{"id":4410,"date":"2021-05-30T18:46:24","date_gmt":"2021-05-30T16:46:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=4410"},"modified":"2021-05-30T18:46:30","modified_gmt":"2021-05-30T16:46:30","slug":"gelungene-gitarrentranskriptionen-hervorragend-gespielt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2021\/05\/30\/gelungene-gitarrentranskriptionen-hervorragend-gespielt\/","title":{"rendered":"Gelungene Gitarrentranskriptionen hervorragend gespielt"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos, 8.574259; EAN: 7 47313 42597 6<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dejour-Transkriptionen.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dejour-Transkriptionen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4411\" width=\"447\" height=\"443\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dejour-Transkriptionen.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dejour-Transkriptionen-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Dejour-Transkriptionen-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 447px) 100vw, 447px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>F\u00fcr Naxos hat Christophe Dejour (Gitarre) eigene Transkriptionen von Werken Carlo Gesualdos, Johann Sebastian Bachs, Alban Bergs und B\u00e9la Bart\u00f3ks eingespielt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der d\u00e4nische Gitarrist Christophe Dejour hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen guten Ruf als Bearbeiter erworben, der dem Repertoire f\u00fcr sein Instrument mehrere Meisterwerke hinzugewonnen hat. So arrangierte er f\u00fcr das von ihm mitbegr\u00fcndete Trio Campanella Isaac Alb\u00e9niz&#8216; <em>Iberia<\/em> und Enrique Granados&#8216; <em>Goyescas<\/em> f\u00fcr drei Gitarren. Den bei Naxos erschienenen Einspielungen dieser beiden Zyklen durch das Trio Campanella hat Dejour nun sein erstes Solo-Album folgen lassen. Unter dem Titel <em>The Art of Classical Guitar Transcription<\/em> pr\u00e4sentiert er eigene Arrangements vierer Kompositionen, die in verschiedenen Epochen f\u00fcr verschiedene Instrumente geschrieben wurden: Carlo Gesualdos <em>Canzon Francese del Principe<\/em> (eines der wenigen Werke, die der Madrigalf\u00fcrst f\u00fcr ein Clavierinstrument hinterlassen hat), Johann Sebastian Bachs <em>Chromatische Fantasie und Fuge<\/em> BWV 903, die Klaviersonate h-Moll op.&nbsp;1 von Alban Berg und B\u00e9la Bart\u00f3ks sp\u00e4te Sonate f\u00fcr Violine solo. Es werden also \u2013 dies l\u00e4sst sich unschwer als Leitfaden des Programms erkennen \u2013 Komponisten zusammengebracht, die allesamt starke Harmoniker gewesen sind und mit k\u00fchnem Entdeckersinn den jeweiligen Zeitgenossen neue Gestaltungsm\u00f6glichkeiten innerhalb der tonalen Ordnung aufgezeigt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>In allen Bearbeitungen h\u00e4lt sich Dejour m\u00f6glichst eng an die Vorlage und legt nur dann Stimmen um, wenn dies der verglichen mit Tasteninstrumenten geringere Tonumfang der Gitarre n\u00f6tig macht. Wie sich trotz solchen Einschr\u00e4nkungen bemerkenswert volle Kl\u00e4nge realisieren lassen, zeigt sich namentlich in Dejours \u00dcbertragung der Berg-Sonate. Die M\u00f6glichkeiten des Zupfinstruments zur Wiedergabe polyphoner Musik kommen in den Gesualdo- und Bach-Transkriptionen wunderbar zur Geltung. Gro\u00dfe Sorgfalt in der \u00dcbersetzung violintypischer Spielweisen ins Gitarrenidiom l\u00e4sst sich im Fall der Bart\u00f3k-Sonate feststellen. Beispielsweise hat sich Dejour, da naturgem\u00e4\u00df der Gegensatz von Arco und Pizzicato auf der Gitarre nicht realisierbar ist, an