{"id":4313,"date":"2021-03-21T15:05:17","date_gmt":"2021-03-21T14:05:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=4313"},"modified":"2021-03-21T15:05:19","modified_gmt":"2021-03-21T14:05:19","slug":"kraftvolle-toene-eines-stillen-im-lande-kurt-albrecht-gustav-frielinghaus-jaan-ots-hamburger-camerata","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2021\/03\/21\/kraftvolle-toene-eines-stillen-im-lande-kurt-albrecht-gustav-frielinghaus-jaan-ots-hamburger-camerata\/","title":{"rendered":"Kraftvolle T\u00f6ne eines Stillen im Lande"},"content":{"rendered":"\n<p>KKE Records, KKE 20001; EAN: 4270001 262509<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Kurt-Albrecht.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Kurt-Albrecht-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4314\" width=\"425\" height=\"425\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Kurt-Albrecht-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Kurt-Albrecht-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Kurt-Albrecht-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Kurt-Albrecht-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Kurt-Albrecht-1536x1536.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Kurt-Albrecht-2048x2048.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>F\u00fcr KKE Records macht die Hamburger Camerata unter der Leitung von Gustav Frielinghaus mit zwei Orchesterwerken Kurt Albrechts bekannt: der Symphonie f\u00fcr Streichorchester und Pauken und der Partita f\u00fcr Kammerorchester nach einem Motiv von Heinrich Sch\u00fctz. Als Violinist spielt Frielinghaus im Duo mit dem Pianisten Jaan Ots eine Chaconne Albrechts.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bl\u00e4ttert man in Erich H. M\u00fcllers <em>Deutschem Musiker-Lexikon<\/em> von 1929, einer den damals lebenden Tonk\u00fcnstlern gewidmeten \u00dcberblicksdarstellung, oder in der von M\u00fcller und seiner Ehefrau Hedwig von Asow als <em>K\u00fcrschners Deutscher Musiker-Kalender 1954<\/em> herausgebrachten Neuauflage dieses Buches, so st\u00f6\u00dft man auf die Namen zahlreicher Komponisten, die weder zu Lebzeiten, noch danach sonderliche Ber\u00fchmtheit erlangt haben, und deren Wirkungskreis weitgehend lokal geblieben ist. Manche von ihnen haben auf Nachfrage der Herausgeber ihr vollst\u00e4ndiges Werkverzeichnis angegeben. Man liest von einer enormen Anzahl an Kompositionen, die diese \u201eStillen im Lande\u201c hinterlassen haben, Werke, die teilweise nie gedruckt, teilweise gar nicht aufgef\u00fchrt worden sind. Zu Recht, zu Unrecht? Wer wagt es, den Stab \u00fcber Musik zu brechen, die er nicht kennt?<\/p>\n\n\n\n<p>Dass es sich sehr lohnen kann, entsprechende Nachl\u00e4sse genauer anzusehen, belegt die vorliegende, bei KKE Records erschiene CD mit Musik Kurt Albrechts. Durch diese unter Leitung des Geigers und Orchesterleiters Gustav Frielinghaus zustande gekommene Einspielung l\u00fcftet sich nun ein wenig der Schleier \u00fcber dem Schaffen eines Komponisten, der nicht einmal in den oben genannten Nachschlagewerken vertreten ist. Nach dem zu urteilen, was man \u00fcber Albrechts Leben wei\u00df, war er tats\u00e4chlich ein \u201eStiller\u201c: \u201eSelbstzeugnisse sind nur wenige \u00fcberliefert. [\u2026] Das Erfinden von Musik war sein Weg, sich auszudr\u00fccken. Ins Rampenlicht hat es ihn dabei nie gedr\u00e4ngt\u201c, hei\u00dft es im Begleittext. 1895 in Ricklingen bei Hannover geboren, wurde Albrecht fr\u00fchzeitig von seinem Vater, einem Pastor, ans Orgelspiel herangef\u00fchrt. Er lebte nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin und ging 1925 als Organist nach Dresden. 1928 nach Stuttgart \u00fcbergesiedelt, wirkte er dort vor dem Siegeszug des Tonfilms als Kinokapellmeister und lie\u00df sich im Rundfunk regelm\u00e4\u00dfig an Orgel, Cembalo oder Klavier h\u00f6ren. Im Zweiten Weltkrieg wurde Albrechts Wohnung durch einen Luftangriff zerst\u00f6rt, wobei ein anscheinend nicht geringer Teil seiner Kompositionen verbrannte. 1971 starb der Komponist in Rommelshausen nahe Stuttgart.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie viel Musik Kurt Albrecht insgesamt geschrieben hat, l\u00e4sst sich aufgrund der Kriegsverluste nicht mehr genau bestimmen. Es scheint aber gl\u00fccklicherweise noch viel erhalten zu sein. Aufnahmen zweier Streichquartette, Nr.&nbsp;2 und Nr.&nbsp;3, brachte der Sohn des Komponisten nach dessen Tod als private LP-Pressung heraus (Wer sie antiquarisch findet, der greife zu!). Im Beiheft der neuen CD liest man von \u201ezahlreichen kirchenmusikalischen St\u00fccken\u201c, einer Symphonie in f-Moll, die Albrecht 1948 mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Stuttgart aufnahm, sowie \u201eWerken f\u00fcr gro\u00dfes Orchester\u201c aus seinen letzten Lebensjahren. Wann die drei f\u00fcr KKE Records eingespielten Kompositionen entstanden sind, wei\u00df man nicht. Die Chaconne f\u00fcr Violine und Klavier tr\u00e4gt die Opuszahl 33, w\u00e4hrend die Symphonie f\u00fcr Streichorchester und Pauken ebenso unnummeriert geblieben ist wie die Partita f\u00fcr Kammerorchester \u00fcber ein Motiv von Heinrich Sch\u00fctz.