{"id":4523,"date":"2021-09-06T15:44:17","date_gmt":"2021-09-06T13:44:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=4523"},"modified":"2022-06-05T19:35:31","modified_gmt":"2022-06-05T17:35:31","slug":"borodin-cui-rimsky-korsakow-brahms-trio-klaviertrios-des-maechtigen-haeufleins","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2021\/09\/06\/borodin-cui-rimsky-korsakow-brahms-trio-klaviertrios-des-maechtigen-haeufleins\/","title":{"rendered":"Klaviertrios des \u201eM\u00e4chtigen H\u00e4ufleins\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos 8.574114; EAN: 7 4731341147 4<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Russian-Piano-Trios-3-Naxos.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Russian-Piano-Trios-3-Naxos-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4524\" width=\"505\" height=\"505\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Russian-Piano-Trios-3-Naxos-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Russian-Piano-Trios-3-Naxos-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Russian-Piano-Trios-3-Naxos-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Russian-Piano-Trios-3-Naxos-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Russian-Piano-Trios-3-Naxos.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 505px) 100vw, 505px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Die dritte Folge der hochengagierten Naxos-Serie \u201eHistory of the Russian Piano Trio\u201c widmet das Moskauer Brahms Trio den Komponisten Alexander Borodin, C\u00e9sar Cui und Nikolai Rimsky-Korsakow. Zumindest eine gewichtige Entdeckung ist darunter.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Moskauer Brahms Trio (Nikolai Sachenko, Violine; Kirill Rodin, Cello; Natalia Rubinstein, Klavier) hat mittlerweile die erste Serie der <em>Geschichte des russischen Klaviertrios<\/em>, bestehend aus f\u00fcnf Naxos-CDs, die der Romantik\/Sp\u00e4tromantik gewidmet sind, abgeschlossen. Wenn man auf die Webseite der K\u00fcnstler geht, scheint aber zumindest geplant zu sein, zwei weitere Staffeln folgen zulassen, wohl mit Trios aus dem sogenannten \u201eGoldenen Zeitalter\u201c (ein Begriff, der sich historisch nicht so ganz eindeutig von der Literatur auf die Musik \u00fcbertragen l\u00e4sst) und solchen der Sowjetzeit bis heute. Das w\u00e4re zu begr\u00fc\u00dfen, denn die bisher vorliegenden Aufnahmen k\u00f6nnen s\u00e4mtlich \u00fcberzeugen \u2013 nicht nur programmatisch, wobei sich die CDs jeweils mit einer noch genauer eingrenzbaren musikhistorischen Situation und deren Protagonisten besch\u00e4ftigen, und neben einigen Klassikern wie Tschaikowsky oder Tanejew kaum bekanntes oder gar g\u00e4nzlich unbekanntes Repertoire ans Licht bringen. Die Interpretationen selbst sind auf erfreulich hohem Niveau, reichen selbst bei den h\u00e4ufig zu h\u00f6renden Werken an die Spitzeneinspielungen heran.<\/p>\n\n\n\n<p>Die dritte CD der Reihe nimmt nun die Klaviertrio-Beitr\u00e4ge des \u201eM\u00e4chtigen H\u00e4ufleins\u201c unter die Lupe. Bei den f\u00fcnf nationalistisch gesinnten <em>Novatoren <\/em>f\u00e4llt auf, dass die Kammermusik dort keine \u2013 im Falle Mussorgskys \u2013 bzw. nur eine untergeordnete Rolle spielt. Balakirew schrieb nichts f\u00fcr Klaviertrio, und die drei hier vorgestellten Werke von Borodin, Rimsky-Korsakow und Cui zeugen von einem zumindest nachl\u00e4ssigen Umgang selbst ihrer Sch\u00f6pfer mit ihnen. C\u00e9sar Cuis kurzes <em>Farniente <\/em>ist lediglich die Bearbeitung des zweiten Klavierst\u00fccks aus dem Zyklus <em>\u00c0 Argenteau<\/em> op. 40, und w\u00e4re dabei ein liebenswerter Beitrag Pariser Salonmusik \u2013 Cuis Vater war Franzose \u2013, allerdings mit einer Generation Versp\u00e4tung. Die einschmeichelnde, fast s\u00fc\u00dfliche Melodik bringt