{"id":4711,"date":"2021-12-19T23:52:00","date_gmt":"2021-12-19T22:52:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=4711"},"modified":"2021-12-20T14:32:44","modified_gmt":"2021-12-20T13:32:44","slug":"pendereckis-streichquartette-in-engagierter-darbietung-tippett-quartet","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2021\/12\/19\/pendereckis-streichquartette-in-engagierter-darbietung-tippett-quartet\/","title":{"rendered":"Pendereckis Streichquartette in engagierter Darbietung"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos, 8.574288; EAN: 7 47313 42887 8<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Penderecki-Streichquartette-Tippett-Quartet-Naxos.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Penderecki-Streichquartette-Tippett-Quartet-Naxos-1024x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4712\" width=\"460\" height=\"460\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Penderecki-Streichquartette-Tippett-Quartet-Naxos-1024x1024.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Penderecki-Streichquartette-Tippett-Quartet-Naxos-300x300.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Penderecki-Streichquartette-Tippett-Quartet-Naxos-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Penderecki-Streichquartette-Tippett-Quartet-Naxos-768x768.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Penderecki-Streichquartette-Tippett-Quartet-Naxos.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 460px) 100vw, 460px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Kurz nach dem Tod des polnischen Komponisten hat das britische Tippett Quartet s\u00e4mtliche Werke Krzysztof Pendereckis f\u00fcr Streichquartett sowie das Streichtrio auf Naxos eingespielt. Eine rundum \u00fcberzeugende Darbietung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Popularit\u00e4t der Musik <em>Krzysztof Pendereckis<\/em> (1933\u20132020) scheint seinen Tod zu \u00fcberdauern. Bemerkenswert, dass sich die fr\u00fchen, zumindest klanglich avantgardistischen Kompositionen bis zur Mitte der 1970er Jahre fast der gleichen Beliebtheit bei Musikern und Rezipienten erfreuen wie die sp\u00e4teren, mehr tonalen und vielfach an Traditionen der Sp\u00e4tromantik ankn\u00fcpfenden Werke. Man muss nat\u00fcrlich die ab dem 1. Violinkonzert von 1977 zunehmend eklektizistische Schreibweise nicht m\u00f6gen, aber Pendereckis Ausdruckskraft als solche ist kaum infrage zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Schaffen f\u00fcr Streichquartett erscheint demzufolge zweigeteilt: Den der mehr oder weniger avantgardistischen Periode zuzurechnenden Quartetten Nr.&nbsp;1 und 2 (1960 bzw. 1968) folgten 20 Jahre, in denen der Komponist bis auf kurze Gelegenheitswerke \u2013 wie das Geburtstagsst\u00e4ndchen <em>Per Slava <\/em>f\u00fcr Mstislaw Rostropowitsch (Cello solo) \u2013 Kammermusik g\u00e4nzlich aus dem Auge verlor. Dazu geh\u00f6rt wohl noch das nur zweimin\u00fctige Quartettst\u00fcck <em>Der unterbrochene Gedanke <\/em>(1988). Doch mit dem Streichtrio von 1990\/91 begann eine ganze Reihe teils recht umf\u00e4nglicher Werke \u2013 vor allem im Jahre 2000 die zweite Violinsonate und das Sextett. Das 3. Streichquartett von 2008 <em>\u201eBl\u00e4tter eines nicht geschriebenen Tagebuches\u201c <\/em>dauert dann l\u00e4nger als die beiden ersten Quartette zusammen, wobei hingegen das 4. Quartett von 2016 wieder recht kurz gehalten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das britische <em>Tippett Quartet <\/em>besteht bereits seit 1998, h\u00e4lt in seinem Repertoire eine gute Balance zwischen Althergebrachtem und Musik der letzten hundert Jahre, und hat f\u00fcr verschiedene Labels bislang ca.