{"id":4274,"date":"2021-03-03T22:09:00","date_gmt":"2021-03-03T21:09:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=4274"},"modified":"2021-03-03T22:44:17","modified_gmt":"2021-03-03T21:44:17","slug":"bach-vital-triosonaten-ana-oltean-kaspar-zehnder-vital-julian-frey","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2021\/03\/03\/bach-vital-triosonaten-ana-oltean-kaspar-zehnder-vital-julian-frey\/","title":{"rendered":"Bach vital"},"content":{"rendered":"\n<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 582; EAN: 4 260052 385821<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bach-Triosonaten.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bach-Triosonaten.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4275\" width=\"481\" height=\"481\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bach-Triosonaten.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bach-Triosonaten-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Bach-Triosonaten-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 481px) 100vw, 481px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Das Fl\u00f6tistenehepaar Ana Oltean und Kaspar Zehnder nimmt gemeinsam mit dem Cembalisten Vital Julian Frey Triosonaten von Johann Sebastian Bach auf. Auf dem Programm stehen die Sonaten in G-Dur BWV 1039, C-Dur BWV 1037, d-Moll BWV 1036, D-Dur BWV 1028 und g-Moll BWV 1029, als Intermezzi fungieren die Sinfonia 13 in a-Moll BWV 799 und das Pr\u00e4ludium h-Moll BWV 869.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Triosonate geh\u00f6rte zu den beliebtesten Gattungen der Barock\u00e4ra: Sie lie\u00df sich im hausmusikalischen Rahmen auff\u00fchren, bot den Komponisten die Gelegenheit in reiner Dreistimmigkeit ihr kontrapunktisches Geschick zu zeigen, und erm\u00f6glichte den Auff\u00fchrenden  die Zurschaustellung ihrer Virtuosit\u00e4t. Trotz der Popularit\u00e4t des Genres komponierte Johann Sebastian Bach erstaunlich wenige solcher Trios. Tats\u00e4chlich ist nur eine der hier zu h\u00f6renden Sonaten als Triosonate belegt: BWV 1039. Und selbst ihr steht eine dreistimmige Gambensonate (BWV 1027) als Schwesterwerk nebenan, die der selben kompositorischen Quelle entspringt. Welches der beiden Werke das fr\u00fchere ist, l\u00e4sst sich nicht belegen, vermutlich entstanden sie zeitgleich. Andere der Triosonaten k\u00f6nnten Sch\u00fclerwerke gewesen sein, denen Bach jedoch zumindest assistierend beistand, vielleicht ihnen sogar den entscheidenden Schliff verlieh. So geht die Forschung davon aus, die Sonate BWV 1036 entstamme eigentlich der Feder seines Sohnes Carl Philipp Emanuel Bach und die folgende BWV 1037 derjenigen Johann Gottlieb Goldbergs, welchen man heute haupts\u00e4chlich durch die postum entstandene und f\u00e4lschliche Benennung der \u201eGoldberg-Variationen\u201c kennt (Zur Entstehungszeit der <em>Aria mit verschiedenen Ver\u00e4nderungen<\/em> war dieser n\u00e4mlich gerade einmal dreizehn Jahre alt). Die Sonaten BWV 1028 und 1029 komponierte Bach jeweils f\u00fcr die Gambe. Doch erlaubt es Bachs Schreibweise in den meisten F\u00e4llen, die Werke auch f\u00fcr andere Besetzungen zu adaptieren, was auf dieser Aufnahme geschieht und der Qualit\u00e4t der Musik keinen Abbruch tut.<\/p>\n\n\n\n<p>Die hier zu h\u00f6rende Einspielungen durch Ana Oltean, Kaspar Zehnder und Vital Julian Frey strotzt vor Lebendigkeit und Vitalit\u00e4t. Die Musiker spielen auf historischen Instrumenten, lassen sich jedoch nicht dazu hinrei\u00dfen, stur auf die historische Informiertheit zu vertrauen und die Werkdarbietung an blo\u00dfen Theorien auszurichten. Statt dessen projizieren sie die Musik in die Jetztzeit und erlauben sich durchaus subtile Freiheiten, um ihr den n\u00f6tigen Schwung zu verleihen. So beh\u00e4lt der Klang seine motorische Stringenz und den markanten Klang, den man mit der Bach-Epoche verbindet, t\u00f6nt jedoch auch mal lyrisch, z\u00f6gernd, innig oder gar verhalten. Ob Bach diese Emotionen in seine Musik einband? Einen Beweis h\u00f6ren wir hier.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie von der Ars Produktion Schumacher gewohnt, \u00fcberzeugt die Aufnahme durch luziden und doch vollen Instrumentenklang, angenehme Abstimmung des Halls und pr\u00e4gnanten, greifbaren Sound. F\u00fcr diese Besetzung allerdings scheint der Klang in manchen Passagen etwas zu direkt, besonders das Cembalo dr\u00f6hnt teils zu stark in den H\u00f6hen hervor; beim Fl\u00f6tenansatz nimmt der H\u00f6rer daf\u00fcr recht viel Luftdruck wahr. Doch dies ist nur ein kleines Manko, welches auch nicht auf jeder Anlage auff\u00e4llt, besonders angesichts der \u00fcberragenden Qualit\u00e4t der Musiker.<\/p>\n\n\n\n<p>Ana Oltean und Kaspar Zender sind ein h\u00f6rbar eingespieltes Team, das nicht nur jahrzehntelang auf der B\u00fchne, sondern auch privat ein Paar bildet und in perfekter Harmonie agiert. Sie wirken wie ein einziges, zweistimmiges Instrument, das durch den gleichen Atem und den selben Puls angetrieben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufsehen erregt das Spiel des Cembalisten Vital Julian Frey, der seinem Instrument unerh\u00f6rte Klangfarben und M\u00f6glichkeiten zu entlocken wei\u00df. Wer denkt, das Cembalo k\u00f6nne nur zupfen und klinge immer gleich, der solle sich diesen Musiker anh\u00f6ren. Durch geschicktes und stets wandelbares Arpeggieren erh\u00e4lt jeder Akkord eigenst\u00e4ndigen Zusammenklang und individuellen Nachhall; die Stimmen gestaltet er auf eine im Bezug zu den eigentlichen M\u00f6glichkeiten der Tongebung magisch anmutende Weise ebenso sanglich aus. Im Zusammenspiel liefert Frey nicht nur eine solide Continuo-Basis f\u00fcr die beiden Melodieinstrumente, sondern agiert selbst als vollwertige dritte Melodiestimme.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, M\u00e4rz 2021]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ars Produktion Schumacher, ARS 38 582; EAN: 4 260052 385821 Das Fl\u00f6tistenehepaar Ana Oltean und Kaspar Zehnder nimmt gemeinsam mit dem Cembalisten Vital Julian Frey Triosonaten von Johann Sebastian Bach auf. 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