{"id":4767,"date":"2022-01-08T01:53:00","date_gmt":"2022-01-08T00:53:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=4767"},"modified":"2022-01-09T15:29:30","modified_gmt":"2022-01-09T14:29:30","slug":"einblicke-in-schuberts-werkstatt-raritaeten-aus-dem-klavierschaffen-fragmente-wojciech-waleczek","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2022\/01\/08\/einblicke-in-schuberts-werkstatt-raritaeten-aus-dem-klavierschaffen-fragmente-wojciech-waleczek\/","title":{"rendered":"Einblicke in Schuberts Werkstatt: Rarit\u00e4ten aus dem Klavierschaffen"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos, 8.574135; EAN: 7 47313 41357 7<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchubertFragmenteWaleczek.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchubertFragmenteWaleczek.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4768\" width=\"468\" height=\"464\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchubertFragmenteWaleczek.jpg 600w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchubertFragmenteWaleczek-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/SchubertFragmenteWaleczek-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 468px) 100vw, 468px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>In Einspielungen aus dem Juli 2020 pr\u00e4sentiert der polnische Pianist Wojciech Waleczek eine vielseitige Auswahl von kleineren St\u00fccken und Rarit\u00e4ten aus Schuberts Klavierschaffen. Neben den beiden Scherzi D 593 findet man hier u.&nbsp;a. fr\u00fche Werke wie die Mozarts Vorbild nachvollziehende Fantasie D 2E und wohl im Rahmen des Unterrichts bei Antonio Salieri entstandene Fugenstudien bis hin zu den beiden eventuell als Teil einer Klaviersonate konzipierten Klavierst\u00fccken D 916 B und C aus dem Jahre 1827.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In den nur 31 Jahren seines Lebens hat Franz Schubert eine schier unglaubliche Produktivit\u00e4t an den Tag gelegt; rund 1000 Werke hat er insgesamt geschaffen (oder jedenfalls begonnen). Neben den zeitlosen Meisterwerken seiner letzten Lebensjahre bietet auch sein (tendenziell untersch\u00e4tztes) Fr\u00fchwerk viel H\u00f6renswertes, ja Kostbares. Und schlie\u00dflich hat er obendrein unz\u00e4hlige Fragmente und Skizzen hinterlassen. Oft wird diesen Entw\u00fcrfen mit einer gewissen Skepsis begegnet, doch tats\u00e4chlich kann die Besch\u00e4ftigung mit ihnen ausgesprochen lohnenswert sein: Zum einen erh\u00e4lt man durch sie oft einen faszinierenden Einblick in Schuberts Werkstatt und kann diverse Entwicklungen in seinem Schaffen nachvollziehen, ihm beim Probieren und Reifen zusehen, zum anderen kann man selbst in diesen nie vollendeten, verworfenen Werken so viel Sch\u00f6nes finden, dass es nur zu schade w\u00e4re, diese Musik beiseite zu legen. Die sogenannte \u201eUnvollendete\u201c, der Quartettsatz in c-moll oder die \u201eReliquie\u201c bilden da nur die Spitze des Eisbergs.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die diskographische Situation mit Blick auf diese Rarit\u00e4ten kurz zu umrei\u00dfen: das sinfonische Schaffen kann man heute als vollst\u00e4ndig auf CD erschlossenen betrachten; mit der j\u00fcngst erschienenen CPO-Box unter der Leitung von Michi Gaigg sind nun auch die ganz fr\u00fchen Fragmente verf\u00fcgbar, die Schuberts Weg zu seiner ersten Sinfonie illustrieren. Den Weg zur \u201egro\u00dfen Sinfonie\u201c freilich kann man durch diese Box nur ansatzweise nachvollziehen, da man sich auf Werke beschr\u00e4nkt hat, die man in Schuberts Original spielen kann (verschiedene andere Entw\u00fcrfe bed\u00fcrfen z.B. einer Orchestrierung), doch gibt es Alternativen, die auch diese Werke in den von Brian Newbould oder Peter G\u00fclke erstellten Auff\u00fchrungsfassungen bieten, und so lange klar ist, in welchem Grade hier erg\u00e4nzend eingegriffen wurde, sind diese \u201eRekonstruktionen\u201c v\u00f6llig legitim und oft sogar sehr aufschlussreich. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich bei den Streichquartetten; hier bietet insbesondere die MDG-Box mit dem Leipziger Streichquartett eine sehr umfassende Darstellung.<\/p>\n\n\n\n<p>Komplizierter wird es bei den Klavierwerken. Das beginnt bereits bei den Sonaten: je nach Wahl der Einspielung wird man eine ganz unterschiedliche Zahl von Werken pr\u00e4sentiert bekommen, die Fragmente werden teils ohne, teils mit (mal mehr, mal weniger \u00fcberzeugenden) Erg\u00e4nzungen pr\u00e4sentiert. In manchen F\u00e4llen gibt es auch Zweifel daran, welche S\u00e4tze tats\u00e4chlich welcher Sonate zuzuordnen sind, und wom\u00f6glich handelt es sich auch bei einigen weiteren Fragmenten faktisch um Entw\u00fcrfe von Sonaten. Bleibt man \u2013 wie im Falle der vorliegenden CD \u2013 beim Label Naxos, so kann man f\u00fcr einen \u00dcberblick \u00fcber die fragmentarisch \u00fcberlieferten Sonaten etwa auf Gottlieb Wallischs Einspielungen zur\u00fcckgreifen. Und schlie\u00dflich gibt es noch eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von kleineren Klavierwerken, die zum Teil eher sp\u00e4rlich auf CD dokumentiert sind und nicht auf jeder als Gesamteinspielung deklarierten CD-Box auch wirklich enthalten sind. (Tats\u00e4chlich sind manche dieser Werke erst im Laufe des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt bzw. als eigenst\u00e4ndige Werke identifiziert worden.)<\/p>\n\n\n\n<p>Hier kn\u00fcpft die neue CD-Einspielung des Pianisten Wojciech Waleczek, Professor am Schlesischen Konservatorium Katowice und bei Naxos schon mehrfach auf CD vertreten, an. Am bekanntesten sind sicherlich die einleitenden <em>Zwei Scherzi D 593<\/em> aus dem November 1817, charmante, f\u00fcr Schuberts Musik jener Jahre sehr charakteristische F\u00fcnfmin\u00fcter (man denke etwa an die <em>Sinfonien Nr. 5 und 6<\/em>). Die sechsmin\u00fctige <em>Fantasie c-moll D 2E<\/em> ist eine von Schuberts ersten \u00fcberlieferten Kompositionen, vermutlich in der ersten H\u00e4lfte des Jahre 1811 entstanden. Die Parallelen zu Mozarts <em>Fantasie c-moll KV 475<\/em> sind offensichtlich bis hin zu einer Reihe von direkten Zitaten. Nat\u00fcrlich reicht das Werk nicht an das Vorbild heran, aber f\u00fcr einen gerade einmal 14-j\u00e4hrigen Sch\u00fcler, der damals seine ersten ernsthaften Kompositionsversuche unternahm, ist es dennoch eine sehr h\u00fcbsche Talentprobe.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei dem <em>Allegro E-Dur D 154<\/em> handelt es sich um die Urfassung des ersten Satzes der <em>Klaviersonate Nr. 1 E-Dur D 157<\/em>, die Schubert im Februar 1815 nur eine Woche nach diesem ersten Entwurf in Angriff nahm. Schubert \u00fcbernahm das zweite Thema und den Beginn der Durchf\u00fchrung in die endg\u00fcltige Version der Sonate, aber die Parallelen gehen noch weiter, denn auch zwischen dem Beginn von D 154 und demjenigen von D 157 sind gewisse \u00c4hnlichkeiten un\u00fcberh\u00f6rbar; so werden etwa die aufsteigenden Skalen in D 154 durch aufsteigende Dreiklangsbrechungen ersetzt. Einige harmonische K\u00fchnheiten wie der pl\u00f6tzlich auftretende Fortissimo-D-Dur-Akkord in Takt 54 werden in D 157 gegl\u00e4ttet, und insgesamt wirkt die Endfassung vielleicht weniger virtuos, weniger k\u00fchn, aber sicherlich runder.