\u00a030 CDs eingespielt. Beim ersten <em>Quartetto per archi<\/em> Pendereckis, dessen Beginn durch eine Vielzahl unterschiedlichster \u2013 oft vordergr\u00fcndig ger\u00e4uschhafter \u2013 Spieltechniken gepr\u00e4gt ist, wobei unterschwellig zunehmend musikalische Spannung aufgebaut wird, ist die alte DG-Aufnahme mit dem <em>LaSalle Quartet<\/em> nach wie vor unerreicht. Das ph\u00e4nomenal klug disponierende Ensemble frisst sich in derart hinrei\u00dfender Weise durch den Ger\u00e4uschdschungel, hin zu der folgenden, ruhiger ablaufenden Sph\u00e4re, rhythmisch bis ins letzte Detail \u00fcberzeugend, dass dies so anscheinend weder halbwegs nachzuahmen, geschweige denn zu toppen ist. Hier schl\u00e4gt sich das <em>Tippett Quartet<\/em> wacker, bleibt freilich dynamisch zu undifferenziert, um eine Entwicklung anzudeuten \u2013 im letzten Teil f\u00fchlt man sich offensichtlich wohler. Schon beim zweiten Quartett wirkt die Imagination dieser anfangs erneut irritierenden Klangwelten viel schl\u00fcssiger; alles f\u00fcgt sich in ein vorausgedachtes Konzept, das Ideen von Ligeti aufnimmt, gleichzeitig etwa Anspielungen an das <em>Capriccio per Siegfried Palm <\/em>f\u00fcr Solocello aus demselben Jahr bereith\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das dritte Quartett ist eine v\u00f6llig andere Welt: Nicht wirklich Neo-Romantik, jedoch mit tonalen Wurzeln und Quasi-Zitaten j\u00fcdischer Melodik. Somit ist diese Musik, die offen und scheinbar zu fr\u00fch endet, viel n\u00e4her an den autobiographisch gepr\u00e4gten Streichquartetten Schostakowitschs dran als am Penderecki der 1960er. Hier zeigt das <em>Tippett Quartet<\/em> seine ganze St\u00e4rke: Emotional dicht, dabei ergreifend ohne zu romantisieren \u2013 wie es das polnische <em>Royal String Quartet <\/em>in seiner Aufnahme von 2012 \u00fcber weite Strecken macht. Knapp und klanglich deutlich ausged\u00fcnnter gibt sich das letzte Quartett, das aus einem einleitenden <em>Andante<\/em> von nur anderthalb Minuten und einem 4\u00bd-min\u00fctigen <em>Vivo<\/em> mit konsequent motivischer Arbeit besteht, und eine ebenso abgerundete Darbietung erf\u00e4hrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die eigentliche \u00dcberraschung der CD ist allerdings das <em>Streichtrio<\/em> von 1991: Was f\u00fcr ein beeindruckender, engagierter Vortrag! Zwar benutzt Penderecki auch hier wieder die f\u00fcr ihn \u2013 nicht erst in den gem\u00e4\u00dfigten Werken der Sp\u00e4tphase \u2013 so typischen Intervallfolgen \u00fcber Geb\u00fchr, was schnell erm\u00fcden k\u00f6nnte; trotzdem ist das zweis\u00e4tzige St\u00fcck \u00e4u\u00dferst spannungs- und beziehungsreich, l\u00e4sst dem Zuh\u00f6rer in seiner Direktheit kaum Zeit zum Atmen: pure Ausdrucksmusik, fast etwas altmodisch. Insgesamt gelingt den technisch perfekten Briten eine durchaus gelungene Werkschau von Pendereckis Besch\u00e4ftigung mit dem Genre. Da die Aufnahmetechnik untadelig ist und der Booklettext vom erfahrenen Richard Whitehouse kompakt und informativ, verdient das Album eine klare Empfehlung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vergleichsaufnahmen: [<\/strong>Streichquartett Nr. 1] LaSalle Quartet (DG 423 245-2, 1967); [Streichquartette Nr. 1-3] Royal String Quartet (Chandos CDA67943, 2012)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, Dezember 2021]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos, 8.574288; EAN: 7 47313 42887 8 Kurz nach dem Tod des polnischen Komponisten hat das britische Tippett Quartet s\u00e4mtliche Werke Krzysztof Pendereckis f\u00fcr Streichquartett sowie das Streichtrio auf Naxos eingespielt. Eine rundum \u00fcberzeugende Darbietung. Die Popularit\u00e4t der Musik Krzysztof Pendereckis (1933\u20132020) scheint seinen Tod zu \u00fcberdauern. 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