{"id":4393,"date":"2021-05-15T23:31:00","date_gmt":"2021-05-15T21:31:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=4393"},"modified":"2021-05-16T02:43:50","modified_gmt":"2021-05-16T00:43:50","slug":"ein-konzert-der-kontraste-das-sinfonieorchester-liechtenstein-in-zuerich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2021\/05\/15\/ein-konzert-der-kontraste-das-sinfonieorchester-liechtenstein-in-zuerich\/","title":{"rendered":"Ein Konzert der Kontraste: Das Sinfonieorchester Liechtenstein in Z\u00fcrich"},"content":{"rendered":"\n<p>Konzertkritik des Streamingkonzerts des Sinfonieorchesters Liechtenstein am 13.05.2021 in Z\u00fcrich in der Tonhalle Maag, Live-\u00dcbertragung via youtube:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Johannes Brahms (1833\u20131897)<\/strong><br \/>Akademische Festouvert\u00fcre, op. 80<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Astor Piazzolla (1921\u20131992)<\/strong><br \/>Aus \u201eL\u2019Histoire du Tango\u201c: II. Caf\u00e9 1930<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Artie Shaw (1910\u20132004)<\/strong><br \/>Klarinettenkonzert<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Johannes Brahms (1833\u20131897)<\/strong><br \/>Klavierquartett in g-Moll, op. 25, f\u00fcr Orchester gesetzt von Arnold Sch\u00f6nberg (1874\u20131951)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sebastian Manz<\/strong>, Klarinette<br \/><strong>Kevin Griffiths<\/strong>, Dirigent<\/p>\n\n\n\n<p>Bei einem Gastspiel in Z\u00fcrich wiederholte das Sinfonieorchester Liechtenstein gemeinsam mit dem Klarinettisten Sebastian Manz unter der Leitung von Kevin Griffiths am 13. Mai das Programm seines an den beiden vorangegangenen Tagen in Schaan gegebenen 2. Abonnementskonzerts (Ren\u00e9 Brinkmann <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2021\/05\/14\/ueberzeugend-in-sinfonik-und-big-band-stil-ein-livestream-konzert-des-sinfonieorchesters-liechtenstein\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2021\/05\/14\/ueberzeugend-in-sinfonik-und-big-band-stil-ein-livestream-konzert-des-sinfonieorchesters-liechtenstein\/\">berichtete<\/a>). Wie diese wurde auch der Z\u00fcricher Auftritt per Livestream auf Youtube \u00fcbertragen, sodass nicht nur die (aufgrund der Pandemiesituation) wenigen Konzertbesucher Gelegenheit hatten, einen h\u00f6chst abwechslungsreichen musikalischen Abend zu erleben \u2013 abwechslungsreich nicht nur hinsichtlich der aufgef\u00fchrten Werke, sondern vor allem aufgrund der stark schwankenden Qualit\u00e4t der Darbietungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann sagen, das Konzert stand und fiel mit Sebastian Manz. Je wichtiger der Anteil des Solisten an den einzelnen Programmnummern war, desto besser musizierte das Orchester. So markierte das Klarinettenkonzert von Artie Shaw unzweifelhaft den H\u00f6hepunkt des Abends. Man darf beim Titel des Werkes nicht an klassische Solokonzerte denken. Das St\u00fcck ist eine freie Fantasie in verschiedenen Jazz-Idiomen, eine gelenkte Improvisation. Bereits die Aufstellung der Musiker zeigte, dass etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches zu h\u00f6ren sein w\u00fcrde: Der Klarinettist stand nicht neben dem Dirigenten, sondern am Rande des Orchesters, inmitten einer Rhythmusgruppe aus Klavier und Schlagzeug. Obwohl auch hier Dirigient Griffiths den Takt schlug und Eins\u00e4tze gab, war Manz eindeutig der Band Leader. Artie Shaw pflegte bei seinen Auftritten als Primus inter Pares zu spielen und auch seinen Bandmitgliedern ausgiebig Gelegenheit zum Solospiel zu geben. Dieser Praxis folgt auch sein Klarinettenkonzert. Man konnte nun in Z\u00fcrich erleben, wie Sebastian Manz mit seinem ungemein wandlungsf\u00e4higen Spiel seine Mitspieler dazu animierte, sich