{"id":502,"date":"2016-02-04T01:01:07","date_gmt":"2016-02-04T00:01:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=502"},"modified":"2016-02-04T01:04:35","modified_gmt":"2016-02-04T00:04:35","slug":"casellas-aufbruch-in-die-musikmoderne-von-noseda-fast-zu-schoen-dirigiert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/02\/04\/casellas-aufbruch-in-die-musikmoderne-von-noseda-fast-zu-schoen-dirigiert\/","title":{"rendered":"Casellas Aufbruch in die Musikmoderne: Von Noseda fast zu sch\u00f6n dirigiert"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\">CHANDOS\/note 1<br \/>\nKatalog-Nr.: CHAN10880<br \/>\nEAN: 095115188026<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grete0006.jpg\" rel=\"attachment wp-att-503\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-503 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grete0006-297x300.jpg\" alt=\"Grete0006\" width=\"297\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grete0006-297x300.jpg 297w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grete0006-768x777.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grete0006-1012x1024.jpg 1012w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Grete0006.jpg 1400w\" sizes=\"(max-width: 297px) 100vw, 297px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schon lange verfolge ich die \u00e4u\u00dferst spannenden Reihen mit Einspielungen der klassischen italienischen Musikmoderne bei den Labels Chandos und Naxos. Beide Labels haben sich ihre Meriten redlich verdient. W\u00e4hrend bei Naxos solide gemachte Einspielungen in gro\u00dfer Vielfalt vorliegen, scheint sich Chandos eher die Rosinen aus dem Kuchen zu picken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als \u00fcbergreifendes Motto k\u00f6nnte man ausloben: Bei Chandos regiert perfekter, polierter Sch\u00f6nklang ohne die Ecken und Kanten dieser Musik zu \u00fcberbetonen, bei Naxos gibt es ruppig-solides Orchesterabenteuer mit ausdr\u00fccklicher Betonung der modernistisch\/futuristischen Aspekte dieser Musik.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daraus geht schon hervor, dass beide Konzeptionen nicht restlos \u00fcberzeugen k\u00f6nnen. Klar, denn weder Gianandrea Noseda (mit dem in allen Gruppen vorz\u00fcglich besetzten BBC Philharmonic) wird hier Casella ganz gerecht noch das inzwischen tragischerweise liquidierte Orchestra Sinfonica di Roma unter der Leitung Francesco La Vecchias. Beide Parteien bieten keine wirklich ausgewogene, sondern eher eine tendenzi\u00f6se Interpretation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun muss man aber froh sein, dass es \u00fcberhaupt Einspielungen dieser Musik gibt, denn bis vor wenigen Jahren waren Casellas Sinfonien das vielleicht bedauerlichste aller Desiderate am CD-Markt. Dabei sei darauf hingewiesen, dass jedenfalls bei Casellas sinfonischem Erstling eine durchaus breite H\u00f6rergruppe zu gewinnen sein m\u00fcsste, denn die Musik kommt einerseits den Anh\u00e4ngern der Fraktionen Strauss, Mahler, Bruckner und Wagner entgegen und bietet andererseits denjenigen, die sich f\u00fcr den aufkeimenden Expressionismus interessieren, zahlreiche Ansatzpunkte und durchaus auch einige \u00dcberraschungen. Mich pers\u00f6nlich erinnern Casellas Sinfonien (und dabei vor allem die hier zu h\u00f6rende Erste) immer wieder an die Gattungsbeitr\u00e4ge George Enescus, vor allem auch im Hinblick auf den gewaltigen Orchesterapparat, der hier zum Einsatz kommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und was in dieser Musik alles drin steckt! Hier haucht der Jugendstil gerade noch seinen Lebensodem aus und wird live vor den Ohren des Publikums \u00fcberrollt von der Dampfwalze der Moderne. Und auch, wenn man Zeitgeschichte und Musikgeschichte nicht ohne Weiteres verquicken soll, ist es doch auch aufschlussreich dar\u00fcber nachzudenken, dass diese Musik \u201eam Vorabend\u201c des Ersten Weltkriegs in den Jahren 1912-13 geschrieben wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gianandrea Noseda erreicht mit dem BBC Philharmonic einen sahnig-saftigen Sch\u00f6nklang, den weder die Berliner Philharmoniker besser hinbekommen h\u00e4tten noch Mariss Jansons beim Concertgebouw Orkest. Das Niveau des BBC Philharmonic ist bei dieser Einspielung wahrlich bestechend. Ob es, wie gesagt, der richtige Weg ist, um der Musik Casellas wirklich nahezukommen, sei dahingestellt. Ich pers\u00f6nlich finde diesen Sound sehr reizvoll. Auch, weil er einem die Ann\u00e4herung an diese schwierig zu rezipierenden Werke fraglos erleichtert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die weiteren St\u00fccke auf diesem Album sind die wuchtige Elegia eroica Op. 29 von 1916, eine Musik mit fahl-gespenstischen Marschrhythmen und voller Ankl\u00e4nge an eine fatale Zeit. Dieses Werk ist mit seiner ersch\u00fctternden Aura ganz atemberaubend. Etwas weniger tragend, nichtsdestotrotz sch\u00f6n anzuh\u00f6ren und in ihrer frappierenden \u201eWunderhorn\u201c-Klangwelt sicherlich am n\u00e4chsten am Kollegen Mahler angesiedelt, sind die Sinfonischen Fragmente aus \u201eLe Couvent sur l\u2019eau\u201c, \u00dcberraschungsauftritt von Sopranistin Gillian Keith inklusive.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kurz und gut: Dies ist eine gelungene, wichtige, mitrei\u00dfende und auch sehr sch\u00f6ne CD mit ganz hervorragender sinfonischer Musik, die h\u00e4ufiger gespielt und geh\u00f6rt werden sollte. Aber diese Aufnahme ist ebensowenig wie die der Kollegen vom Naxos-Label als objektiv zu bezeichnen, wenn man sich exemplarisch mit Casellas sinfonischem Schaffen besch\u00e4ftigen m\u00f6chte. Eine Referenzaufnahme der ersten Sinfonie gibt es derzeit schlichtweg nicht am Markt, und diese Einspielung von Gianandrea Noseda \u00e4ndert diesen bedauerlichen Zustand nicht wirklich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>[Grete Catus, Februar 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CHANDOS\/note 1 Katalog-Nr.: CHAN10880 EAN: 095115188026 Schon lange verfolge ich die \u00e4u\u00dferst spannenden Reihen mit Einspielungen der klassischen italienischen Musikmoderne bei den Labels Chandos und Naxos. Beide Labels haben sich ihre Meriten redlich verdient. 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