das Brahms-Trio mit Delikatesse her\u00fcber, ohne ins Kitschige abzugleiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das fr\u00fche D-Dur-Trio Borodins \u2013 entstanden zwischen 1850 und 1860 \u2013 war entweder unvollendet, oder das Finale ist verschollen. Klar, dass ihm als Fragment der Weg in den Konzertsaal versperrt blieb. Hierbei handelt es sich bereits um ein musikalisch hochwertiges St\u00fcck, das noch stark an Mendelssohn orientiert ist und kaum etwas von Borodins sp\u00e4terer Farbigkeit erahnen l\u00e4sst \u2013 als Tonkonserve trotzdem ein echter Hinh\u00f6rer.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine ganz andere Nummer ist das gewichtige, \u00fcber 40 Minuten dauernde Klaviertrio c-Moll Rimsky-Korsakows. Warum der Komponist das St\u00fcck aus seiner intensivsten Schaffensperiode (1897), in der er sich hingegen fast ausschlie\u00dflich der Oper widmete, geringsch\u00e4tzte und es selbst nicht ganz bis zur Druckreife vollendete, bleibt unverst\u00e4ndlich. Wir k\u00f6nnen froh sein, dass sein Schwiegersohn Maximilian Steinberg \u2013 als Komponist erst seit den 1990ern wieder im Gespr\u00e4ch \u2013 das Trio 1939 fertiggestellt hat. Getrost k\u00f6nnte man hier von einem Meisterwerk sprechen, das nur noch erstaunlich wenig von der national-gef\u00e4rbten Grundhaltung des \u201eM\u00e4chtigen H\u00e4ufleins\u201c erkennen l\u00e4sst. Vielmehr h\u00f6ren wir Kammermusik, die sich ganz bewusst in eine lange Tradition stellt, die von Beethoven (Kopfsatz) \u00fcber zwei hochromantische S\u00e4tze bis zu einem ausufernden Finale mit einer mehrfach unterbrochenen, komplexen Fuge reicht. Wollte Rimsky-Korsakow hier Tanejews Postulat einer \u201e<em>eigenen nationalen Musik\u201c <\/em>[\u201eWas sollen die russischen Komponisten tun?\u201c (1879)], die nur durch kontrapunktische Auseinandersetzung mit dem russischen Lied denkbar sei, gerecht werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls nimmt das Brahms Trio Rimsky-Korsakows Komposition v\u00f6llig ernst, l\u00e4sst die Bez\u00fcge zur Tradition h\u00f6rbar werden, aber auch, dass der Komponist hier einen konsistenten, pers\u00f6nlichen Beitrag zur Geschichte des Klaviertrios in Russland geschaffen hat. Der erste Satz verbindet recht klassische Formung mit der elegischen Stimmung, die man etwa aus Rachmaninows gro\u00dfem, zweiten Trio kennt, das ein paar Jahre zuvor entstand; und das lange Finale gelingt absolut \u00fcberzeugend. Das St\u00fcck h\u00e4tte so heute durchaus das Zeug, selbstverst\u00e4ndlich ins Repertoire zu geh\u00f6ren. Klanglich spielen die drei K\u00fcnstler sehr differenziert; da, wo es die Partituren verlangen, andererseits homogener als manches aus Superstars quasi ad hoc zusammengestellte Klaviertrio. Die Dynamik wird \u00f6fters f\u00fcr eine bessere Durchh\u00f6rbarkeit zur\u00fcckgenommen; die Emotionalit\u00e4t und erkennbare Empathie f\u00fcr diese Wiederentdeckungen leiden jedoch nicht darunter. Die Aufnahmen aus dem ber\u00fchmten Konzertsaal des Moskauer Konservatorium sind keine Gro\u00dftat, was R\u00e4umlichkeit betrifft; das Klangbild findet dabei eine sehr angenehme Balance zwischen Hall und Durchsichtigkeit \u2013 insgesamt \u00e4u\u00dferst gelungen. Wer seinen Horizont in Sachen russischer Kammermusik erweitern m\u00f6chte, sollte hier auf jeden Fall zugreifen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, September 2021]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos 8.574114; EAN: 7 4731341147 4 Die dritte Folge der hochengagierten Naxos-Serie \u201eHistory of the Russian Piano Trio\u201c widmet das Moskauer Brahms Trio den Komponisten Alexander Borodin, C\u00e9sar Cui und Nikolai Rimsky-Korsakow. Zumindest eine gewichtige Entdeckung ist darunter. 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