den entsprechenden Stellen der Sonate entschieden, das normale Pizzicato durch ein deutlich weniger resonanzstarkes, das charakteristische \u201eBart\u00f3k-Pizzicato\u201c (wie auf der Violine) durch ein sehr kr\u00e4ftiges Anrei\u00dfen der Saite wiederzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den Darbietungen vertieft sich Dejour intensiv in die Beschaffenheit des jeweiligen St\u00fcckes und verhilft dadurch jedem der Werke zu einem charakteristischen Klangbild, das sich von dem der \u00fcbrigen deutlich abhebt. Gesualdos <em>Canzon Francese<\/em>, eine fugierte Fantasie mit virtuosen Einsch\u00fcben, entfaltet sich feierlich und gelassen. Die gelegentlichen chromatischen Ausweichungen wirken nicht als aufgesetzte Effekte, sondern als nat\u00fcrlicher Bestandteil des Ganzen. Bachs <em>Chromatische Fantasie<\/em> gliedert Dejour klar mittels dynamischer Kontraste und passend eingesetzter Rubati. Von dem Vorteil, dass auf der Gitarre im Gegensatz zum Cembalo eine direkte Einwirkung des Spielers auf die Saite m\u00f6glich ist, macht er reichlich Gebrauch und gestaltet namentlich den ariosen Schluss der Fantasie hochexpressiv. Dass die Fuge den Gitarristen vor hohe spieltechnische Herausforderungen stellt, ist in der Aufnahme gelegentlich zu h\u00f6ren. Dejour begegnet ihnen, indem er ein deutlich langsameres Grundtempo anschl\u00e4gt als die meisten Clavierspieler und dieses durch sorgf\u00e4ltige Artikulation spannungsvoll belebt. Um die dissonanten Akkordt\u00fcrme der Bergschen Klaviersonate m\u00f6glichst umfassend darzustellen, bedient sich Dejour in diesem St\u00fcck ausgiebig des Portamentos, was den nicht unwillkommenen Nebeneffekt zur Folge hat, dass das St\u00fcck unter seinen H\u00e4nden einen geradezu vokalen Charakter annimmt, dass es \u201esingt\u201c. Die Struktur dieses einzeln stehenden Sonatensatzes wirkt in Dejours Einspielung erfreulich klar und \u00fcbersichtlich, der Verlauf wirklich prozesshaft. Wohltuend unterscheidet sich diese Aufnahme von der Auffassung der Sonate als zerkl\u00fcfteter Abfolge von Einzelereignissen, als welche sie mitunter zu h\u00f6ren ist. Ist die Sonate Bergs eine \u00c4u\u00dferung des Wiener Fin de Si\u00e8cle, so zeigt sich in der \u00fcber drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter entstandenen Solo-Violinsonate seines Generationsgenossen Bart\u00f3k eine Haltung, die zur Musik der Jahrhundertwende, in der sie freilich wurzelt, deutlich auf Distanz gegangen ist \u2013 nicht zuletzt durch das Rekurrieren auf barocke Vorbilder. Entsprechend l\u00e4sst Dejour dieses St\u00fcck rauer, \u201esachlicher\u201c klingen. Er verzichtet auf \u201eF\u00fclle des Wohllauts\u201c, nicht aber darauf, die Feinheiten der Musik herauszuarbeiten. Als besonders gelungen l\u00e4sst sich die Fuge hervorheben, die Dejour stringent und mit unwiderstehlichem Schwung darbietet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer also h\u00f6ren m\u00f6chte, wie sich die bekannten Clavier-, Klavier- und Violinwerke in meisterlichen Bearbeitungen auf der Gitarre ausnehmen, und dies ebenso hervorragend gespielt, der kann bedenkenlos zu dieser CD greifen. Sie zeugt eindrucksvoll von Christophe Dejours Kunstfertigkeit auf beiden Gebieten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Norbert Florian Schuck [Mai 2021]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos, 8.574259; EAN: 7 47313 42597 6 F\u00fcr Naxos hat Christophe Dejour (Gitarre) eigene Transkriptionen von Werken Carlo Gesualdos, Johann Sebastian Bachs, Alban Bergs und B\u00e9la Bart\u00f3ks eingespielt. 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