{"id":4674,"date":"2021-11-29T23:42:00","date_gmt":"2021-11-29T22:42:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=4674"},"modified":"2021-11-30T01:30:15","modified_gmt":"2021-11-30T00:30:15","slug":"im-garten-der-gefuehle-englische-vokalmusik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2021\/11\/29\/im-garten-der-gefuehle-englische-vokalmusik\/","title":{"rendered":"Im\u00a0Garten\u00a0der\u00a0Gef\u00fchle"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Im folgenden Beitrag stellt Karin Coper drei im Laufe dieses Jahres erschienene CDs vor, die einen Eindruck davon vermitteln, auf welch verschiedene Weise englischsprachige Dichtung Komponisten des 20. Jahrhunderts zu Liedkompositionen angeregt hat. Das Duo Dal\u00f9na widmet sich Zyklen von Roger Quilter, Benjamin Britten und Michael Head. Jodie Devos und Nicolas Kr\u00fcger haben ein Programm mit Liedern englischer und nichtenglischer Komponisten auf Texte englischer Dichter zusammengestellt. Die erste Gesamteinspielung der Lieder des irischen Komponisten John F. Larchet wurde von Musikerinnen und Musikern um den Pianisten Niall Kinsella vorgelegt. (d. Red.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>A Song in the Woods<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Prospero, PROSP 0015; EAN: 0 630835 523841<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Cover-A-song-in-the-wood.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Cover-A-song-in-the-wood-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4675\" width=\"448\" height=\"448\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Cover-A-song-in-the-wood-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Cover-A-song-in-the-wood-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Cover-A-song-in-the-wood-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Cover-A-song-in-the-wood-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Cover-A-song-in-the-wood.jpg 1414w\" sizes=\"(max-width: 448px) 100vw, 448px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eSieh, die Berge k\u00fcssen den Himmel. \u2026Und die Strahlen des Mondes k\u00fcssen das Meer: Doch was sind all diese K\u00fcsse wert, wenn Du mich nicht k\u00fcsst?\u201c Diese Zeilen stammen aus dem Gedicht <em>Love&#8217;s Philosophy<\/em>, das der Romantiker Percy Bysshe Shelley 1819 publizierte. Den englischen Komponisten Roger Quilter inspirierte das Poem 1905 zu einer ekstatischen Hymne und sie stimmt perfekt ein auf eine musikalische Reise, die das Schweizer Duo Dal\u00f9na in seinem Album <em>A Song in the wood<\/em> unternimmt. Sie f\u00fchrt durch die Natur Gro\u00dfbritanniens und ist ein im \u00fcbertragenen Sinn metaphorischer Gang durch Seelenlandschaften, Liebesgl\u00fcck und -leid. F\u00fcr diese Exkursion konzentrieren sich der Tenor Remy Burnens und die Pianistin Cl\u00e9mence Hirt auf St\u00fccke von vier Komponisten aus der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts, die sich formal, thematisch und durch die R\u00fcckbesinnung auf musikalische Traditionen \u00e4hneln. Quilters Zyklus <em>To Julia<\/em>, der auf autobiographisch get\u00f6nten, im 17. Jahrhundert verankerten Liebesverse des dichtenden Theologen Robert Herrick basiert, besteht aus melodi\u00f6sen Miniaturen, unterbrochen von zwei rein instrumentalen Einsch\u00fcben. In Benjamin Brittens erstem Vokalzyklus <em>On This Island<\/em> aus dem Jahr 1937 verbinden sich Einfl\u00fcsse von Henry Purcell, dem er sich besonders verbunden f\u00fchlte, mit volksliedhafter Einfachheit. Von Melancholie durchzogen ist hingegen Michael Heads im ersten Weltkrieg entstandener Zyklus <em>Over the Rim of the Moon<\/em>. In den betont einfach strukturierten Ges\u00e4ngen spiegelt sich die Trauer \u00fcber den Tod der Geliebten wider. Remy Burnens tr\u00e4gt die Lieder mit klarem, resonanzreichem Tenor vor, forciert nur manchmal in den H\u00f6hen. Seine Artikulation indes ist vortrefflich und auch die gestalterische Einheit von Musik und Text gelungen: ob schw\u00e4rmerisch bei <em>To Julia<\/em>, dynamisch nuanciert in <em>A Blackbird Singing<\/em>, schlicht im A-cappella-Solo <em>The Singer<\/em> oder jubelnd in <em>Let the Florid Music Praise!