{"id":419,"date":"2016-01-14T15:00:06","date_gmt":"2016-01-14T14:00:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=419"},"modified":"2016-01-21T23:08:56","modified_gmt":"2016-01-21T22:08:56","slug":"cellovirtuose-und-autodidakt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/01\/14\/cellovirtuose-und-autodidakt\/","title":{"rendered":"Cellovirtuose und Autodidakt"},"content":{"rendered":"<p>Hyperion CDA68063, EAN: 0 34571 28063 9<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Fitzenhagen_Cover.jpg\" rel=\"attachment wp-att-403\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-403\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Fitzenhagen_Cover-300x300.jpg\" alt=\"Fitzenhagen_Cover\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Fitzenhagen_Cover-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Fitzenhagen_Cover-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Fitzenhagen_Cover.jpg 356w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Im Rahmen der Reihe \u201eThe Romantic Cello Concerto\u201c, Vol. 7 pr\u00e4sentiert der Cellist Alban Gerhardt zusammen mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung Stefan Bluniers gewichtige Werke des Cellisten Wilhelm Fitzenhagen (1848 \u2013 1890), also neben seiner vielgespielten Bearbeitung von Tschaikowskys Rokokovariationen Op. 33 vor allem Eigenkompositionen: seine beiden Cellokonzerte, die Resignation Op. 8 sowie die Ballade Op. 10. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sowie man das erste Cellokonzert h\u00f6rt, ist keineswegs zu leugnen, dass Fitzenhagen ein Meister seines Instruments war und diesem auch eigene Erfindungen zuzueignen wusste. Der erste Satz seines 1870 entstandenen Konzerts op. 2, <em>Allegro moderato<\/em>, lebt von einer einfallsreich durchgesponnenen Sololinie des Cellos, bei der sich technische wie dramaturgische Raffinessen gut die Waage halten. Zu Fitzenhagen als Komponist schreibt Nigel Simeone im durchweg informativen Booklet, er habe \u201egr\u00f6\u00dfere (&#8230;) Ambitionen\u201c gehegt. In Bezug auf das Orchester hat sich der kompositorische Autodidakt dabei auf das N\u00f6tigste beschr\u00e4nkt, da er ihm, trotz einiger Momente orchestraler Eigenst\u00e4ndigkeit, lediglich eine begleitende Rolle zuweist. Gleiches gilt f\u00fcr das <em>Andante<\/em>, einer lyrische Kantilene. Im abschlie\u00dfenden <em>Allegro (quasi moderato) <\/em>ist das Wechselspiel zwischen Solist und Orchester balancierter entwickelt, obgleich Fitzenhagen niemals den konzertanten Grundgedanken seines Konzertes hintenanstellt. Gr\u00f6\u00dfere symphonische Dimensionen, wie etwa bei Dvo\u0159\u00e1k, sucht man hier nat\u00fcrlich vergebens.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nicht zu Unrecht schreibt Simeone, dass im darauffolgenden a-Moll-Konzert op. 4 ein Bezug zu Schumann besteht, und das Werk unterscheidet sich sowohl in Tonart als auch Agogik und Stimmung deutlich von seinem Vorg\u00e4nger. Jedenfalls setzt Fitzenhagen das Orchester wie einzelne Instrumente (wie nun auch die Harfe im Mittelsatz) gezielter ein, um der Musik mehr Tiefe und Dramatik zu verleihen. Seine Weiterentwicklung als Komponist merkt man auch an der F\u00fchrung der Cellostimme, deren Virtuosit\u00e4t nun weniger auf artistischen Effekten als Ausgestaltung der Ideen basiert. Auch der Mittelsatz, wieder ein <em>Andante<\/em>, beschr\u00e4nkt sich auf kein blo\u00dfes begleitetes Lied f\u00fcr Violoncello und Orchester, sondern enth\u00e4lt ebenfalls konzertante Momente sowie einen dramatischen Mittelteil. Originell im umfangreichen und durchaus komplexen Schlusssatz <em>Allegro moderato<\/em> ist der Dialog des Solisten mit dem ersten Cellisten des Orchesters, eine Praxis, die nun weit auf Konzerte des 20. Jahrhunderts vorausblickt. Auch die Kadenz ist strukturell mehr in die Thematik eingebunden als im fr\u00fcheren Geschwisterwerk, was zur Entstehungszeit dieses Konzerts allerdings keine Besonderheit mehr war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um hier nun auch die Ausf\u00fchrenden