{"id":5120,"date":"2022-03-11T09:39:00","date_gmt":"2022-03-11T08:39:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/?p=5120"},"modified":"2022-03-12T08:54:20","modified_gmt":"2022-03-12T07:54:20","slug":"im-rausch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.the-new-listener.de\/index.php\/2022\/03\/11\/im-rausch\/","title":{"rendered":"Im Rausch"},"content":{"rendered":"\n<p>Decurio, DEC-005; EAN: 4 270000 083532<\/p>\n\n\n\n<p><em>Auf ihrem Album mit dem Tite Volupt\u00e9 b\u00fcndeln die Sopranistin Emma Moore und die Pianistin Klara Hornig Liederzyklen von Debussy, Kraus und Ullmann. Sie beginnen mit den vergleichsweise selten zu h\u00f6renden Cinq Po\u00e8mes de Charles Baudelaire von Debussy in ihrer f\u00fcr den Tonsetzer ungewohnt romantisch-wuchtigen Ausgestaltung. Im Zentrum stehen die Acht Ges\u00e4nge nach Gedichten von Rainer Maria Rilke des eher als Dirigent bekannten Clemens Krauss. Erg\u00e4nzt wird das Programm durch Viktor Ullmanns F\u00fcnf Liebeslieder nach Ricarda Huch op. 26.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/DEC-005_Album-Cover-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"1015\" src=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/DEC-005_Album-Cover-1024x1015.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5121\" srcset=\"http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/DEC-005_Album-Cover-1024x1015.jpg 1024w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/DEC-005_Album-Cover-300x297.jpg 300w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/DEC-005_Album-Cover-150x150.jpg 150w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/DEC-005_Album-Cover-768x761.jpg 768w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/DEC-005_Album-Cover-1536x1523.jpg 1536w, http:\/\/www.the-new-listener.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/DEC-005_Album-Cover-2048x2031.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Sinnlichkeit der Texte und der Musik, das bildet den Mittelpunkt des Albums <em>Volupt\u00e9<\/em> von Emma Moore und Klara Hornig. Der nicht w\u00f6rtlich ins Deutsche \u00fcbersetzbare Titel steht dabei nach Aussagen der K\u00fcnstlerinnen f\u00fcr das Schwelgerische, den Ausbruch aus den Konventionen und das Eintauchen in rauschhaft-weltfremde Zust\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Aufnahme fungierte ein Liedzyklus von Clemens Krauss bestehend aus acht Rilke-Vertonungen, der die K\u00fcnstlerinnen seit Jahren in den Bann zieht und dem sie einen prominenteren Platz im Liedrepertoire w\u00fcnschen. Die Musik von Krauss wird beeinflusst durch seine k\u00fcnstlerische wie private N\u00e4he zu Richard Strauss, von dem er einige Werke uraufgef\u00fchrt hat und sogar am Libretto der Oper <em>Capriccio<\/em> beteiligt war. Gerade harmonisch l\u00e4sst sich die N\u00e4he erkennen, wobei Krauss dem H\u00f6reindruck nach mehr den tonalen Zentren verbunden bleibt und unmittelbare Ausbr\u00fcche daraus ausschlie\u00dflich in Ausdeutung des Textes unternimmt. Zumindest l\u00e4sst Krauss seine Modulationen leichter verfolgen, als Strauss es meist tat \u2013 so behaupten sie Eigenst\u00e4ndigkeit, die man ihnen nicht absprechen sollte. Die <em>Acht Lieder<\/em> muten im Klaviersatz \u00e4u\u00dferst orchestral an und bieten den Interpret*innen Herausforderungen nicht bez\u00fcglich des Mechanischen, sondern des Gestalterischen. In ihrer Wirkung erweisen sie sich jedoch als \u00e4u\u00dferst dankbar, da man den Text und die musikalischen Kommentare auf diesen gut verfolgen kann und sich so die Worte in den T\u00f6nen vornehmlich entfalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <em>Cinq Po\u00e8mes de Charles Baudelaire<\/em> erscheinen fast untypisch f\u00fcr Claude Debussy, so getragen voll und wuchtig behandelt er das Klavier. Trotz der typisch franz\u00f6sischen Akkorderweiterungen schwingt ein wenig die deutsche Sp\u00e4tromantik mit, zumindest angesichts der ausladenden Gesten und des s\u00fcffig schwelgenden Pathos. Allein die L\u00e4nge des ersten Liedes erstaunt: Knappe neun Minuten misst es. Unabh\u00e4ngig dessen untermauern sie Debussys feines Gesp\u00fcr f\u00fcr die Texte und deren Bildlichkeit, die er bedingungslos in T\u00f6ne verwandelt und es einmal mehr schafft, auch andere Sinne als das H\u00f6ren allein durch die Imagination zu aktivieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Musikalisch am radikalsten begehren die <em>F\u00fcnf Liebeslieder nach Ricarda Huch<\/em> op. 26 auf, die gerade auch das sehnende, verlangende Element des Liebens thematisieren und greifbar mitf\u00fchlend ausdr\u00fccken. Ullmann setzt auf K\u00fcrze und Pr\u00e4gnanz, reduziert auf entscheidende Motive, statt die Linie frei dem Text nach umzusetzen, woraus eine extreme Geschlossenheit und Dichte resultiert. Er kreiert hoch expressive Mikrokosmen, die unter steter Hochspannung stehen. Ihm gelang wie nur wenigen anderen im Umkreis Sch\u00f6nbergs ein solch unverwechselbarer Personalstil.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vorliegende Aufnahme durch Emma Moore und Klara Hornig pr\u00e4sentiert eine innige, wohldurchdachte und doch emotionale Deutung der drei Liedzyklen. Die beiden Musikerinnen setzen auf W\u00e4rme und weichen Klang, auf Expressivit\u00e4t ohne Zwang. Klara Hornig denkt gerade Debussy und Krauss orchestral, was bei Letzterem an die Grenzen der klanglichen M\u00f6glichkeiten des Klaviers st\u00f6\u00dft. Ullmann erscheint bei ihr wieder pianistischer, dabei stets abgr\u00fcndig. Hornig kultiviert einen samtenen Anschlag frei von H\u00e4rte und schlagenden Bewegungen, sie entwickelt eine ausgewogene Dynamik mit reicher Abstufung. Bei Emma Moore sticht besonders ihre klare Aussprache hervor, die jeden Konsonanten erklingen l\u00e4sst, ohne ihn \u00fcberzubetonen, was einerseits dem Textverst\u00e4ndnis zugutekommt, andererseits aber auch einen angenehmen Ambitus an Konturen hervorbringt. Bis in die hohen Lagen brilliert sie durch einladend warmes Timbre. Unverkennbar bleibt die langj\u00e4hrige Zusammenarbeit der beiden Musikerinnen, die im gleichen Atem agieren und ihr Dr\u00e4ngen und Innehalten perfekt abstimmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>[Oliver Fraenzke, M\u00e4rz 2022]<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Decurio, DEC-005; EAN: 4 270000 083532 Auf ihrem Album mit dem Tite Volupt\u00e9 b\u00fcndeln die Sopranistin Emma Moore und die Pianistin Klara Hornig Liederzyklen von Debussy, Kraus und Ullmann. 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