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Albrechts Musik gr\u00f6\u00dfere Beachtung verdient als sie \u2013 aus welchen Gr\u00fcnden auch immer \u2013 zu Lebzeiten ihres Sch\u00f6pfers gefunden hat, zeigt sich vor allem anhand der Streichersymphonie, einem viers\u00e4tzigen Werk von 40 Minuten Dauer. Bereits in den ersten Takten zeigt sich, dass Albrecht bevorzugt polyphon denkt und die Stimmen mit Vorliebe in scharfe Dissonanzreibungen hineinsteuert. Im Verlauf des 17-min\u00fctigen Kopfsatzes kommt es zu schroffen Wechseln zwischen eruptiven und zur\u00fcckhaltenden Abschnitten. Genau in der Mitte erklingt, gewisserma\u00dfen als Ruhepunkt, ein archaisierender Kantionalsatz. Die leise Musik des Anfangs leitet \u00fcber zu einem kurzen, flackernd vor\u00fcberhuschenden Scherzo. Bezaubernd introvertiert klingt der langsame dritte Satz, dessen chromatische Kontrapunktik sich immer wieder in altmeisterliche Kadenzen und sprechende Pausen aufl\u00f6st. Als Finale dient eine energisch voranschreitende Passacaglia.<\/p>\n\n\n\n<p>Albrechts Vorliebe f\u00fcr barocke Satztechnik zeigt sich noch deutlicher in der Partita f\u00fcr Kammerorchester. Den sechs kurzen S\u00e4tzen, die zusammen nur 13 Minuten dauern, liegt s\u00e4mtlich ein Motiv aus Heinrich Sch\u00fctzens Lukas-Passion zugrunde, das Albrecht den typischen Charakteren barocker Suitens\u00e4tze gem\u00e4\u00df variiert und durchf\u00fchrt. Auf ein Pr\u00e4ludium in der Art einer franz\u00f6sischen Ouvert\u00fcre folgen Allemande, Courante, Sarabande, Gavotte und Gigue. Stilistisch ist das Werk der Streichersymphonie nahe verwandt, doch zeigt sich Albrecht hier von seiner humorigen Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zehnmin\u00fctige Chaconne op.&nbsp;33 f\u00fcr Violine und Klavier komponierte Albrecht \u201enach einem Motiv von Dr. K.&nbsp;Kremers\u201c, einem befreundeten Chemiker, der ein begabter Amateurgeiger gewesen sein muss. Verglichen mit den beiden Orchesterkompositionen f\u00e4llt die kaum alterierte d-Moll-Tonalit\u00e4t auf, was die Frage aufwirft, ob es sich bei der Chaconne um ein Fr\u00fchwerk handelt. Vielleicht hat Albrecht, wie der gleichaltrige Hindemith, nur in jungen Jahren eine Opusz\u00e4hlung verwendet? Es w\u00e4re auch vorstellbar, dass der Komponist auf einen hausmusikalischen Rahmen R\u00fccksicht genommen hat, oder dass er den Einfall Dr. Kremers&#8216; m\u00f6glichst stilrein verarbeiten wollte. Jedenfalls handelt es sich auch bei dieser Chaconne um ein h\u00f6renswertes St\u00fcck. Ihr Thema ist ungew\u00f6hnlich lang, die Zahl der Variationen entsprechend klein. Am Ende klingt sie beruhigt in Dur aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Gustav Frielinghaus bew\u00e4hrt sich gleicherma\u00dfen als Geiger im Duo mit dem Pianisten Jaan Ots, wie als Konzertmeister der ohne Dirigenten spielenden Hamburger Camerata. Angesichts der fehlenden Auff\u00fchrungstradition der dargebotenen Werke ist es sehr erfreulich, dass sie hier in qualitativ durchweg hochstehenden Einspielungen erstmals auf Tontr\u00e4ger gebannt worden sind. M\u00f6ge diese CD dazu ermutigen, dem Schaffen des Komponisten Kurt Albrecht weiterhin Aufmerksamkeit zu schenken!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Norbert Florian Schuck, M\u00e4rz 2021]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KKE Records, KKE 20001; EAN: 4270001 262509 F\u00fcr KKE Records macht die Hamburger Camerata unter der Leitung von Gustav Frielinghaus mit zwei Orchesterwerken Kurt Albrechts bekannt: der Symphonie f\u00fcr Streichorchester und Pauken und der Partita f\u00fcr Kammerorchester nach einem Motiv von Heinrich Sch\u00fctz. Als Violinist spielt Frielinghaus im Duo mit dem Pianisten Jaan Ots eine &hellip; <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2021\/03\/21\/kraftvolle-toene-eines-stillen-im-lande-kurt-albrecht-gustav-frielinghaus-jaan-ots-hamburger-camerata\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Kraftvolle T\u00f6ne eines Stillen im Lande<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":18,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[13],"tags":[3859,3860,3861,3863,3862],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4313"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/18"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4313"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4313\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4316,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4313\/revisions\/4316"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4313"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4313"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4313"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}