{"id":472,"date":"2016-01-27T21:34:04","date_gmt":"2016-01-27T20:34:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=472"},"modified":"2016-01-27T21:34:40","modified_gmt":"2016-01-27T20:34:40","slug":"geheimtipp-des-verismo","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/01\/27\/geheimtipp-des-verismo\/","title":{"rendered":"Geheimtipp des Verismo"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">CPO <span id=\"hnum\">7089707<\/span>; EAN: 7 61203 79602 1<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Georg0001.jpg\" rel=\"attachment wp-att-473\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-473\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Georg0001-300x271.jpg\" alt=\"Georg0001\" width=\"300\" height=\"271\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Georg0001-300x271.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Georg0001.jpg 578w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Stilrichtung des italienischen Verismo ist heute v. a. durch Opernkomponisten wie Giacomo Puccini, Pietro Mascagni, Ruggiero Leoncavallo oder Umberto Giordano bekannt. Der 1883 geborene Riccardo Zandonai dagegen, seines Zeichens selbst Mascagni-Sch\u00fcler, ist heute fast v\u00f6llig vergessen. Von seinen insgesamt elf Opern d\u00fcrfte der tragische Vierakter \u201aFrancesca da Rimini\u2019 allerdings jenes sein, welches Kennern noch am ehesten gel\u00e4ufig ist. Eine Aufnahme mit Ausschnitten aus der \u201aFrancesca\u2019 unter dem Label Decca mit der Verismo-Diva Magda Olivero und dem ber\u00fchmten florentinischen Tenor Mario del Monaco aus den sp\u00e4ten 60er Jahren ist legend\u00e4r. Die Geschichte um Francesca, welche sich gegen die arrangierte Ehe auflehnt und letztlich f\u00fcr ihre wahre Liebe stirbt, obendrein am Schauplatz eines von politischen Machtk\u00e4mpfen zerr\u00fctteten Italien im fr\u00fchen 14. Jahrhundert, hat auf den ersten Blick alles, was das Erfolgsrezept einer guten Oper ausmacht. Doch hatte es Zandonais Musikdrama seit seiner Urauff\u00fchrung am 19. Februar 1914 in Turin schwer, sich einen Repertoireplatz auf den B\u00fchnen der Welt zu sichern, zumal das damals allm\u00e4hlich aufkommende Medium des Films eine ernstzunehmende Konkurrenz darstellte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die vorliegende cpo-Einspielung mit dem Philharmonischen Orchester Freiburg unter der Leitung von Fabrice Bollon d\u00fcrfte die erste Studioproduktion der kompletten Oper auf kommerziellem Tontr\u00e4ger sein. Allein dieser Umstand kann gar nicht hoch genug gelobt werden. Sowohl das instrumentale Klangbild als auch die musikalische Verwendung der Singstimmen und des Chores erinnern in ihrer eindr\u00fccklichen Klangf\u00fclle und -gewalt an die Tonsprache anderer Zeitgenossen, wie vor allem Vittorio Gnecchi oder Richard Strauss. Gerade das leidenschaftliche Duett \u201eNo, Smaragdi, no! &#8230; Inghirlandata di violette\u201c aus dem dritten Akt, sowie das dramatische Finale der Oper, bei welchem beide Portaganisten ermordet werden, hinterlassen in dieser Hinsicht einen bleibenden Eindruck. In Bezug auf die alte Decca-Einspielung kommt besonders bei der Besetzung der Hauptdarsteller ein leichtes D\u00e9j\u00e0-vu-Gef\u00fchl auf. Der in der Rolle von Francescas Liebhaber deb\u00fctierende deutsch-brasilianische Tenor Martin M\u00fchle \u00fcberrascht mit frappierender \u00c4hnlichkeit zu Mario del Monacos bronzenem Timbre. Trotz insgesamt beachtlicher Leistung neigt seine klanggewaltige Stimme allerdings gelegentlich etwas dazu, sich in einem durchg\u00e4ngigen Forte zu verfestigen (interessanterweise eine Eigenart, die man auch bei del Monaco \u00f6fters beobachten kann). Christina Vasileva als lyrisch-dramatische Francesca reicht in ihrem Ausdrucksreichtum zwar nicht an Legenden wie die Olivero heran, vermag aber dessen ungeachtet durch ihre einf\u00fchlsame Stimmf\u00e4rbung und -f\u00fchrung sehr zu gefallen. Ihre gef\u00fchlvollen Piani, zumal in den sehnend romantischen Passagen, sind besonderer Erw\u00e4hnung wert. Anders als ihrem Kollegen M\u00fchle gelingt es ihr auch besser, ein differenzierteres Charakterbild ihrer Rolle zu zeichnen. Das Freiburger Orchester unter Bollon ist f\u00fcr seine ausgesprochen solide Leistung besonders zu w\u00fcrdigen. Der Dirigent versteht es dabei auf hervorragende Art und Weise, die dramatischen Untiefen der Partitur filigran auszuloten und den geb\u00fcndelten Klangk\u00f6rper der 84 Musiker mit der n\u00f6tigen Transparenz spielen zu lassen. Alles in allem eine unbedingt h\u00f6renswerte Einspielung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>[Georg Glas, Januar 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CPO 7089707; EAN: 7 61203 79602 1 Die Stilrichtung des italienischen Verismo ist heute v. a. durch Opernkomponisten wie Giacomo Puccini, Pietro Mascagni, Ruggiero Leoncavallo oder Umberto Giordano bekannt. Der 1883 geborene Riccardo Zandonai dagegen, seines Zeichens selbst Mascagni-Sch\u00fcler, ist heute fast v\u00f6llig vergessen. 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