{"id":4224,"date":"2021-02-15T11:51:42","date_gmt":"2021-02-15T10:51:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=4224"},"modified":"2021-02-17T11:59:53","modified_gmt":"2021-02-17T10:59:53","slug":"farbenspektrum-der-minimalistik-ute-schleich-colors-of-minimal-music","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2021\/02\/15\/farbenspektrum-der-minimalistik-ute-schleich-colors-of-minimal-music\/","title":{"rendered":"Farbenspektrum der Minimalistik"},"content":{"rendered":"\n<p>conditura records, conrec012; EAN: 4 260401 710199 <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Colors-of-Minimal-Music.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Colors-of-Minimal-Music.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4225\" width=\"462\" height=\"462\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Colors-of-Minimal-Music.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Colors-of-Minimal-Music-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Colors-of-Minimal-Music-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 462px) 100vw, 462px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Unterst\u00fctzt von Luna Martina Pracht (Klangschalen), Annette Winker (Fagott) und Katharina Uzal (Violoncello) f\u00fchrt Ute Schleich (Blockfl\u00f6ten) auf diesem bei conditura records erschienenen Album die Vielfalt der Minimal Music wie des Blockfl\u00f6tenklangs vor Ohren. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eColors of Minimal Music\u201c pr\u00e4sentiert die Blockfl\u00f6tistin Ute Schleich auf ihrer gleichnamigen CD. Der Titel ist trefflich gew\u00e4hlt, l\u00e4sst er sich doch gleich auf mehrere Aspekte beziehen, die dem Programm und den Darbietungen ihr Gepr\u00e4ge geben. Zun\u00e4chst einmal zeugt die Auswahl der Kompositionen von Ute Schleichs profunder Kennerschaft des Spezialgebiets Minimal Music. Es finden hier St\u00fccke von insgesamt sieben zeitgen\u00f6ssischen Komponisten verschiedenen Alters zusammen. Zwar sind alle Werke mehr oder weniger von der Idee des reduzierten Tonsatzes und der repetitiven Melodik bestimmt, unterscheiden sich in ihrer jeweiligen individuellen Gestalt jedoch voneinander ziemlich stark. Dieses Programm l\u00e4dt dazu ein, die Kompositionen vergleichend zu h\u00f6ren, \u00fcber Gemeinsamkeiten und Unterschiede nachzudenken. Ein breites Farbspektrum zeigt sich auch in den Besetzungen, die auf der CD zu h\u00f6ren sind. Die zahlreichen k\u00fcrzeren St\u00fccke sind Soli f\u00fcr Blockfl\u00f6te, die drei l\u00e4ngeren hingegen Duos, die die Blockfl\u00f6te jeweils mit einem anderen Instrument zusammenbringen: Violoncello, Fagott und Klangschalen. Nicht zuletzt sorgt Ute Schleich mit den von ihr verwendeten Instrumenten f\u00fcr klangfarbliche Abwechslung: So erklingen in den 65 Minuten des vorliegenden Albums nicht weniger als neun verschiedene Blockfl\u00f6ten (1 Sopran, 5 Alt, 2 Tenor, 1 Bass). <\/p>\n\n\n\n<p>Unter den Solowerken erscheinen die beiden St\u00fccke <em>Hin- und Her <\/em>und <em>Signale <\/em>aus Frans Geysens Sammlung <em>City of Smile <\/em>(2001) am strengsten minimalistisch gestaltet. Sie basieren beide auf einfachsten diatonischen, regelm\u00e4\u00dfig getakteten Motiven, die st\u00e4ndig wiederholt und dabei nach und nach von Verzierungen umrankt werden \u2013 was einige reizvolle dialogische Effekte einschlie\u00dft, die sich zwischen hohen und tiefen Lagen ergeben. Bei <em>Hin- und Her <\/em>verschiebt sich im Laufe dieses Prozesses auch der metrische Schwerpunkt. Philip Glass, einer der Gr\u00fcnderv\u00e4ter der Minimal Music, ist mit der <em>Arabesque in Memoriam <\/em>(1988) vertreten, einem kaprizi\u00f6sen St\u00fcck, das mit Ausweichungen in Nebenharmonien arbeitet, die die Grundtonalit\u00e4t unterschiedlich beleuchten. W\u00e4hrend man hier aus den raschen Figurationen einen akkordischen Satz heraush\u00f6rt, beginnt das<em> Yamamoto Perpetuo <\/em>Nr. 1 von Michael Nyman mit einer langen Monodie. Es geht \u00fcber in einen Tanz, der im <em>Yamamoto Perpetuo <\/em>Nr. 3 wieder aufgegriffen wird. Beide 1993 entstandene St\u00fccke hat Ute Schleich aus der ersten Violinstimme des Vierten Streichquartetts von Nyman f\u00fcr die Blockfl\u00f6te gewonnen. Nyman und Glass sind Widmungstr\u00e4ger der beiden hier zu h\u00f6renden <em>Minimal-Preludes <\/em>von Karel van Steenhoven (2010). Wer dem schlicht <em>Glass <\/em>betitelten St\u00fcck Vorbild gewesen ist, l\u00e4sst sich anhand einer Gegen\u00fcberstellung mit Glass&#8216; <em>Arabesque <\/em>leicht feststellen. Den Bezug unterstreicht Ute Schleich \u00fcbrigens dadurch, dass sie zum Vortrag dieser beiden Werke Altblockfl\u00f6ten mit einer Stimmung von a=415 hz verwendet, f\u00fcr die \u00fcbrigen jedoch Instrumente, die auf a=440 hz gestimmt