ebenfalls der Gnade des Augenblicks anzuvertrauen und spontan mit ihm in beseelten Dialog zu treten. Die Musiker lebten hier h\u00f6rbar auf, der trotz der geringen Zuschauerzahl brausende Applaus war v\u00f6llig berechtigt. Als Zugabe folgte die von Sebastian Manz f\u00fcr Streichorchesterbegleitung eingerichtete <em>Israeli-Suite<\/em> des Klezmer-Klarinettisten Helmut Eisel, dessen \u201esprechendem\u201c Spiel Manz nach eigenen Worten wertvolle Anregungen verdankt. Eine prominente Rolle kommt in diesem St\u00fcck dem Cajon zu, einem gro\u00dfen Holzkasten, auf dem der Schlagzeuger des Orchesters Platz nahm, um das Geschehen rhythmisch zu begleiten. Auch hier durfte das Orchester \u201eausrasten\u201c (Manz) und schien dies zu genie\u00dfen. In den Programmpunkten mit Sebastian Manz merkte man, dass im Sinfonieorchester Liechtenstein hochmotivierte und leistungsf\u00e4hige Musiker sitzen!<\/p>\n\n\n\n<p>Demgegen\u00fcber fielen die Darbietungen der beiden Brahms-Werke qualitativ stark ab. Hier folgte das Orchester getreu den Weisungen Kevin Griffiths&#8216; \u2013 diese aber waren offensichtlich das Problem. Griffiths bot handwerklich ordentliche Auff\u00fchrungen, aber es wurden blo\u00df Noten gespielt, ein Takt reihte sich an den n\u00e4chsten, alles sehr gleichf\u00f6rmig, spannungs- und zusammenhanglos, die Phrasen in ihre Einzelt\u00f6ne zerhackt. Nirgends stellte sich der Eindruck ein, es hier mit mehr als technischer Routine zu tun zu haben. Besonders unsch\u00f6n wirkten die Stellen wiedergegeben, an denen Brahms demonstrativ kantabel schreibt. So gestattete der Dirigent den Musikern nicht, das \u201eGaudeamus Igitur\u201c in der <em>Akademischen Festouvert\u00fcre<\/em> auf ihren Instrumenten zu singen, sondern hielt sie dazu an, es zu skandieren. Es war angesichts dessen am Ende des Konzerts ganz und gar nicht \u00fcberraschend, dass Arnold Sch\u00f6nbergs Orchesterbearbeitung des Klavierquartetts op.&nbsp;25 zu einer Demonstration kalter Pracht geriet.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehr aufschlussreich waren die beiden Interviews w\u00e4hrend der Pause, denn es zeigte sich in ihnen, dass es sich bei Sebastian Manz und Kevin Griffiths um zwei ganz kontr\u00e4re Musiker handelt: Manz berichtete davon, auf welche Weise er Musik macht, was er w\u00e4hrend des Spiels mit seinem K\u00f6rper tut, um die Kl\u00e4nge zu beseelen und zum Sprechen zu bringen; passend dazu betonte er, dass die Musik jedes Mal beim Vortrag neu entsteht und das Wesentliche nicht in den Noten zu finden ist. Griffiths blieb dagegen in seinen \u00c4u\u00dferungen oberfl\u00e4chlich und schien gar nicht zu merken, dass er \u00fcber die Sch\u00f6nbergsche Brahms-Bearbeitung Widerspr\u00fcchliches erz\u00e4hlte (Sch\u00f6nberg hat sich eben nicht an den Brahmsschen Orchesterstil gehalten, sondern ist in der Instrumentierung des Quartetts ganz nach eigenem Gutd\u00fcnken verfahren).<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend bleibt festzuhalten, dass es in Liechtenstein ein f\u00e4higes, auch begeisterungsf\u00e4higes Orchester gibt, das zu hervorragenden Leistungen in der Lage ist. Es h\u00e4tte verdient, dieses Programm unter einem Dirigenten zu spielen, der das ihm zur Verf\u00fcgung gestellte Potential besser zu nutzen wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Norbert Florian Schuck [Mai 2021]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konzertkritik des Streamingkonzerts des Sinfonieorchesters Liechtenstein am 13.05.2021 in Z\u00fcrich in der Tonhalle Maag, Live-\u00dcbertragung via youtube: Johannes Brahms (1833\u20131897)Akademische Festouvert\u00fcre, op. 80 Astor Piazzolla (1921\u20131992)Aus \u201eL\u2019Histoire du Tango\u201c: II. 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