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der wohl um 1821 bis 1823 entstandenen <em>Fantasie C-Dur D 605<\/em> (nicht zu verwechseln mit der <em>Grazer Fantasie D 605A<\/em>) hat es eine besondere Bewandtnis, denn hier handelt es sich um ein offenbar unvollst\u00e4ndig \u00fcberliefertes Manuskript, und es scheint, dass sowohl vor als auch nach dem heute bekannten Notentext Seiten verloren gegangen sind. Insbesondere geht die Bezeichnung <em>Fantasie<\/em> genau genommen nicht auf Schubert selbst zur\u00fcck, und es ist nicht einmal sicher, dass es sich wirklich um ein Klavierst\u00fcck handelt (es k\u00f6nnte sich z.B. auch um die Klavierskizze zu einem Orchesterwerk handeln). \u00dcberliefert ist also ein tastender Beginn mit arpeggierten verminderten Akkorden und sich allm\u00e4hlich entwickelnder bl\u00fchender Melodik, ein leicht marschartiges <em>Allegro moderato<\/em> mit verwandter Thematik sowie ein dunkler get\u00f6ntes <em>Andantino<\/em> in h-moll (mit einer charakteristischen chromatischen Sechzehntelbewegung in der linken Hand zu Beginn), doch kurz nachdem die Musik nach H-Dur moduliert, bricht das Manuskript ab. Dabei fungieren wie schon zu Beginn arpeggierte, zumeist verminderte Akkorde jeweils auch als \u00dcberleitung zwischen den einzelnen Abschnitten. So erscheint das, was erhalten ist, erst einmal eher divergent (trotz thematischer Bez\u00fcge), fasziniert aber durch ein gewisses dramatisches Moment und teilweise durchaus orchestral anmutendes Pathos.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden <em>Klavierst\u00fccke in C-Dur D 916B und c-moll D 916C<\/em> (die unter den Skizzen zur Oper <em>Der Graf von Gleichen<\/em> gefunden wurden) sind jeweils Entw\u00fcrfe in Sonatenform aus dem Jahre 1827, wobei D 916B in der Durchf\u00fchrung abbricht, w\u00e4hrend der c-moll-Akkord am Ende von D 916C wohl sogar den Beginn der Reprise darstellt. (Es sei an dieser Stelle kurz angemerkt, dass Waleczek alle Fragmente als solche spielt, also ohne weitere Erg\u00e4nzungen.) Im englischen Original des Begleittexts ist davon die Rede, dass beide die Kopfs\u00e4tze von unvollendeten Sonaten darstellen k\u00f6nnten. Das erscheint angesichts des lebhaften, ungarische Einfl\u00fcsse nahelegenden Charakters von D 916C sehr unwahrscheinlich; wenn, dann d\u00fcrfte es sich eher um einen Finalsatz handeln. J\u00f6rg Demus und Roland S\u00f6lder haben beide S\u00e4tze mit dem (in etwa zeitgleich entstandenen und ebenfalls unvollst\u00e4ndigen, allerdings wohl kaum als Satz einer Sonate gedachten) <em>Allegretto c-moll D 900<\/em> kombiniert und unter dem Titel <em>Sonate oubli\u00e9e<\/em> publiziert (in dieser Form hat es Sebastian Knauer f\u00fcr Berlin Classics eingespielt). Irritierend ist dabei auf den ersten Blick, dass das vermeintliche Finale in c-moll steht, f\u00fcr Schubert ziemlich ungew\u00f6hnlich (jedoch nicht v\u00f6llig ausgeschlossen, wie das Beispiel des fr\u00fchen <em>Streichquartetts C-Dur D 32<\/em> zeigt). Allerdings besitzt das Fragment einen betr\u00e4chtlich ausgedehnten Seitensatz in As-Dur (die Tonalit\u00e4t As dominiert faktisch von Takt 39 bis Takt 116!), der in der Reprise dann