sind. Das Nyman gewidmete <em>Just a Song <\/em>zeigt sich in der Verarbeitung seines Hauptgedankens durch geschickte Andeutung mehrerer Stimmen barocker Sololiteratur verwandt. <\/p>\n\n\n\n<p>Ute Schleich stellt in all diesen St\u00fccken im wahrsten Sinne des Worten unter Beweis, \u00fcber welch langen Atem sie verf\u00fcgt. Man h\u00f6rt hier nicht blo\u00dfe Abfolgen kurzer Motive in variierten und nicht variierten Wiederholungen, sondern Melodien, die sich auf minimalistische Weise entfalten. Schleichs Gesp\u00fcr f\u00fcr melodischen Zusammenhang, melodische Entwicklung erf\u00fcllt jede dieser Miniaturen mit Leben. <\/p>\n\n\n\n<p>Dies kommt auch den drei Duos zugute, die s\u00e4mtlich Ute Schleich die Anregung zu ihrer Entstehung verdanken. Klanglich von besonderem Reiz sind dabei Ulli G\u00f6ttes <em>images <\/em>(2012) f\u00fcr die h\u00f6chst seltene, wenn nicht einmalige, Besetzung Blockfl\u00f6te und Klangschalen. In den beiden \u00e4u\u00dferen Abschnitten spielt die Fl\u00f6tistin eine Tenorblockfl\u00f6te, wohingegen die beiden Mittels\u00e4tze eine Bass- bzw. Altblockfl\u00f6te verlangen. Auch kommen im Verlauf des St\u00fcckes verschiedene Klangschalen zum Einsatz. Wie Luna Martina Pracht es versteht, die Tonerzeugung auf diesen Instrumenten stets spannungsvoll zu gestalten, verdient besondere Erw\u00e4hnung. Die vier S\u00e4tze wirken s\u00e4mtlich ritualhaft, doch hat G\u00f6tte jedem durch melodische und rhythmische Eigenheiten ein charakteristisches Profil gegeben und den Dialog zwischen dem Blasinstrument und den Klangschalen abwechslungsreich zu gestalten gewusst. Im dritten Satz, einem zuerst verhalten, dann ausgelassen t\u00e4nzerischen St\u00fcck, gibt es zudem eine Passage, in der die Blockfl\u00f6te vom Klatschen der H\u00e4nde begleitet wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch in seinen <em>dialogen <\/em>f\u00fcr Blockfl\u00f6te und Violoncello (2016) komponiert G\u00f6tte mit sehr schlichtem melodischem Material, nutzt aber die M\u00f6glichkeiten zur polyphonen Gestaltung, die ihm zwei Melodieinstrumente bieten, sehr wohl aus. Zwei rhythmisch pulsierende Tanzs\u00e4tze, in denen die beiden Instrumente durchaus auch \u201eaufstampfen\u201c d\u00fcrfen, rahmen zwei langsamere, aber nicht unbedingt ruhigere S\u00e4tze ein. Gerade der dritte Satz, in dem Blockfl\u00f6te und Violoncello in freien Imitationen ein in sich kreisendes Motiv durchf\u00fchren, steckt voller Nervosit\u00e4t. Katharina Uzal am Violoncello ist Ute Schleich bei der Auff\u00fchrung eine zuverl\u00e4ssige Partnerin, die dem Klang der Blockfl\u00f6te gerade in den leiseren Passagen gen\u00fcgend Raum zur Entfaltung l\u00e4sst. Als Duo sind beide trefflich aufeinander eingespielt. <\/p>\n\n\n\n<p>Jens Josefs Duettino f\u00fcr Blockfl\u00f6te und Fagott (2017\/18) kann man als das konstruktivistischste St\u00fcck dieser Anthologie bezeichnen. Bereits zu Beginn wird deutlich, dass der Kontrapunkt hier eine deutlich gr\u00f6\u00dfere Rolle spielt als in G\u00f6ttes <em>dialogen<\/em>. Die Instrumente scheinen zun\u00e4chst v\u00f6llig unabh\u00e4ngig voneinander zu spielen. Im weiteren Verlauf ist es, als w\u00fcrden sie nach und nach einander bemerken und auf unterschiedliche Weise aufeinander reagieren. Teils gibt das Fagott, teils die Fl\u00f6te die Impulse. Unter klanglichen Gesichtspunkten wirken diejenigen Passagen problematisch, in denen die Blockfl\u00f6te in ihren tiefen Registern spielt, da sie hier kaum aus dem Schatten des tonst\u00e4rkeren Fagotts zu treten vermag. Der Effekt mag allerdings beabsichtigt sein, um den Kontrast zum Schlussteil zu verst\u00e4rken, in dem durchweg die oberen Register der Blockfl\u00f6te zu h\u00f6ren sind. Den technischen Herausforderungen des Duettinos sind Schleich und ihre Partnerin am Fagott, Annette Winker, jedenfalls v\u00f6llig gewachsen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ute Schleich beschlie\u00dft dieses Programm aus Soli und Duos mit Louis Andriessens <em>Ende <\/em>(1981), das sie gleichzeitig auf zwei Altblockfl\u00f6ten spielt. Gleicherma\u00dfen Solo wie Duo ist dies der effektvolle Abschluss einer gegl\u00fcckten CD. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, Februar 2021]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>conditura records, conrec012; EAN: 4 260401 710199 Unterst\u00fctzt von Luna Martina Pracht (Klangschalen), Annette Winker (Fagott) und Katharina Uzal (Violoncello) f\u00fchrt Ute Schleich (Blockfl\u00f6ten) auf diesem bei conditura records erschienenen Album die Vielfalt der Minimal Music wie des Blockfl\u00f6tenklangs vor Ohren. \u201eColors of Minimal Music\u201c pr\u00e4sentiert die Blockfl\u00f6tistin Ute Schleich auf ihrer gleichnamigen CD. 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