{"id":4800,"date":"2022-01-29T00:28:00","date_gmt":"2022-01-28T23:28:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=4800"},"modified":"2022-12-30T15:38:29","modified_gmt":"2022-12-30T14:38:29","slug":"begeisternde-neuaufnahme-von-villa-lobos-violinsonaten-emmanuele-baldini-pablo-rossi","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2022\/01\/29\/begeisternde-neuaufnahme-von-villa-lobos-violinsonaten-emmanuele-baldini-pablo-rossi\/","title":{"rendered":"Begeisternde Neuaufnahme von Villa-Lobos\u2018 Violinsonaten"},"content":{"rendered":"\n<p>Naxos 8.574310; EAN: 7 47313 43107 6<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Villa-Lobos-Violinsonaten-Naxos.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Villa-Lobos-Violinsonaten-Naxos-1024x1015.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4801\" width=\"458\" height=\"454\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Villa-Lobos-Violinsonaten-Naxos-1024x1015.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Villa-Lobos-Violinsonaten-Naxos-300x298.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Villa-Lobos-Violinsonaten-Naxos-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Villa-Lobos-Violinsonaten-Naxos-768x762.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Villa-Lobos-Violinsonaten-Naxos.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 458px) 100vw, 458px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>In der h\u00f6chst erfreulichen Naxos-Reihe \u201eThe Music of Brazil\u201c erschien die zweite CD mit dem Violinisten Emmanuele Baldini, der \u2013 diesmal begleitet von Pablo Rossi \u2013 hier die drei Violinsonaten von Heitor Villa-Lobos eingespielt hat.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu den 17 Streichquartetten, die <em>Heitor Villa-Lobos<\/em> (1887\u20131959) w\u00e4hrend seiner gesamten Komponistenlaufbahn begleitet haben, befasste sich der Brasilianer mit anderen Genres der Kammermusik eher sporadisch. So stammen seine drei Violinsonaten \u2013 die beiden ersten tragen au\u00dferdem nicht umsonst die alternative Bezeichnung <em>Fantasia <\/em>\u2013 s\u00e4mtlich aus dem Zeitraum 1912\u20131920; eine Phase, in der der Komponist allerdings mit raschen Fortschritten zu seinem pers\u00f6nlichen Stil fand. Die neunmin\u00fctige erste Sonate komprimiert das Schema <em>schnell\u2013langsam\u2013schnell <\/em>auf einen kompakten, mit <em>D\u00e9sesp\u00e9rance <\/em>betitelten Satz, dessen langsamer Mittelteil anstelle einer normalen Durchf\u00fchrung steht und ein neues Thema der Geige in Flageoletts bringt. In der Reprise erscheinen die drei Themen der Exposition schlie\u00dflich in umgekehrter Reihenfolge. Das zwischen Trauer und \u00dcbermut schwankende Werk steht noch ganz in sp\u00e4tromantischer Tradition.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweiten <em>Sonata fantasia <\/em>(1914) merkt man dann schon sehr an, dass Villa-Lobos \u2013 er selbst spielte bislang vor allem Cello \u2013 nun mit der Pianistin Luc\u00edlia Guimar\u00e3es verheiratet war. Die Schreibweise besonders f\u00fcr das Klavier, aber ebenso f\u00fcr die Violine, wird deutlich elaborierter. Das St\u00fcck besteht aus drei vollwertigen S\u00e4tzen und ist eine der fr\u00fchesten Kompositionen, wo Villa-Lobos Elemente der Volksmusik \u2013 zwischen 1905 und 1912 hatte der Mann aus Rio de Janeiro ausgiebig das Landesinnere Brasiliens bereist \u2013 mit einflie\u00dfen l\u00e4sst. H\u00f6hepunkt ist, wie auch meist in seinen Symphonien, der abwechslungsreiche, innige zweite Satz, der an impressionistische Stimmungen ankn\u00fcpft; besonders sch\u00f6n, wenn sich die Musik etwa an Momente mit Ganztonleitern geradezu verlieren darf. Das Finale bedient eine umf\u00e4ngliche Rondoform.