sicher nach C-Dur und somit zur\u00fcck zur Grundtonart der mutma\u00dflichen Sonate gef\u00fchrt h\u00e4tte. Egal, ob es sich nun in der Tat um eine \u201evergessene Sonate\u201c handelt oder doch nicht: die Musik ist zwar sicherlich nicht so gewichtig wie Schuberts sp\u00e4te \u201egro\u00dfe\u201c Klaviersonaten, aber es handelt sich doch sehr einnehmende Dokumente von Schuberts reifem Stil. Das Hauptthema von D 916B weist Parallelen zum Hauptthema des ersten Satzes des <em>Sinfoniefragments D-Dur D 936A<\/em> (auch als <em>10. Sinfonie<\/em> bekannt) auf, und die \u00c4hnlichkeiten gehen sogar noch weiter (vgl. etwa die choralartigen Abschnitte gegen Ende der Exposition von D 916C bzw. im ersten Satz von D 936A).<\/p>\n\n\n\n<p>Es folgen eine ganze Reihe von Fugen f\u00fcr Klavier, teils vollst\u00e4ndig, teils fragmentarisch, allesamt wohl aus den Jahren 1812\/13 und wahrscheinlich im Rahmen von Schuberts Unterricht bei Antonio Salieri entstanden. Dass die zweite (und umfangreichste) der vier <em>Fugenskizzen B-Dur D 37A<\/em> in dieser Einspielung nicht ber\u00fccksichtigt wurde, hat triftige Gr\u00fcnde: sie ist zwar auf den \u00fcblichen zwei Systemen notiert, aber f\u00fcr einen Pianisten (allein) aufgrund der gro\u00dfen Intervallabst\u00e4nd nicht spielbar, was den Studiencharakter dieser Kompositionen unterstreicht. \u00dcberhaupt sind diese Werke letztlich allesamt als Studien erkennbar, zum Teil auch noch etwas ungelenk (vgl. den chromatisch gepr\u00e4gten Entwurf C-Dur D 24D oder auch die intensiven, sich \u00fcber 80 bis 90 Takte erstreckenden Modulationen quer durch den Quintenzirkel ab etwa Takt 30 von D 24A, die nicht immer v\u00f6llig elegant geraten sind). Die vollendeten Fugen stammen wohl \u00fcberwiegend aus dem Jahre 1812, w\u00e4hrend sich Schubert in den Entw\u00fcrfen aus dem Jahr 1813, die einen gewissen Reifeprozess dokumentieren, in der Regel auf die Fugenexposition beschr\u00e4nkt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls auf der CD enthalten sind die beiden einzigen M\u00e4rsche Schuberts f\u00fcr Klavier zu zwei H\u00e4nden E-Dur D 606 und h-moll D deest bzw. 757A; Letzterer existiert u.a. auch in einer Version f\u00fcr Klavier zu vier H\u00e4nden (als erster der <em>Trois Marches h\u00e9ro<\/em><em>\u00ef<\/em><em>ques D 602<\/em>). Die CD wird beschlossen von Schuberts eigener Klavierfassung der Ouvert\u00fcre zu seiner Oper <em>Alfonso und Estrella<\/em>; ein wirkungsvoller Abschluss dieses Programms.<\/p>\n\n\n\n<p>Waleczeks Interpretationen bewegen sich auf einem insgesamt soliden Niveau. Einige wenige St\u00fccke (D 593, D 2E und den Beginn von D 605) findet man z.&nbsp;B. auch in Gilbert Schuchters insgesamt sehr poesievoller, den lyrischen Zauber von Schuberts Tonsprache betonenden Gesamteinspielung von Schuberts Klavierwerken aus den Jahren 1969\/70 (der seinerzeit ersten auf dem Tontr\u00e4germarkt). Im Vergleich zeigt sich, dass Schuchters Lesarten den St\u00fccken mehr Charakter verleihen als Waleczeks eher geradlinige Interpretationen. Man h\u00f6re etwa, wie Schuchter dem zentralen <em>Allegretto<\/em> in der Fantasie D 2E einen dezent-perlenden Glanz verleiht oder die kurze <em>Allegro<\/em>-\u00dcberleitung, die zum <em>Largo<\/em> des Anfangs zur\u00fcckf\u00fchrt, mit leichtem Wehmut und Z\u00f6gern versieht. Auch den Beginn von D 605 (das <em>Allegro moderato<\/em> spielt er nicht mehr) versieht Schuchter mit einer Aura des Mysteriums (nicht nur bedingt durch sein langsameres Tempo, sondern auch durch Differenzierung in Agogik und Anschlag), die man bei Waleczek so nicht wiederfindet. Noch gr\u00f6\u00dfer ist die Konkurrenz bei den beiden Scherzi, die z.