{"id":4165,"date":"2021-01-28T02:39:04","date_gmt":"2021-01-28T01:39:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=4165"},"modified":"2023-01-20T11:42:28","modified_gmt":"2023-01-20T10:42:28","slug":"barockes-von-richard-strauss-ohne-cinemascope-jun-maerkl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2021\/01\/28\/barockes-von-richard-strauss-ohne-cinemascope-jun-maerkl\/","title":{"rendered":"Barockes von Richard Strauss ohne Cinemascope"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos 8.574217; EAN: 7 4731342177 0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Strauss_Maerkl_Naxos.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Strauss_Maerkl_Naxos-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4166\" width=\"456\" height=\"456\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Strauss_Maerkl_Naxos-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Strauss_Maerkl_Naxos-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Strauss_Maerkl_Naxos-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Strauss_Maerkl_Naxos-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Strauss_Maerkl_Naxos.jpg 1414w\" sizes=\"(max-width: 456px) 100vw, 456px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Vom franz\u00f6sischen Barockmeister Fran\u00e7ois Couperin hat Richard Strauss aus der umfangreichen, vielschichtigen Sammlung \u201ePi\u00e8ces de Clavecin\u201c f\u00fcr Ballettauff\u00fchrungen zweimal eine Reihe von St\u00fccken f\u00fcr Orchester gesetzt: 1923 als Tanzsuite (TrV 245), und dann nochmals 1940-41 als \u201eDivertimento\u201c op. 86. Selten zusammen auf einer CD zu h\u00f6ren, hat sich nun Jun M\u00e4rkl mit dem New Zealand Symphony Orchestra dieser unterhaltsamen Preziosen angenommen (Naxos).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der hohe Rang von Richard Strauss\u2018 Orchestrierungskunst in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts steht au\u00dfer Zweifel und ist sicher ein Hauptgrund f\u00fcr die nach wie vor ungeheure Popularit\u00e4t sowohl seiner sinfonischen Dichtungen wie auch etlicher seiner Opern. Relativ selten hat Strauss Werke anderer Komponisten bearbeitet (etwa Mozarts <em>Idomeneo<\/em>). Zweimal griff er dabei auf den immens vielschichtigen Fundus der immer relativ kurzen, aber geistreichen <em>Pi\u00e8ces de Clavecin<\/em> von Fran\u00e7ois Couperin (1668-1733) zur\u00fcck: 1923 mit der <em>Tanzsuite, TrV 245<\/em>, die er f\u00fcr eine Ballett-Soir\u00e9e des Wiener Staatsopernballetts zusammenf\u00fcgte und sp\u00e4ter (1940\/41) noch einmal f\u00fcr den M\u00fcnchner Ballettabend <em>Verklungene Feste <\/em>um sechs zus\u00e4tzliche, mehrteilige St\u00fccke erg\u00e4nzte. Die neuen Bearbeitungen wurden dann nebst zwei weiteren als selbst\u00e4ndiges <em>Divertimento <\/em>op. 86 ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei genauerer Betrachtung unterscheiden sich die Werke aber recht deutlich: Zwar sind beide Zyklen gleicherma\u00dfen f\u00fcr kleines Orchester gesetzt, und auch schon in der Tanzsuite finden sich nat\u00fcrlich bereits Instrumente, die es im Barock noch gar nicht gab (Klarinetten, Celesta, Englischhorn, moderne Harfe, Teile des Schlagzeugs\u2026). Trotzdem gelingt es Strauss, in der Tanzsuite eine recht realistische Stil-Imagination von Barockmusik herzustellen, was der aus M\u00fcnchen stammende Jun M\u00e4rkl \u2013 momentan in Malaysia und Taiwan vielbesch\u00e4ftigt \u2013 mit dem Nationalen Symphonieorchester Neuseelands klanglich noch unterstreicht, etwa durch streckenweises <em>non vibrato. <\/em>Die typischen S\u00e4tze einer Barocksuite (Allemande, Courante, Sarabande\u2026) erscheinen zwar in ver\u00e4nderter