<\/em> Durch ihr feinf\u00fchliges Klavierspiel unterstreicht Cl\u00e9mence Hirt die Stimmungen, dazu ist sie eine eigenst\u00e4ndige Partnerin im musikalischen Zwiegespr\u00e4ch zwischen Gesang und Instrument, selbst wenn der Pianopart sich nur aufs Wesentliche beschr\u00e4nkt. Die sch\u00f6ne Aufnahme wird durch ein optisch ausgesprochen ansprechend gestaltetes Booklet komplettiert. Es ist mit Naturimpressionen illustriert, bietet eine kluge Einf\u00fchrung und alle Textabdrucke. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>And Love said&#8230;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alpha Classics, ALPHA668; EAN: 3 760014 196683<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Cover-Jodie-Devos-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Cover-Jodie-Devos-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4678\" width=\"451\" height=\"451\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Cover-Jodie-Devos-1.jpg 900w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Cover-Jodie-Devos-1-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Cover-Jodie-Devos-1-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Cover-Jodie-Devos-1-768x768.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 451px) 100vw, 451px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Als einen pers\u00f6nlich gef\u00e4rbten Streifzug durch englischsprachige Vokalwelten, der auch Lieder von nicht-britischen Komponisten einbezieht, bezeichnet Jodie Devos ihr neues Album <em>And Love said&#8230;<\/em> Ganz anders als in ihrem Deb\u00fct-Recital, in dem sie in Offenbach-Arien ihre Virtuosit\u00e4t herausstellte, zeigt sich die belgische Sopranistin im zweiten intimer, introspektiver \u2013 aber nicht weniger \u00fcberzeugend. Das abwechslungsreiche Programm, das thematisch um die Liebe kreist und mit zwei \u00dcberschneidungen zu einem Vergleich mit <em>A Song in the Wood<\/em> einl\u00e4dt, nimmt Bezug auf Stationen ihres Werdegangs. Beispielsweise Brittens <em>On This Island<\/em>, mit dem sie den zweiten Preis des renommierten Gesangswettbewerbs Concours International Reine Elisabeth gewann. Oder Ivor Gurneys <em>Spring<\/em> aus den <em>Five Elizabethan Songs<\/em>, mit dem sie in London die Aufnahmepr\u00fcfung bestand. Auch die zwei Oscar-Wilde-Vertonungen, die Patrick Leterme speziell f\u00fcr die stimmlichen M\u00f6glichkeiten ihres bis in stratosph\u00e4rische H\u00f6hen reichenden Soprans komponierte, haben einen biographischen Hintergrund. Der Belgier war Pianist bei ihrem ersten Wettbewerb und verschaffte ihr das professionelle B\u00fchnendeb\u00fct. Mit zwei impressionistisch anmutenden Liedern von Regine Wieniawski geht die S\u00e4ngerin zur\u00fcck zu ihren Wurzeln und erinnert an eine vergessene Landsfrau, die Anfang des 20. Jahrhunderts unter dem Pseudonym Poldowski ihre Werke ver\u00f6ffentlichte, weil sie unabh\u00e4ngig von ihrem Vater, dem polnischen Stargeiger Henryk Wieniawski, anerkannt werden wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die St\u00fccke sind stilistisch vielf\u00e4ltig, doch Jodie Devos kennt keine technischen und interpretatorischen Grenzen und ihr Sopran, dem manchmal ein reizvolles Vibrato eigen ist, kann organisch zwischen purer Reinheit und schillernden Farben wechseln. Sie beherrscht die Kunst der feinsten Schattierungen, \u00dcberg\u00e4nge und dynamischen Finessen. Zart flie\u00dfend und beseelt ist ihr Vortrag von Darius Milhauds beiden Liebesliedern, voller Emphase Frank Bridges <em>Love went a-riding<\/em> und Roger Quilters <em>Love\u2019s Philosophy<\/em>. Sie hat ein Gef\u00fchl f\u00fcr das spanische Kolorit und den l\u00e4ssigen Jazz in William Waltons Dreiteiler <em>Fa\u04abade<\/em> und am Ende demonstriert sie, wie ein Popst\u00fcck mit einer Opernstimme Wirkung erzielen kann: Freddie Mercurys <em>You take my breath away<\/em> singt sie ganz zur\u00fcckgenommen bis zum fast verl\u00f6schenden Schluss, einfach wundersch\u00f6n. Dabei wird die S\u00e4ngerin vom Pianisten Nicolas Kr\u00fcger kongenial unterst\u00fctzt. Wie sich die beiden die B\u00e4lle zuspielen und zusammen subtilste Kl\u00e4nge zaubern, zeugt von gleichberechtigter Partnerschaft und geh\u00f6rt zu den vielen Vorz\u00fcgen dieses Recitals.