&nbsp;B. auch Radu Lupu eingespielt hat und dessen Delikatesse, Nuancenreichtum und subtile Gestaltungskraft Waleczek nicht erreicht. Dies freilich ist eher Kritik auf hohem Niveau; st\u00f6render ist hier und da schon eine gewisse Tendenz zum Eilen (etwa, indem punktierte Halbe leicht verk\u00fcrzt werden), besonders offensichtlich in D 154, das recht instabil im Tempo daherkommt, oder auch teilweise im Marsch D 757A. Im Marsch D 606 wiederum ist die Artikulation nicht immer sorgf\u00e4ltig bzw. teils inkonsequent. Gut ger\u00e4t z.B. die Ouvert\u00fcre am Schluss der CD, die Waleczek mit Esprit und Sinn f\u00fcr den orchestralen Ursprung des St\u00fccks darbietet. In der Totalen ist man bei Waleczek in guten, kompetenten H\u00e4nden; es sind ordentliche Lesarten, einwandfrei geeignet, um einen guten Eindruck von Schuberts Rarit\u00e4ten zu vermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Text im Beiheft stammt von Keith Anderson, der f\u00fcr Naxos schon etliche Begleittexte verfasst hat. Er stellt Schuberts Lebensweg recht ausf\u00fchrlich da, ist aber, was die Werke auf dieser CD anbelangt, sehr kurz angebunden (der entsprechende Anteil betr\u00e4gt kaum ein Viertel des gesamten Texts). Nun darf man davon ausgehen, dass K\u00e4ufer dieses Albums \u00fcberwiegend mit Franz Schuberts Leben und Werk gut vertraut sein d\u00fcrften. Insofern w\u00e4re es sinnvoller gewesen, den Schwerpunkt genau umgekehrt zu setzen, zumal es zu den eingespielten Werken ja in der Tat eine ganze Reihe von Hintergrundinformationen zu berichten g\u00e4be. So wird beispielsweise die <em>Fantasie D 605<\/em> mit dem kurzen Satz \u201eUnvollendet ist auch die <em>Fantasie D 605<\/em> aus der Zeit von 1821 bis 1823\u201c abgehandelt, was der Komplexit\u00e4t der \u00dcberlieferung dieses Fragments (inklusive offener Fragen) und der ungew\u00f6hnlichen Struktur nicht gerecht werden kann. Insofern man Zugriff darauf hat, bietet es sich vielmehr an, das von David Goldberger und Walther D\u00fcrr verfasste Vorwort zu Band 4 <em>Klavierst\u00fccke I<\/em> der Neuen Schubert-Gesamtausgabe oder das Vorwort zur Edition der \u201eSonate oubli\u00e9e\u201c von Demus und S\u00f6lder (im Falle von D 916B\/C) zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu loben ist bei alledem das grunds\u00e4tzliche Konzept dieser CD, allerhand kleinere, kaum beachtete Rarit\u00e4ten aus Schuberts Klavierschaffen auf einem Album zu versammeln; eine willkommene Gelegenheit, sich mit diesen insgesamt reizvollen St\u00fccken vertraut zu machen. Insofern w\u00e4re auch eine Fortsetzung (die allerdings nicht anvisiert zu sein scheint) willkommen, etwa mit den Fragmenten D 347 (ein <em>Allegro moderato<\/em> in C-Dur wohl bereits aus dem Jahre 1813, das m\u00f6glicherweise Schuberts allerersten Versuch auf dem Genre der Klaviersonate darstellt), 348, 349 u.v.m. willkommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Holger Sambale, Januar 2022]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos, 8.574135; EAN: 7 47313 41357 7 In Einspielungen aus dem Juli 2020 pr\u00e4sentiert der polnische Pianist Wojciech Waleczek eine vielseitige Auswahl von kleineren St\u00fccken und Rarit\u00e4ten aus Schuberts Klavierschaffen. 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