-01-11T12:33:50","date_gmt":"2016-01-11T11:33:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=413"},"modified":"2016-01-11T12:33:50","modified_gmt":"2016-01-11T11:33:50","slug":"an-den-rand-gedraengte-buehnenwerke","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/01\/11\/an-den-rand-gedraengte-buehnenwerke\/","title":{"rendered":"An den Rand gedr\u00e4ngte B\u00fchnenwerke"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">NAXOS 8.573341; EAN: 7 47313 33417 9<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/0022.jpg\" rel=\"attachment wp-att-414\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-414\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/0022-300x253.jpg\" alt=\"0022\" width=\"300\" height=\"253\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/0022-300x253.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/0022-768x648.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/0022-1024x864.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nachdem bereits eine beachtliche Anzahl der Orchestermusik aus B\u00fchnenwerken von Jean Sibelius in dieser Reihe erschienen ist, gilt nun die neueste Aufnahme von Leif Segerstam und dem Turku Philharmonic Orchestra Svanevit (Schwanenwei\u00df) und \u00d6dlan (Die Eidechse) sowie den beiden kurzen Melodramen Ett ensamt skisp\u00e5r (Eine einsame Skispur) und Grevinnans konterfej (Das Portrait der Gr\u00e4fin).<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Gegen\u00fcber den bekannten sieben gro\u00dfen Symphonien, der fr\u00fchen Kullervo-Symphonie, den Lemmink\u00e4inen-Legenden, einer stattlichen Anzahl symphonischer Dichtungen, der Karelia-Musik, der Valse triste und dem omnipr\u00e4senten Violinkonzert des \u00fcberragenden finnischen Komponisten Jean Sibelius sind unz\u00e4hlige weitere Werke f\u00fcr Orchester unbekannt geblieben. Unter ihnen auch die B\u00fchnenmusiken, von denen &#8211; mit Ausnahme von Pell\u00e9as et M\u00e9lisande und besagter Valse triste aus Kuolema &#8211; keines hierzulande regelm\u00e4\u00dfig aufgef\u00fchrt wird. Der finnische Dirigent, Komponist, Violinist und Pianist Leif Segerstam will dies nun mit einem gro\u00df angelegten Projekt f\u00fcr NAXOS \u00e4ndern und hat bereits viele der selten gespielten St\u00fccke mit neuesten Aufnahmestandards auf CD festgehalten. Nach unter anderem Kuolema, K\u00f6nig Kristian II, Pell\u00e9as et M\u00e9lisande, Belsazars Gastmahl und Jedermann folgen nun Svanevit und \u00d6dlan. Ersteres, Schwanenwei\u00df, ist ein m\u00e4rchenhaftes, dem Symbolismus verschriebenes Schauspiel des wohl eigent\u00fcmlichsten Autors der schwedischen Literaturgeschichte, August Strindberg, in welchem eine junge Prinzessin sich statt in den K\u00f6nig, dem sie versprochen ist, in den als Boten gesandten Prinzen verliebt. Sibelius erhielt als junger Mann den Auftrag, zur Premiere eine B\u00fchnenmusik zu schreiben, welche zusammen mit dem Schauspiel zur Urauff\u00fchrung kam. Mikael Lybeck war der Verfasser des Schauspiels \u00d6dlan, die Eidechse, in welchem ein Graf zwischen dem Guten in Person seiner Verlobten und dem B\u00f6sen in Form eines inneren Widersachers im Eidechsenanzug zu k\u00e4mpfen hat, wobei alles recht unwirklich und traumhaft erscheint. Sibelius\u2019 Musik zu den beiden literarischen Vorw\u00fcrfen erscheint sehr divergierend: F\u00fcr Svanevit schreibt er dreizehn kurze und eing\u00e4ngig-zarte Nummern sowie einen kurzen Hornruf und einen zweimalig erscheinenden an- und abschwellenden Akkord, der den Schwanenflug abbilden soll. \u00d6dlan ist im Gegensatz dazu eine ziemlich d\u00fcstere Musik, die in zwei ungleich lange Szenen unterteilt ist und suggestiv auf das B\u00fchnengeschehen Bezug nimmt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der CD ist ein englischsprachiger Booklettext von Dominic Wells beigegeben, der einige wissenswerten Informationen \u00fcber die beiden Schauspielmusiken mitteilt, dem ich allerdings inhaltlich in einigen Punkten nicht zustimmen w\u00fcrde und der auch erstaunlich nahe an die Strukturierung und Wortwahl der offiziellen Texte auf Sibelius.fi angelehnt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Turku Philharmonic Orchestra unter Leif Segerstam hat bei Sibelius einen nat\u00fcrlichen Heimvorteil und sp\u00fcrbar viel