{"id":445,"date":"2016-01-20T14:52:37","date_gmt":"2016-01-20T13:52:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=445"},"modified":"2016-01-20T15:09:47","modified_gmt":"2016-01-20T14:09:47","slug":"geigenoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/01\/20\/geigenoper\/","title":{"rendered":"Geigenoper"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Musikproduktion Dabringhaus und Grimm, MDG 903 1819-6 \/ MDG 903 1909-6; EAN: 7 60623 18196 7 \/ 7 60623 19096 9<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/0023.jpg\" rel=\"attachment wp-att-446\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-446\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/0023-300x268.jpg\" alt=\"0023\" width=\"300\" height=\"268\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/0023-300x268.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/0023-768x686.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/0023-1024x915.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/0024.jpg\" rel=\"attachment wp-att-447\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-447\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/0024-300x270.jpg\" alt=\"0024\" width=\"300\" height=\"270\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/0024-300x270.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/0024-768x692.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/0024-1024x923.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Alle dreizehn Opernphantasien des Wundergeigers Pablo de Sarasate liegen auf zwei CDs der Musikproduktion Dabringhaus und Grimm vor. Die virtuosen Geigenparts spielt Volker Reinhold, Konzertmeister der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin, begleitet vom Pianisten und Musikwissenschaftler Ralph Zedler.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenstellungen aus Opern f\u00fcr kammermusikalische Besetzungen gibt es wohl, seit es Opern gibt. Einen Aufschwung erlebte das Arrangieren gro\u00dfer B\u00fchnenwerke durch das Aufkommen der Harmoniemusik um 1700, also reiner Holzbl\u00e4serbesetzung mit Horn, das im Gegensatz zu anderen Blechblasinstrumenten einen weichen und mit dem Holz homogen mischf\u00e4higeren Klang besitzt. In dieser Art gibt es bis hin zur fr\u00fchen Romantik unz\u00e4hlige Opernbearbeitungen. Ziel war urspr\u00fcnglich, auch im h\u00e4uslichen oder bescheiden aristokratischen Rahmen die sch\u00f6nsten und eing\u00e4ngigsten Opernmelodien spielen und h\u00f6ren zu k\u00f6nnen. Der vor allem durch seine Zigeunerweisen Op. 20 weltber\u00fchmte spanische Geigerk\u00f6nig Pablo de Sarasate f\u00fcgte derartigen Medleys f\u00fcr den eigenen Bedarf allerdings ein vollkommen neues Element hinzu: Hochgradige Virtuosit\u00e4t, wie sie nur von den besten Geigern bew\u00e4ltigt werden kann. Vom b\u00fcrgerlichen Salon wanderten die Opernphantasien \u2013 wie in den Klaviersolo-Arrangements von Liszt \u2013 nun in den Konzertsaal, wo sie zum Schwelgen oder gar zum Mitsingen animieren. Der Konzertmeister der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin, Volker Reinhold, stellte sich der enormen Herausforderung, alle dreizehn Opernphantasien des spanischen Meisters auf zwei CDs einzuspielen. Alleine f\u00fcr die Inangriffnahme dieser Mammutaufgabe, f\u00fcr seine K\u00fchnheit, muss dem Violinisten Respekt gezollt werden &#8211; in Werken, die \u00fcblicherweise ausschlie\u00dflich von internation ber\u00fchmten Reisevirtuosen gespielt wurden, jedes f\u00fcr sich ein Glanzpunkt auf jedem Konzertprogramm. Die einzige weitere Gesamtaufnahme (wenn auch auf mehrere CDs verteilt), die mir von den Opernphantasien bekannt ist, ist von dem Wunderkind Tianwa Yang, die das gesamte Werk Sarasates einspielte. Alle St\u00fccke liegen hier mit Reinhold in den ungek\u00fcrzten