{"id":4208,"date":"2021-02-12T21:59:00","date_gmt":"2021-02-12T20:59:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=4208"},"modified":"2021-02-10T22:00:02","modified_gmt":"2021-02-10T21:00:02","slug":"beethoven-zu-entdecken-anna-adamik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2021\/02\/12\/beethoven-zu-entdecken-anna-adamik\/","title":{"rendered":"Beethoven zu entdecken"},"content":{"rendered":"\n<p>Antes Edition, BM319316; EAN: 4 014513 038241<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Anna-Adamik-Beethoven.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Anna-Adamik-Beethoven.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4209\" width=\"470\" height=\"466\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Anna-Adamik-Beethoven.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Anna-Adamik-Beethoven-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Anna-Adamik-Beethoven-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 470px) 100vw, 470px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>F\u00fcr die Antes Edition spielt Anna Adamik Werke Ludwig van Beethovens ein. Auf dem Programm stehen die Sonaten Nr. 17 \u201eDer Sturm\u201c op. 31\/2 in d-Moll und Nr. 31 in As-Dur op. 110, die ber\u00fchmte Bagatelle \u201eF\u00fcr Elise\u201c a-Moll WoO 59 sowie ein selten zu h\u00f6render Schatz: Zw\u00f6lf Variationen A-Dur \u00fcber den russischen Tanz aus dem Ballett \u201eDas Waldm\u00e4dchen\u201c von Paul Wranitzky WoO 71.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Kurz nach dem Jahreswechsel des Beethoven-Jahrs gibt es doch noch eine neue begl\u00fcckende Beethoven-Aufnahme, gespielt von Anna Adamik. Sie gl\u00e4nzt in den ber\u00fchmten Sonaten, doch der H\u00f6hepunkt bleibt die Einspielung der Waldm\u00e4dchen-Variationen, ein g\u00e4nzlich unbekanntes, charmantes Werk von 1796, also kurz nach den ersten publizierten Opera geschrieben. Das schlichte Thema Paul Wranitzkys verarbeitet Beethoven auf ganz heitere, kecke Art, changiert erstaunlich oft zwischen Dur und Moll und zieht aus den subtilsten Details gr\u00f6\u00dften Reiz. Besonders liebevoll behandelt er den unauff\u00e4lligen Oktavsprung in der zweiten Themenh\u00e4lfte, der ihn zur Verwendung gr\u00f6\u00dferer Intervalle in mehreren Abwandlungen verleitet. Obgleich virtuos, protzen die Variationen nicht durch technische Zurschaustellung, bestechen daf\u00fcr durch Leichtigkeit, Beschwingtheit und Wechselhaftigkeit. Die einzelnen Variationen dauern je unter einer Minute, daf\u00fcr beschlie\u00dft Beethoven das Werk mit einer \u00fcberdimensionalen Coda, die wie eine Phantasie das Thema auf die Probe stellt, bis es zuletzt einen friedlich-vers\u00f6hnlichen Schluss findet.<\/p>\n\n\n\n<p>Den f\u00fcr Beethoven geradezu untypisch lockeren, genie\u00dferischen Schwung kostet Anna Adamik in ihrer Aufnahme aus, streichelt die Tasten f\u00f6rmlich in den Pianissimo-Passagen und verleiht den L\u00e4ufen bronzenen Glanz. Die Spr\u00fcnge in den Variationen I und X schloss die Pianistin besonders ins Herz und f\u00fcllt die gro\u00dfen Distanzen zwischen den T\u00f6nen musikalisch aus. Wie Kleinode beh\u00fctet Adamik jede Variation f\u00fcr sich und holt ein Maximum an Leichtigkeit und Aussagekraft aus ihnen heraus in Mozart\u2019sch verfeinerter Anschlagskultur.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sp\u00e4te As-Dur-Sonate nimmt Anna Adamik sanglich und gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig involviert, beh\u00e4lt dabei die Feinheit der fr\u00fcheren Werke. Im Adagio findet sie enormen Tiefgang und l\u00e4sst die Zeit stillstehen, die Fuge wei\u00df sie gerade hinsichtlich der kontrapunktischen Stimmf\u00fchrung zu bew\u00e4ltigen, ohne aus ihrem geistig-emotionellen Fokus geworfen zu werden. Was ihrer Darbietung noch gut tun w\u00fcrde, w\u00e4re in diesem Sp\u00e4twerk etwas Abgekl\u00e4rtheit, m\u00f6glicherweise sogar mit leichtem Hang zum Vergeistigten \u2013 denn noch wirkt die Sonate zu real und bodenst\u00e4ndig f\u00fcr ihren \u00fcbersinnlichen Gehalt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein stetiges Hin und Her, F\u00fcr und Wieder, Dr\u00e4ngen und Innehalten durchflutet Anna Adamiks Aufnahme der Sturm-Sonate in d-Moll. Wellenf\u00f6rmig gestaltet die Pianistin den Strom im Kopfsatz aus, w\u00e4gt die kontrahierenden Kr\u00e4fte nuanciert ab und liefert so einen von vorne bis hinten stimmigen Gesamteindruck. Im Mittelsatz h\u00e4lt sie vollkommen inne und l\u00e4sst jeden Klang f\u00fcr sich wirken, ohne dabei die Horizontale zu vernachl\u00e4ssigen: also steht die Sonate niemals still, w\u00e4hrend wir parallel jeden Akkord genie\u00dfen k\u00f6nnen. Im Finale fasziniert die wiederkehrende Leichtigkeit und besonders das Staccato, das wie ein Streicher-Pizzicato die notwendige K\u00fcrze und die nachhallende Schwingung der Saiten verbindet und so orchestralen Effekt auf das Klavier zaubert.<\/p>\n\n\n\n<p>So handelt es sich hier um eine vollkommen empfehlenswerte CD, die lediglich ein wenig hallig aufgenommen scheint, was allerdings nicht allzu sehr st\u00f6ren mag. Die Einspielungen \u00fcberzeugen durch ihre Unbeschwertheit und ihren menschlichen Zugang, zeigen die unpr\u00e4tenti\u00f6se und entgegenkommende Seite Beethovens auf und zeugen so von intensiver und unbefangener Besch\u00e4ftigung mit seiner Musik.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Februar 2021]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antes Edition, BM319316; EAN: 4 014513 038241 F\u00fcr die Antes Edition spielt Anna Adamik Werke Ludwig van Beethovens ein. 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