{"id":4592,"date":"2021-10-17T23:18:00","date_gmt":"2021-10-17T21:18:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=4592"},"modified":"2021-10-24T15:37:26","modified_gmt":"2021-10-24T13:37:26","slug":"moritz-eggerts-fussballoratorium-endlich-auf-cd-die-tiefe-des-raumes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2021\/10\/17\/moritz-eggerts-fussballoratorium-endlich-auf-cd-die-tiefe-des-raumes\/","title":{"rendered":"Moritz Eggerts Fu\u00dfballoratorium endlich auf CD"},"content":{"rendered":"\n<p>NEOS 12009-10; EAN: 4 260063 120091<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Eggert-Fussballoratorium-NEOS.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Eggert-Fussballoratorium-NEOS-1024x917.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4593\" width=\"467\" height=\"417\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Eggert-Fussballoratorium-NEOS-1024x917.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Eggert-Fussballoratorium-NEOS-300x269.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Eggert-Fussballoratorium-NEOS-768x688.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Eggert-Fussballoratorium-NEOS-1536x1376.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Eggert-Fussballoratorium-NEOS.jpg 1648w\" sizes=\"(max-width: 467px) 100vw, 467px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Komponiert f\u00fcr die Ruhrtriennale 2005 im Hinblick auf die WM in Deutschland ein Jahr sp\u00e4ter, nahm sich die Musikakademie der Studienstiftung des deutschen Volkes Moritz Eggerts Fu\u00dfballoratorium \u201eDie Tiefe des Raumes\u201c 2019 als ihr j\u00e4hrliches Gro\u00dfprojekt vor. Die engagierte Auff\u00fchrung der jungen Musiker zusammen mit namhaften Gesangssolisten in der M\u00fcnchner Philharmonie unter der Leitung des Komponisten, dessen umfangreiches Vokal- und Opernschaffen auf Tontr\u00e4gern bislang v\u00f6llig unterrepr\u00e4sentiert erscheint, ist nun endlich auch als Live-Mitschnitt auf CD erh\u00e4ltlich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Moritz Eggert<\/em> (*1965) hat es mittlerweile auf \u2013 mindestens \u2013 17 Opern gebracht, und auch au\u00dferhalb des Musiktheaters spielt die Vokalmusik eine gewichtige Rolle. Meist traut sich der schon lange in M\u00fcnchen ans\u00e4ssige Komponist, durch gezielte Brechung und Konterkarieren gewisser Erwartungshaltungen des Publikums, wohlbekannte Genres klassischer Musik kritisch zu hinterfragen. Das h\u00e4lt sich bei seinem Fu\u00dfballoratorium <em>Die Tiefe des Raumes <\/em>\u2013 Teil des Kulturprogrammes der Weltmeisterschaft 2006 \u2013 wohltuend in Grenzen. Wie bei vielen abendf\u00fcllenden Oratorien gibt es zwei Teile, hier: <em>Erste Halbzeit \u2013 Zweite Halbzeit und Nachspielzeit<\/em>, gro\u00dfbesetzten Chor und Orchester, sowie ein Solistenquartett (Sopran, Mezzosopran, Tenor und Bariton), das noch um drei Sprecher erg\u00e4nzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>So umfasst der erz\u00e4hlerisch-dramatische Handlungsrahmen (Libretto: <em>Michael Klaus<\/em>) einerseits die Abl\u00e4ufe eines \u201erealen\u201c Fu\u00dfballspiels im Stil einer Rundfunkreportage: Zentrale Figur ist hierbei der Bariton als Journalist \u2013 ganz ausgezeichnet: <em>Hans Christoph Begemann<\/em> \u2013, stellvertretend f\u00fcr den Evangelisten in den bekannten Passions-Oratorien. Das Spiel wird au\u00dferdem von drei Sprechrollen (Reporter als <em>alter ego<\/em> des Journalisten, Trainer und Alt-Internationaler) und vor allem dem Chor, der in erster Linie die Zuschauer im Stadion verk\u00f6rpert, kommentiert. Eingeflochten in dieses konkrete Sportevent ist dann zus\u00e4tzlich die Erfolgs- bzw. Leidensgeschichte eines jungen, aufstrebenden Spielers bis zum entscheidenden WM-Treffer. Dies geschieht teils r\u00fcckblendenartig, sekundiert von den beiden allegorischen Figuren der Tugend und des Lasters (Sopran und Mezzo), aber auch durch Gedanken des Spielers (Tenor, anscheinend leicht indisponiert: <em>Simon Bode<\/em>) selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenig \u00fcberraschend nutzt Moritz Eggert \u2013 dessen Oratorium sich ausdr\u00fccklich nicht nur an ein klassik-affines Publikum wenden soll \u2013 als Klangcollage einiges an vertrauten Fan- bzw. Stadionges\u00e4ngen, inklusive St\u00fcckfetzen, die man regelm\u00e4\u00dfig auf mitgebrachten Instrumenten h\u00f6rt, und die ja bereits dort oft ironischen Charakter haben k\u00f6nnen <em>(\u201eWeine nicht, wenn ein T\u00f6rchen f\u00e4llt, damm damm\u2026\u201c<\/em>). Gro\u00dfartig sind auf jeden Fall die Farbigkeit und stilistische Vielfalt, die Chor und Orchester generell zu bew\u00e4ltigen haben. Die <em>Musikakademie der Studienstiftung des deutschen Volkes <\/em>\u2013 \u00fcberwiegend aus talentierten Laien zusammengesetzt \u2013 hat dies im Vorfeld mit Profi-Dozenten in S\u00fcdtirol perfekt einstudiert und musiziert unter der klaren Leitung von Eggert mit h\u00f6r- und sichtbarem Engagement: Der Rezensent hat die Auff\u00fchrung am 25.8.2019 live miterlebt. Das Niveau der Musikakademie bei solch dicken Schinken kann immer wieder nur erstaunen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die f\u00fcr die weiblichen Gesangssolisten (<em>Ania Vegry<\/em> und <em>Ruth-Maria Nicolay<\/em> geben ihr Bestes) bestimmte Musik karikiert zum Teil Opernhaftes bis ins L\u00e4cherliche, manches ist aber dann wieder hervorragend gelungen, beispielsweise die \u201eVerkl\u00e4rung\u201c \u2013 zum Gl\u00fcck keine Eins-zu-eins-Vertonung \u2013 von Giovanni Trapattonis ber\u00fchmtem Presseauftritt <em>(\u201eWas erlauben Strunz?\u201c<\/em>) als gro\u00dfe Sopranarie. Andere Anspielungen sind allerdings nur albern (<em>\u201eIch kenne des Menschen nicht. \u2013 Wahrlich, du bist auch einer von denen\u2026\u201c<\/em>) und reichen heute nicht mehr f\u00fcr eine echte Provokation des Publikums, wie noch 1985 Vergleichbares in Mauricio Kagels <em>Sankt-Bach-Passion<\/em>. Im Finale beweist Eggert, dass er durchaus ein eindrucksvolles Vokalensemble mit Chor komponieren kann. Insgesamt ist die Musik des mit knapp zwei Stunden etwas lang geratenen Werkes \u2013 besonders in der <em>Ersten Halbzeit <\/em>w\u00fcnschte man sich, dass es straffer voranginge \u2013 verst\u00e4ndlich, \u00fcber weite Strecken tonal und witzig, ohne sich billig anzubiedern. Als Reflexion \u00fcber das gesellschaftliche Ph\u00e4nomen Fu\u00dfball werden etliche Aspekte angesprochen. Allzu bei\u00dfender Sarkasmus, wie etwa in Peter E\u00f6tv\u00f6s\u2018 <em>Halleluja \u2013 Oratorium balbulum <\/em>(2016), bleibt dem H\u00f6rer erspart.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Studienstiftung war das aufw\u00e4ndige Konzert leider nicht ganz der erwartete Erfolg: H\u00e4tte man ein Jahr zuvor mit Mahlers <em>Achter<\/em> wohl das sprichw\u00f6rtliche Fu\u00dfballstadion f\u00fcllen k\u00f6nnen, war die M\u00fcnchner Philharmonie bei Eggert nur zu 30% ausgelastet \u2013 unter <em>Tiefe des Raumes <\/em>hatten sich die Veranstalter sicherlich etwas anderes vorgestellt. Dass vielen da eine wirklich mutige und gelungene Darbietung entgangen ist, zeigt die in \u00fcblich hoher NEOS-Qualit\u00e4t aufgemachte CD-Ver\u00f6ffentlichung, die nun Gelegenheit bietet, das Verpasste nachzuholen \u2013 \u00e4u\u00dferst unterhaltsam ist das allemal. Aufnahmetechnisch wurde die riesige Besetzung recht \u00fcberzeugend eingefangen \u2013 lediglich der Chor klingt gegen\u00fcber den deutlich im Vordergrund agierenden Solisten ein wenig topfig. Gl\u00fccklicherweise enth\u00e4lt das Booklet auch das komplette Libretto.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, Oktober 2021]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NEOS 12009-10; EAN: 4 260063 120091 Komponiert f\u00fcr die Ruhrtriennale 2005 im Hinblick auf die WM in Deutschland ein Jahr sp\u00e4ter, nahm sich die Musikakademie der Studienstiftung des deutschen Volkes Moritz Eggerts Fu\u00dfballoratorium \u201eDie Tiefe des Raumes\u201c 2019 als ihr j\u00e4hrliches Gro\u00dfprojekt vor. 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