{"id":508,"date":"2016-02-05T12:27:49","date_gmt":"2016-02-05T11:27:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=508"},"modified":"2016-02-05T12:27:49","modified_gmt":"2016-02-05T11:27:49","slug":"die-schwedische-klassik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2016\/02\/05\/die-schwedische-klassik\/","title":{"rendered":"Die schwedische Klassik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Naxos 8.572457, EAN: 7 47313 24577 2<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Naxos 8.573378, EAN: 7 47313 33787 3<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/0026.jpg\" rel=\"attachment wp-att-509\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-509\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/0026-300x263.jpg\" alt=\"0026\" width=\"300\" height=\"263\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/0026-300x263.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/0026-768x674.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/0026-1024x898.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/0027.jpg\" rel=\"attachment wp-att-510\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-510\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/0027-300x260.jpg\" alt=\"0027\" width=\"300\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/0027-300x260.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/0027-768x666.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/0027-1024x888.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das G\u00e4vle Symphonieorchester spielt unter G\u00e9rard Korsten die vier fertiggestellten Symphonien des schwedischen Komponisten Joachim Nikolas Eggert f\u00fcr Naxos ein, ebenso die Ouvert\u00fcre aus der Schauspielmusik zu Mohrene i Spanien sowie die gesamte Schauspielmusik zu Svante Sture. Abgesehen von der dritten Symphonie und den Mohren in Spanien handelt es sich durchgehend um Ersteinspielungen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieder einmal gelingt es Naxos, einen zu Unrecht vollkommen in Vergessenheit geratenen Komponisten zu entdecken und die zum gr\u00f6\u00dften Teil noch nie eingespielte Musik den H\u00f6rern zug\u00e4nglich zu machen. Dieses Mal ist es ein besonders wertvoller Gl\u00fccksgriff, denn Joachim Nikolas Eggert ist eine Generation vor Franz Berwald gewisserma\u00dfen das Bindeglied zwischen der Wiener Klassik und dem schwedischen Musikleben, au\u00dferdem ein Neuerer ungeahnten Ausma\u00dfes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Joachim Nikolas Eggert wurde 1779 auf R\u00fcgen geboren, das damals noch zu Schwedisch-Pommern geh\u00f6rte, bevor es 1807 von den Franzosen besetzt wurde. Nachdem er von Heimatk\u00fcnstlern fr\u00fch als au\u00dfergew\u00f6hnliches Talent entdeckt wurde und eine Ausbildung unter anderem in Stralsund absolvierte, erhielt er 1802 seine erste Anstellung als Kapellmeister in Mecklenburg-Schwerin. Im kommenden Jahr wollte er eine Reise nach St. Petersburg antreten, musste diese allerdings krankheitsbedingt in Stockholm beenden, wo er sp\u00e4ter einen Violinistenposten erhielt. In Schweden entstanden alle seine vier vollendeten Symphonien, mutma\u00dflich zwischen 1804 und 1810. 1807 wurde er Kapellmeister der K\u00f6niglichen Schwedischen Musikakademie und baute seine Reputation von dort stark aus. Mit nur 34 Jahren starb Eggert an Tuberkulose in der schwedischen Provinz im Hause eines seiner Studenten. Besondere Verdienste erwarb er sich durch Erstauff\u00fchrungen von Werken Mozarts und Beethovens in Schweden. Joachim Nikolas Eggert geh\u00f6rt zu den fortschrittlichsten Komponisten seiner Zeit und somit sollte auch jegliche Verwechslungsgefahr zu einem recht langweilig zu h\u00f6renden deutschen Komponisten unserer Zeit gleichen Nachnamens beseitigt sein, der abgesehen von skurrilen wie sinnlosen Ideen keinerlei h\u00f6renswerte Neuerung schuf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jede der vier Symphonien (eine f\u00fcnfte blieb unvollendet) Joachim Nikolas Eggerts ist ein komplett eigenst\u00e4ndiges Werk und weist einzigartige Charakteristika auf. Auff\u00e4llig ist die enorme Kantabilit\u00e4t der Melodien, die jeden Satz geradezu zu einem Ohrwurm werden l\u00e4sst. Die Satzstruktur ist schlicht und gut durchh\u00f6rbar, doch f\u00e4llt stets das gro\u00dfe kompositorische Geschick Eggerts ins Auge. Sowohl in kurzen S\u00e4tzen der Symphonien und in den nie l\u00e4nger als drei Minuten dauernden St\u00fccken der Schauspielmusiken als auch in den gro\u00df dimensionierten symphonischen Kopfs\u00e4tzen mit einer L\u00e4nge von je \u00fcber zehn Minuten zeigt sich