Erfahrung mit der Musik seines gro\u00dfen Landsmannes. Oft l\u00e4sst sich ein ganz eigener Klang feststellen, der einmalig die Gef\u00fchlslage dieser St\u00fccke widerspiegelt und von kaum einem anderen Orchester so nat\u00fcrlich und unverf\u00e4lscht zu erwarten w\u00e4re. Der Klangk\u00f6rper weist einen vollen und robusten Ton auf, der mit Einheitlichkeit und Zusammengeh\u00f6rigkeit aufwarten kann. Es entsteht auf diese Art ein gewisses Gef\u00fchl von W\u00e4rme. Dynamisch hingegen wirkt bedauerlicherweise alles viel zu fl\u00e4chig gleich und streckenweise gar abwechslungslos und langwierig. Auf feine melodische und harmonische Ver\u00e4nderungen wird schlicht nicht eingegangen, wodurch der technische dem musikalischen Aspekt gegen\u00fcber gewichtiger bleibt. Im Allgemeinen \u00fcberwiegt ein kr\u00e4ftiger und pathetischer Ton, der das Sangliche und Lyrische verdr\u00e4ngt &#8211; wie es vor allem im zarten, m\u00e4rchenhaften Svanevit deutlich wird. Und dies trotz durchg\u00e4ngig kleiner Besetzung in den Werken, in \u00d6dlan (welches urspr\u00fcnglich f\u00fcr nur neun Musiker geschrieben ist) und Grevinnans konterfej gar mit reiner Streicheraufstellung. Grund f\u00fcr all das ist wohl, dass Segerstam doch nach wie vor haupts\u00e4chlich auf Opulenz aus ist, und auf Quantit\u00e4t, wie sowohl im Komponieren von mittlerweile \u00fcber 250 Symphonien als auch in Bezug auf die Anzahl seiner Einspielungen deutlich wird, durch die sein Name fast monatlich in den Neuheiten erscheint. Da bleibt selbstverst\u00e4ndlich wenig Zeit, die Musik auch musikalisch minuti\u00f6s mit einem Orchester einzustudieren, und so w\u00e4hrt hohles Pathos mit Fixierung auf die Hauptstimme als Ausweg fort statt sorgf\u00e4ltiger Ausarbeitung der Unter- und Nebenstimmen sowie dynamischer und artikulatorischer Nuancen &#8211; die jedoch an sich erst das wahre musikalische Denken offenbaren w\u00fcrden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Anschluss an die beiden Schauspielmusiken folgen noch zwei Miniatur-Melodramen: Ett ensamt skisp\u00e5r, Eine einsame Skispur, und Grevinnans konterfej, Das Portrait der Gr\u00e4fin. Diese schwedischsprachigen Stimmungsbilder mit nur dezenter Dramatik in der feingliedrigen Musik sind f\u00fcr mich pers\u00f6nlich der H\u00f6hepunkt dieser CD. Sie sind von solch einer herrlichen, edlen Zur\u00fcckhaltung gepr\u00e4gt und wirken doch so unmittelbar und frei, in gr\u00f6\u00dfter Naturbelassenheit und Ausdruckskraft! Riho Eklundh erweist sich hierbei als ein gelassener Erz\u00e4hler, der sich nicht zu \u00fcberm\u00e4\u00dfig identifiziertem oder \u00fcbertrieben akzentuierendem Erz\u00e4hlstil hinrei\u00dfen l\u00e4sst, dem aber diese Texte doch offenkundig aus der Seele sprechen. Tontechnisch ist er zwar ein klein bisschen zu pr\u00e4sent abgebildet vor dem hier erfreulicherweise ungewohnt lyrisch agierenden Instrumentalk\u00f6rper, wobei dennoch die Orchesterstimmen gut durchh\u00f6rbar bleiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Januar 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NAXOS 8.573341; EAN: 7 47313 33417 9 Nachdem bereits eine beachtliche Anzahl der Orchestermusik aus B\u00fchnenwerken von Jean Sibelius in dieser Reihe erschienen ist, gilt nun die neueste Aufnahme von Leif Segerstam und dem Turku Philharmonic Orchestra Svanevit (Schwanenwei\u00df) und \u00d6dlan (Die Eidechse) sowie den beiden kurzen Melodramen Ett ensamt skisp\u00e5r (Eine einsame Skispur) und &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/01\/11\/an-den-rand-gedraengte-buehnenwerke\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">An den Rand gedr\u00e4ngte B\u00fchnenwerke<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[389,238,216,390,200,391,215],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/413"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=413"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/413\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4935,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/413\/revisions\/4935"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=413"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=413"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=413"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}