{"id":4300,"date":"2021-03-15T23:40:00","date_gmt":"2021-03-15T22:40:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=4300"},"modified":"2021-03-12T23:30:00","modified_gmt":"2021-03-12T22:30:00","slug":"gesanglich-und-nobel-ludwig-van-beethoven-fabrizio-chiovetta","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2021\/03\/15\/gesanglich-und-nobel-ludwig-van-beethoven-fabrizio-chiovetta\/","title":{"rendered":"Gesanglich und nobel"},"content":{"rendered":"\n<p>Apart\u00e9, AP238; EAN: 5 051083 162159<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Beethoven-Chiovetta.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Beethoven-Chiovetta.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4301\" width=\"444\" height=\"444\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Beethoven-Chiovetta.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Beethoven-Chiovetta-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Beethoven-Chiovetta-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 444px) 100vw, 444px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Fabrizio Chiovetta hat f\u00fcr Apart\u00e9 die drei letzten Klaviersonaten Ludwig van Beethovens (E-Dur op.&nbsp;109, As-Dur op.&nbsp;110, c-Moll op.&nbsp;111) aufgenommen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem er in den letzten Jahren je eine CD mit Werken Bachs, Mozarts und zeitgen\u00f6ssischer osteurop\u00e4ischer Komponisten vorgelegt hatte, widmet sich der schweizerische Pianist Fabrizio Chiovetta mit der vorliegenden Einspielung erstmals dem Schaffen Ludwig van Beethovens. Das Programm besteht aus den um die Jahreswende 1821\/22 kurz hintereinander entstandenen drei letzten Klaviersonaten opp.&nbsp;109\u2013111.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Sonaten op.&nbsp;109 und op.&nbsp;110 gelingen Chiovetta sehr ausgewogene Kopfs\u00e4tze, was nicht zuletzt an seiner F\u00e4higkeit zu kantablem Spiel liegt. Sein Anschlag ist nie grob, auch die kraftvoll vorzutragenden Abschnitte wahren die Noblesse. Die langen Melodieb\u00f6gen im <em>Moderato<\/em> des op.&nbsp;110 entfalten sich unter seinen H\u00e4nden ungezwungen und ganz nat\u00fcrlich. Im Kopfsatz des op.&nbsp;109 begreift er Beethovens Tempowechsel zwischen <em>Vivace<\/em> (Anfangsthema) und <em>Adagio<\/em> (Seitensatz) v\u00f6llig zurecht nicht als Aufforderung, dem St\u00fcck ein zerrissenes Erscheinungsbild zu verleihen. So richtet er die Eingangstakte gezielt derart aus, dass sie im Beginn des Seitensatzes ihren H\u00f6hepunkt finden, und h\u00e4lt in den <em>Adagio<\/em>-Takten die Spannung aufrecht, indem er das metrische Schwer-Leicht-Gef\u00e4lle h\u00f6rbar macht. Chiovettas dezente Rubati verwischen nie das jeweilige Grundtempo und wirken im Kontext stets geschmackvoll. Die raschen Mittels\u00e4tze beider Sonaten haben den n\u00f6tigen Schwung. Zu Beginn des <em>Allegro molto<\/em> von op.&nbsp;110 lie\u00dfe sich der \u201eFrage-und-Antwort\u201c-Effekt noch etwas st\u00e4rker herausgearbeitet denken. Daf\u00fcr \u00fcberzeugt der rezitativische Beginn des Schlusssatzes der gleichen Sonate umso mehr. In der Fuge beh\u00e4lt Chiovetta durchweg die \u00dcbersicht \u00fcber das polyphone Geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der andernorts so trefflich eingesetzten Gesanglichkeit verwundert die Art ein wenig, mit der Chiovetta die Themen der finalen Variationss\u00e4tze von op.&nbsp;109 und op.&nbsp;111 vortr\u00e4gt. Beide wirken vergleichsweise statisch, da dem Pianisten die einzelnen Z\u00e4hlzeiten der Takte offenbar wichtiger sind als die Gewichtung der Takte untereinander. Allerdings verschwindet in beiden S\u00e4tzen dieser Eindruck sofort mit der ersten Variation, wenn der Komponist beginnt, die Melodie mit st\u00e4rkerer Binnenbewegung zu f\u00fcllen. Ansonsten l\u00e4sst sich \u00fcber Chiovettas Darbietung der Variationen nur Gutes sagen. Dies gilt auch f\u00fcr den ersten Satz des op.&nbsp;111. Im Bezug auf die Einleitung ist namentlich der Spannungsaufbau in der zweiten H\u00e4lfte samt zielgerichteter \u00dcberf\u00fchrung ins Allegro zu nennen. Im Allegro selbst zeigt sich der Pianist erneut als meisterhafter Tempogestalter, der die sanfteren Episoden bruchlos in ein ansonsten unwiderstehlich stringentes Gesamtgeschehen einzuf\u00fcgen wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gro\u00dfen und Ganzen bietet Fabrizio Chiovettas Auseinandersetzung mit den letzten Beethoven-Sonaten also sehr erfreuliche Ergebnisse. Die Anfang 2020 aufgenommene und im Herbst desselben Jahres erschienene CD geh\u00f6rt ohne Zweifel zu den gelungenen Beitr\u00e4gen zum Beethoven-Jubil\u00e4um.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, M\u00e4rz 2021]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Apart\u00e9, AP238; EAN: 5 051083 162159 Fabrizio Chiovetta hat f\u00fcr Apart\u00e9 die drei letzten Klaviersonaten Ludwig van Beethovens (E-Dur op.&nbsp;109, As-Dur op.&nbsp;110, c-Moll op.&nbsp;111) aufgenommen. 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