<\/p>\n\n\n\n<p>In der letzten Sonate aus dem Jahr 1920 verl\u00e4sst Villa-Lobos trotz \u00e4u\u00dferer Dreis\u00e4tzigkeit vertraute Konventionen. Der Kopfsatz ist ein Adagio, das wahrlich rhapsodisch zu nennen ist; der Komponist hat sich jetzt zu einem <em>\u201euniversalen<\/em> <em>Folkloristen<\/em>\u201c (Villa-Lobos) entwickelt, der sich seine multi-ethnischen Quellen auf vielf\u00e4ltigste Weise nutzbar macht \u2013 zusammen mit immer weiter verfeinerten Techniken europ\u00e4ischer Kunstmusik. Auf das virtuose Scherzo folgt hier am Schluss ein rasanter Sonatensatz \u2013 was f\u00fcr ein hinrei\u00dfender Kracher! Unverst\u00e4ndlich, dass sich die Geiger nicht auf diese wundervoll inspirierende Musik st\u00fcrzen. <em>Emmanuele Baldini<\/em>, der den Rezensenten bereits mit seiner ersten CD in obiger Naxos Reihe \u2013 mit Violinsonaten von Miguez und Vel\u00e1squez \u2013 total begeistert hatte (siehe <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/04\/17\/brasilianische-violinsonaten-fein-erarbeitet\" data-type=\"URL\" data-id=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2020\/04\/17\/brasilianische-violinsonaten-fein-erarbeitet\">Rezension<\/a>), h\u00e4lt bei Villa-Lobos erneut sein Weltklasse-Niveau.<\/p>\n\n\n\n<p>Verglichen mit der musikalisch hochrangigen Konkurrenz kann er sowohl Jue Yao \u2013 die 1989 mit dem Amerikaner Alfred Heller die Sonaten eingespielt hat \u2013 als auch Jenny Abel (mit Roberto Szidon) klanglich, intonatorisch und von der differenzierten Formdurchdringung her locker ausstechen. Das gilt insbesondere f\u00fcr die ersten beiden Sonaten, dessen romantisch-impressionistischer Gestus dem italienischen Geiger anscheinend perfekt liegt. Die dritte Sonate geht Baldini stellenweise zu diskret an \u2013 z.\u00a0B. bei den zahlreichen Glissandi im ersten Satz, die mehr nach Seufzern klingen d\u00fcrften. So gelingt auch die fantastische Farbigkeit von deren Finale Abel\/Szidon am besten, trotz unertr\u00e4glich viel Halls. Der brasilianische Pianist <em>Pablo Rossi <\/em>ist ein exzellenter Begleiter, der es mit Szidon durchaus aufnehmen kann und Heller \u2013 immerhin noch ein pers\u00f6nlicher Sch\u00fctzling Villa-Lobos\u2018 \u2013, der \u00e4u\u00dferst trocken und akademisch wirkt, weit \u00fcberlegen ist. Die au\u00dfergew\u00f6hnliche Spielfreude von Karin Fernandes in der Miguez\/Vel\u00e1squez-CD erreicht er leider nicht ganz. Aufnahmetechnisch ist die wirklich vorz\u00fcgliche Naxos-Produktion aus New York ohnehin mit Abstand am nat\u00fcrlichsten, gewinnt somit in der Summe den Wettstreit der drei Gesamtaufnahmen klar.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vergleichsaufnahmen: <\/strong>Jue Yao, Alfred Heller (Etcetera KTC 1101, 1989); Jenny Abel, Roberto Szidon (Bayer Records BR 100119; lizensiert: Brilliant Classics 9051, 1982)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Martin Blaumeiser, Januar 2022]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos 8.574310; EAN: 7 47313 43107 6 In der h\u00f6chst erfreulichen Naxos-Reihe \u201eThe Music of Brazil\u201c erschien die zweite CD mit dem Violinisten Emmanuele Baldini, der \u2013 diesmal begleitet von Pablo Rossi \u2013 hier die drei Violinsonaten von Heitor Villa-Lobos eingespielt hat. 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