eine brillante Formbeherrschung. Stets hat der H\u00f6rer die klare Orientierung, wo gerade er sich innerhalb eines Werkes befindet, und zu keiner Zeit entsteht ein Moment einer \u00dcberstrapazierung der symphonischen Form. W\u00e4hrend die Symphonien Nr. 1, 2 und 4 einen klassischen viers\u00e4tzigen Aufbau aufweisen durch schnellen Kopfsatz mit langsamer Einleitung, langsamen Satz, Menuett und Trio sowie schnellen Finalsatz (in der 4. Symphonie eine Fuge), geht die dritte Symphonie ganz eigene und \u00e4u\u00dferst interessante Wege: Das 1807 komponierte Werk beginnt mit einem dreizehnmin\u00fctigen Kopfsatz, auf den ein kurzer Marsch im Grave folgt, der von einer ebenso nicht sonderlich langen Fuge beendet wird, die wiederum einen langsamen und dann erst einen schnellen Teil hat &#8211; das ansonsten vorhandene scherzohafte (man erinnere sich an die Symphonien von Ludvig van Beethoven) Menuett fehlt. Teils nimmt Eggert auch damals noch nicht sonderlich \u00fcbliche Besetzungen auf, so finden sich in der zweiten Symphonien bereits drei Trompeten (wodurch die Urauff\u00fchrung sogar verschoben werden musste, da es an eben jenem dritten Trompeter mangelte), und in der vierten Symphonie erscheint in h\u00e4ufigem Gebrauch die Triangel, die zu der Zeit noch lange nicht etabliert im Orchester war und haupts\u00e4chlich der &#8222;T\u00fcrkenoper&#8220; zugeordnet wurde. Das musikalisch wohl am weitesten in die Zukunft reichende Werk ist der alternative zweite Satz zur vierten Symphonie, ein Largo: Zu Beginn spielt lediglich ein Solohorn, dem sich ein zweites Horn hinzugesellt. Zusammen wandern sie in feinster Zweistimmigkeit durch allerlei teils herbe Dissonanzen, die absolut nicht in die Zeit passen m\u00f6chten, sondern den H\u00f6rer ins sp\u00e4te 19. Jahrhundert zu katapultieren scheinen (zu wagnerischen Kl\u00e4ngen, wie der Autor des Booklettextes Bertil van Boer meint, der abgesehen von etlichen viel zu weit hergeholten und vor allem musikchronologisch vorausgreifenden Vergleichen viele wissenswerten Informationen zu Komponist und Werk bietet). Und so unscheinbar, wie er begann, endet der Satz auch wieder mit einem nur alibihaft kadenzierenden Horn, wo noch immer der Vorhalt sichtlicher in Erinnerung bleibt als die &#8222;zu&#8220; kurze Aufl\u00f6sung. Ob wohl Eggert der Satz zu modern war, oder dem Publikum, und er deshalb nur als Alternativsatz \u00fcberliefert ist? \u00dcber zeitgen\u00f6ssische Rezeption ist uns leider nichts bekannt &#8211; doch hoffentlich wird die Forschung in B\u00e4lde wissenswerte Informationen zutage f\u00f6rdern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das G\u00e4vle Symphonieorchester spielte die nun erschienen CDs gr\u00f6\u00dftenteils 2014 in Schweden ein, die Symphonien Nr. 1 und 3 waren allerdings schon 2009 fertiggestellt &#8211; kurz darauf erschienen bei Musikaliska Kunstforeningen in Schweden auch die Partituren aller vier Symphonien. Das Orchester beeindruckt mit farbenreich schillerndem und brillantem Klang, auch ist es in polyphonen Passagen gut aufeinander abgestimmt und l\u00e4sst die gewaltige Stimmenvielfalt gut durchh\u00f6rbar mitverfolgen. Der Klang ist recht vollt\u00f6nend und kann in den Tuttipassagen \u00e4u\u00dferst animierend wirken, daf\u00fcr sind allerdings einige der eigentlich zur\u00fcckhaltenden Stellen ein wenig zu voll und massiv vorgetragen. Dynamisch sind die Werke gut erarbeitet und viele kleine Details sch\u00f6n ausgestaltet, mit selten schwankender Qualit\u00e4t. Enorm stimmungsvoll gelingen dem Dirigenten G\u00e9rard Korsten vor allem die Abschnitte in kleinen Besetzungen, die er umso genauer erarbeiten lie\u00df, um sie mit einem magischen Glanz zu umh\u00fcllen und die wenigen Instrumente feinf\u00fchlig aufeinander abzustimmen. Also liegt hier eine \u00fcberaus h\u00f6renswerte Einspielung aller Symphonien des schwedischen Komponisten Joachim Nikolas Eggert vor; dieser Komponist sollte dringend verst\u00e4rkt erforscht und vermehrt dargeboten werden, es handelt sich um eine der herausragenden Entdeckungen der Zeit um 1800.<\/p>\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, Februar 2016]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naxos 8.572457, EAN: 7 47313 24577 2 Naxos 8.573378, EAN: 7 47313 33787 3 Das G\u00e4vle Symphonieorchester spielt unter G\u00e9rard Korsten die vier fertiggestellten Symphonien des schwedischen Komponisten Joachim Nikolas Eggert f\u00fcr Naxos ein, ebenso die Ouvert\u00fcre aus der Schauspielmusik zu Mohrene i Spanien sowie die gesamte Schauspielmusik zu Svante Sture. 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