Fassungen vor, ohne Auslassung einiger technisch an die Grenzen des Machbaren sto\u00dfenden Passagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Volker Reinhold weist einen klaren und durchsetzungsf\u00e4higen Ton auf, der jedoch anders als bei den meisten Auff\u00fchrungen dieser St\u00fccke nicht die gesamte Aufmerksamkeit einfach durch eine alles dominierende St\u00e4rke auf sich zieht. Reinhold versteht es auch, seine Geige singen, die bekannten Melodiezitate kantabel erbl\u00fchen zu lassen. Ein Vorbild nimmt sich der Konzertmeister hier allerdings nicht an den b\u00fchnenbeherrschenden Operns\u00e4ngern, sondern mehr an dem intimeren Kammermusikbereich, wodurch die Zitate eine ganz besondere, intime F\u00e4rbung erhalten, die eine willkommene Abwechslung schafft. Von inniger Zuwendung zu den Werken zeugt sein Spiel, alles ist mit gr\u00f6\u00dfter Freude aufgenommen. Dabei bemerkt man bei manchen Passagen durchaus auch die Grenzen der Spielbarkeit und hin und wieder sind einige Kratzger\u00e4usche oder nicht vollkommen saubere T\u00f6ne zu h\u00f6ren &#8211; was verst\u00e4ndlicherweise nur schwerlich zu vermeiden ist, wenn man nicht wie so h\u00e4ufig in Studioaufnahmen allzu oft schneiden will. An solchen Stellen geht dann doch die technische Ausf\u00fchrung des nahezu Unm\u00f6glichen etwas zu Lasten des musikalischen Ausdrucks. Gerade hier merkt man einen Unterschied zwischen den beiden im Abstand von zwei Jahren erschienenen CDs, ist doch die neuere Einspielung noch ein ganzes St\u00fcck gereifter, der Klang auch in den verzwicktesten Passagen voll und warm, und die kleinen Unsauberkeiten reduzieren sich auf ein Minimum. Insgesamt ist die Leistung Volker Reinholds enorm, und vielen Stellen hat er klanglich ganz neue Wertigkeit abgewonnen, wie ich dies selten geh\u00f6rt habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der Seite des Violinisten agiert Ralph Zedler, welcher auch das fl\u00fcssig zu lesende und informative Booklet verfasst hat. Sarasate am Klavier zu begleiten ist eine der undankbarsten Aufgaben eines jeden Pianisten, denn der Violinist war auf diesem Instrument \u00fcberhaupt nicht bewandert, und die Klavierstimmen sind \u00fcblicherweise konventionelle, sich st\u00e4ndig wiederholende Grundfiguren, die bis auf wenige Stellen (vor allem \u00dcberleitungen!) \u00fcberhaupt keine bemerkenswerte Beschaffenheit besitzen. Und dennoch muss der Pianist stets seinem Geigenpartner angepasst sein und seine Linie bis in die schnellsten Abfolgen im \u00dcberblick haben. Zedler erweist sich als ein feinf\u00fchliger Begleiter, der die halsbrecherischen Solopassagen bestm\u00f6glich grundiert. Dynamisch sorgt er f\u00fcr eine gute Abmischung, bleibt stets dezent im Hintergrund, ohne vollkommen in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Auch achtet Zedler stets auf genaue Synchronizit\u00e4t mit Reinhold. In manchen besonders armseligen Passagen wirkt die Stimme zwar etwas motorisch farblos mit durchg\u00e4ngiger Betonung der Hauptschlagzeit anstelle von melodieangepassten Verschiebungen der Betonung, aber der Gestaltungsspielraum ist zweifellos begrenzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Derzeit liegt hiermit die wohl einzige Einspielung vor, in welcher wirklich alle dreizehn Opernphantasien Sarasates auf zwei CDs komprimiert zusammengefasst sind. Eine runde, erfreuliche Sache.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Oliver Fraenzke, Januar 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musikproduktion Dabringhaus und Grimm, MDG 903 1819-6 \/ MDG 903 1909-6; EAN: 7 60623 18196 7 \/ 7 60623 19096 9 Alle dreizehn Opernphantasien des Wundergeigers Pablo de Sarasate liegen auf zwei CDs der Musikproduktion Dabringhaus und Grimm vor. 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