Reihenfolge und werden um Unerwartetes \u2013 vor allem das phantastische <em>Carillon <\/em>mit Glockenspiel, Harfe, Celesta und Cembalo \u2013 bereichert, aber insgesamt bleibt der Orchestersatz durchsichtig und eher intim, nur an wenigen Stellen wird die Harmonik leicht aufgepeppt. Das klingt alles sehr h\u00fcbsch und unterhaltsam \u2013 Strauss\u2018 Konzept wird von den sehr pr\u00e4zise aufspielenden Neuseel\u00e4ndern konsequent und mit gro\u00dfem Schwung umgesetzt. M\u00e4rkl nimmt eher frische Tempi und h\u00e4lt sich mit der Dynamik zur\u00fcck, behandelt gerade das Blech wie Generalbass- bzw. Colla-Parte-Instrumente. Das wirkt jedenfalls noch stimmiger als etwa in der Aufnahme der Bamberger Symphoniker unter Karl Anton Rickenbacher. An die virtuose Shownummer von Rudolf Kempe mit der Dresdner Staatskapelle kommt M\u00e4rkl nicht ganz heran; die klingt aber auch bewusst schon <em>nur <\/em>nach Strauss.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ebenfalls achts\u00e4tzige <em>Divertimento<\/em>, wobei pro Satz bis zu f\u00fcnf der unverkennbar programmatischen Charakterst\u00fccke Couperins verwurstet werden, versucht erst gar nicht, die barocke Suite zu imitieren. Hier schl\u00e4gt Strauss als Instrumentator lustvoll zu, paraphrasiert, ironisiert und verfremdet \u2013 nur mittels Klangfarben! \u2013 nach Herzenslust. Das erinnert dann einerseits mehr an historisierende Werke der Romantik wie Griegs <em>Holberg-Suite<\/em> oder Regers <em>Suite im alten Stil<\/em> op. 93 und n\u00e4hert sich gef\u00e4hrlich dem Cinemascope-Sound. Den Witz der 25 Jahre \u00e4lteren <em>Symphonie classique <\/em>von Prokofjew hat das andererseits halt auch nicht. So gesehen ist das Divertimento ein gar nicht so leichter Balanceakt: Jun M\u00e4rkl gelingt er dadurch, dass er wie in der Tanzsuite vor allem auf Durchsichtigkeit setzt. Diese fehlt dem dirigentenlosen Orpheus Chamber Orchestra komplett: ein dicker, z\u00e4her Brei! Dennoch ginge das alles noch eine Spur federnder, elastischer und \u2013 was den Schluss betrifft \u2013 verr\u00fcckter, wie Gerard Schwarz mit der New York Chamber Symphony bewiesen hat; M\u00e4rkl ist aber schon sehr nahe dran.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufnahmetechnisch schl\u00e4gt die Naxos-Einspielung daf\u00fcr die gesamte Konkurrenz: das Klangbild und die R\u00e4umlichkeit sind nahezu perfekt, die Balance angenehm. Und \u2013 verglichen mit der total verungl\u00fcckten CD des \u00f6sterreichischen Tonk\u00fcnstler-Orchesters (<em>Der B\u00fcrger als Edelmann<\/em>, wo Strauss Lully verarbeitet) \u2013 bewegt sich Jun M\u00e4rkl wieder auf gewohnt hohem Niveau. Wer beide Werke noch nicht hat, dem darf man das Orchester aus Wellington damit durchaus empfehlen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vergleichsaufnahmen:<\/strong> [Tanzsuite] Karl Anton Rickenbacher, Bamberger Symphoniker (Koch\/Schwann 3-6535-2, 1998); Rudolf Kempe, Staatskapelle Dresden (EMI 5 73614 2, 1973) \u2013 [Divertimento] Orpheus Chamber Orchestra (DG 435 871-2, 1991); Gerard Schwarz, New York Chamber Symphony (Nonesuch 7559-79424-2, 1986)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, Januar 2021]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos 8.574217; EAN: 7 4731342177 0 Vom franz\u00f6sischen Barockmeister Fran\u00e7ois Couperin hat Richard Strauss aus der umfangreichen, vielschichtigen Sammlung \u201ePi\u00e8ces de Clavecin\u201c f\u00fcr Ballettauff\u00fchrungen zweimal eine Reihe von St\u00fccken f\u00fcr Orchester gesetzt: 1923 als Tanzsuite (TrV 245), und dann nochmals 1940-41 als \u201eDivertimento\u201c op. 86. 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