der CD zu erw\u00e4hnen: Als w\u00fcrdiger \u201ePartner\u201c des Solisten Alban Gerhardt erweist sich das Deutsche Symphonieorchester Berlin unter der kontrollierten Stabf\u00fchrung Stefan Bluniers. Auch wenn keine besonderen technischen Herausforderungen an den Klangk\u00f6rper bestehen, verstehen die Musiker es, stets die ideale Balance zwischen Begleitung und Eigenst\u00e4ndigkeit zu finden und insgesamt sauber spielen. Alban Gerhardt zeigt in seinem Spiel durchweg konsequenten Gestaltungswillen, untersch\u00e4tzt jedoch gelegentlich die horrenden Anforderungen seines Instrumentes, wodurch gerade besonders virtuose Passagen etwas unrein klingen und ein manchmal etwas h\u00f6lzerner Eindruck entsteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Tschaikowskys <em>Variationen \u00fcber ein Rokokothema Op. 33<\/em>, das Werk, mit dem Fitzenhagen \u00fcber die Zeiten hinweg pr\u00e4sent geblieben ist, gibt es nichts Neues zu sagen. Hier lohnt sich wieder das Studium des Booklets, wo Simeone sehr pr\u00e4zise die Ver\u00e4nderungen beschreibt, die der Bearbeiter am Werk Tschaikowskys vornahm, und welche Konsequenzen in Bezug auf die Originalgestalt sich daraus ergaben. Auch hier gilt: Gerhardt gibt sich M\u00fche, dem Werk Charakter zu verleihen, was in den Variationen meistens gelingt, jedoch im Finale eher auf der Strecke bleibt, denn zu et\u00fcdenhaft und gehetzt klingt sein Spiel hier.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sehr innovativ ist Fitzenhagens <em>Ballade<\/em> op. 10. Nicht nur die F\u00e4higkeit zur Instrumentierung hat hier ein neues Niveau erreicht. Die Tatsache, dass es sich hier um ein einzelnes Konzertst\u00fcck handelt, gibt dem Werk mehr Raum zur strukturellen Entfaltung. Dabei st\u00f6rt es nicht allzu sehr, dass Fitzenhagen oftmals auf blo\u00dfe Motivwiederholung setzt. Die beschlie\u00dfende <em>Resignation <\/em>op. 8, ein geistliches Lied ohne Worte, zeigt einmal mehr, wie ernsthaft dem Komponisten daran gelegen war, die Kenntnisse um sein Instrument mit k\u00fcnstlerischer Eigensch\u00f6pfung zu verkn\u00fcpfen. In der Tat handelt es sich weder um ein endlos d\u00fcster gestimmtes Tongem\u00e4lde noch um eine sentimentale Zugabe, sondern um ein formal geschlossenes Werk, welches Gerhardt und das Orchester mit gemessener Ernsthaftigkeit wiedergeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenfassend leistet die vorliegende Einspielung das unbestreitbare Verdienst, h\u00f6renswerte unbekannte Werke zu Tage zu f\u00f6rdern. Fitzenhagen selbst blieb dabei ein Musiker, der als Cellist ohne Zweifel gl\u00e4nzend war, als Komponist zwar durchaus gro\u00dfe Ideen und Arbeitswillen hatte, aber eine unverwechselbare k\u00fcnstlerische Stimme nicht finden konnte.<\/p>\n<p><strong>[Peter Fr\u00f6hlich, Januar 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hyperion CDA68063, EAN: 0 34571 28063 9 Im Rahmen der Reihe \u201eThe Romantic Cello Concerto\u201c, Vol. 7 pr\u00e4sentiert der Cellist Alban Gerhardt zusammen mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung Stefan Bluniers gewichtige Werke des Cellisten Wilhelm Fitzenhagen (1848 \u2013 1890), also neben seiner vielgespielten Bearbeitung von Tschaikowskys Rokokovariationen Op. 33 vor allem Eigenkompositionen: &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/01\/14\/cellovirtuose-und-autodidakt\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Cellovirtuose und Autodidakt<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[392,14,230,393,228],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/419"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=419"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/419\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":457,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/419\/revisions\/457"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=419"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=419"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=419"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}