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>John Francis Larchet: S\u00e4mtliche Lieder<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Champs Hill Records, CHRCD151; EAN: 5 060212 591586<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Larchet-Cover.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Larchet-Cover.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4677\" width=\"450\" height=\"450\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Larchet-Cover.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Larchet-Cover-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Larchet-Cover-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein Ausflug nach Irland rundet die Erkundung englischsprachigen Liedguts ab. Dabei geht es nicht um traditionellen Irish Folk, mit der die Musik des Inselstaats meist gleichgesetzt wird, sondern um klassische Vokalsch\u00f6pfungen. Im Zentrum steht der 1884 geborene Komponist John F. Larchet, ein hierzulande Unbekannter, im Musikleben der irischen Republik aber eine Schl\u00fcsselfigur. Zum einen belebte er als k\u00fcnstlerischer Direktor des Dubliner Abbey Theatre zwischen 1908 und 1935 mit seinen B\u00fchnenmusiken viele historische Dramen des Landes. Zum anderen pr\u00e4gte er als Musikprofessor zwei Generationen Studierender an der Royal Irish Academy of Music und am University College Dublin, eine Position, die er fast 40 Jahre innehatte. Und nicht zuletzt stammt von ihm die Bearbeitung der Nationalhymne, die bis heute offiziell gespielt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl er gegen\u00fcber den Novit\u00e4ten seiner Sch\u00fclerschaft ein stets aufgeschlossener Lehrer war, blieb er stilistisch selbst konservativ. \u00dcberhaupt machte er sich vorwiegend durch Arrangements von \u00fcberlieferten und folkloristischen Weisen einen Namen. Sein ureigenes Schaffen ist hingegen nicht sehr umfangreich und besteht haupts\u00e4chlich aus Vokalmusik. Darunter sind siebzehn Originallieder, in der Mehrzahl schlichte, nostalgisch get\u00f6nte Melodien, manche folkloristisch inspiriert, andere kunstvoller gesetzt. Dank der Initiative des Pianisten Niall Kinsella, der sich mit Larchets Oeuvre seit Studienzeiten besch\u00e4ftigt, sind diese <em>Complete Songs&nbsp;&amp;&nbsp;Airs<\/em>, so der Titel des Albums, nun erstmals in ihrer Gesamtheit aufgenommen worden, kombiniert mit zwei jeweils sechsteiligen <em>Irish Airs<\/em> f\u00fcr Geige und Klavier. Kinsella ist mit seiner kundigen wie empfindsamen Begleitung fraglos die Seele des Projekts und er hat sich mit der Mezzosopranistin Raphaela Mangan und dem Bariton Gavan Ring ein irischst\u00e4mmiges Gesangsduo ins Boot geholt, das Authentizit\u00e4t und stilsicheres Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen f\u00fcr die heimatlichen Songs mitbringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Auftakt der Einspielung bildet \u00fcbrigens Larchets Vertonung des eingangs zitierten Shelley-Gedichts. <em>The Philosophy of Love<\/em> hei\u00dft die Arie, und \u00e4hnlich wie Quilters Version handelt es sich um eine leidenschaftliche Liebeserkl\u00e4rung mit feuriger Klavierbegleitung. Womit sich der Kreis schlie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Karin Coper, November 2021]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im folgenden Beitrag stellt Karin Coper drei im Laufe dieses Jahres erschienene CDs vor, die einen Eindruck davon vermitteln, auf welch verschiedene Weise englischsprachige Dichtung Komponisten des 20. Jahrhunderts zu Liedkompositionen angeregt hat. Das Duo Dal\u00f9na widmet sich Zyklen von Roger Quilter, Benjamin Britten und Michael Head. 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